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Selenskyj sieht bedrohliche Lage im Osten – Lawrow erzürnt nach Überflug-Abfuhr

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Drei Länder auf dem Balkan verweigern dem russischen Außenminister den Überflug. Dieser findet das „ungeheuerlich“. Zu Wasser gelingt den Ukrainern nach eigenen Angaben ein Erfolg: das Zurückdrängen der russischen Flotte. Zu Land sehen sie sich unterdessen mit heiklen Gefechtslagen konfrontiert. Der Kriegstag im Überblick.

Schwierige Lage in Sjewjerodonezk und Saporischschja

In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk spitzt sich die Lage weiter zu. Nach der Zurückeroberung von etwa der Hälfte der Stadt hätten sich die ukrainischen Einheiten wieder ins Industriegebiet zurückziehen müssen, sagte der ukrainische Militärgouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, im ukrainischen Fernsehen. Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj klang konsterniert. „Wir halten die Lage, halten eben die Lage“, sagte er der Agentur Interfax-Ukraine zufolge. Die russischen Truppen seien überlegen. „Dennoch haben wir alle Chancen, in dieser Richtung weiter zu kämpfen“, betonte der 44-Jährige.

Für die ukrainischen Truppen gebe es „schrittweise“ Erfolge im angrenzenden Gebiet Charkiw. Am „bedrohlichsten“ sei die Situation jedoch im Gebiet Saporischschja, in dem die russische Armee die Gebietshauptstadt bedrohe, sagte er nach einem Besuch an der Front. Armeesprecher Olexander Motusjanyk berichtete von intensiven Kämpfen „praktisch entlang der gesamten Frontlinie in den Gebieten Luhansk und Donezk“. Die russische Luftwaffe habe 39 Einsätze für Luftschläge auch außerhalb der Ostukraine geflogen. Ziele im Land seien zudem mit landgestützten Raketen von der von Russland annektierten Halbinsel Krim beschossen worden.

Lawrow erzürnt nach geplatzter Reise

Um Luftraum gab es einen Disput, dem Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zufolge gar eine „feindliche Handlung“. So deutete er die Sperrung des europäischen Luftraums durch Bulgarien, Nordmazedonien und Montenegro für Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der nach Serbien reisen wollte. Dessen Reisepläne platzten.

Der russische Außenminister selbst kritisierte die Blockade durch einige „NATO-Mitglieder“ als „ungeheuerlich“. Die Sperrung des Luftraums sei eine „schändliche Bestrafung“ für ein Land, das gemäß seinen eigenen nationalen Interessen eigenständig seine Außenpolitik bestimmen wolle, sagte Lawrow. „Die Puppenspieler in Brüssel wollen den Balkan in ihr Projekt eines geschlossenen Balkans verwandeln.“ Lawrow meinte, dass die westlichen Länder immer mehr eigene Probleme hätten, sich aber damit beschäftigten, die Beziehungen zwischen anderen Ländern zu erschweren.

Ukraine: Russische Flotte zurückgedrängt

Die ukrainische Armee meldete indes zu Wasser einen Erfolg: Ihr ist es nach eigenen Angaben gelungen, die russische Flotte auf mehr als 100 Kilometer Entfernung von der Schwarzmeerküste des Landes zurückzudrängen. Der russischen Flotte sei die „totale Kontrolle über den Nordwesten des Schwarzen Meers entzogen“ worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Russland versuche aber, die Kontrolle über das Meeresgebiet zurückzuerobern, den Städten an der Küste drohten weiterhin russische Raketenangriffe. Zudem blockiere die russische Flotte weiterhin die zivile Schifffahrt, erklärte das Ministerium.

Kulturstaatsministerin Roth sagt Odessa Hilfe zu

Kulturstaatsministerin Claudia Roth traf am Nachmittag zu einem zweitägigen Besuch in Odessa ein. Die Grünen-Politikerin ist das erste Mitglied der Bundesregierung, das nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor mehr als 100 Tagen in der strategisch wichtigen Hafenstadt am Schwarzen Meer zu Gast ist. Roth will der ukrainischen Stadt bei der Bewerbung zum UNESCO-Welterbe helfen. Das sicherte die Grünen-Politikerin dem ukrainischen Kulturminister Olexandr Tkatschenko und dem Bürgermeister der südwestukrainischen Stadt, Hennadij Truchanow, zu.

Einigung für Getreide-Passage über Seeweg?

Die russische Führung hat einem Medienbericht zufolge mit Kiew und Ankara ein Schema zur Freigabe von Getreidelieferungen aus dem bisher blockierten Schwarzmeerhafen Odessa abgestimmt. „In den Hoheitsgewässern des Nachbarlands übernehmen türkische Militärs die Minenräumung, und sie werden auch die Schiffe bis in neutrale Gewässer begleiten“, beschrieb die kremlnahe Tageszeitung „Iswestija“ unter Berufung auf Regierungskreise den geplanten Ablauf. Die russische Blockade ukrainischer Häfen führte speziell in den armen Ländern Afrikas zu Befürchtungen einer Hungersnot, da das Land zu den größten Exporteuren von Getreide zählt. Außenminister Lawrow wird am Mittwoch in der türkischen Hauptstadt zu Gesprächen erwartet.

Der ukrainische Präsident Selenskyj warnte indessen noch einmal vor einer immer dramatischeren Blockade der Getreide-Exporte. Die blockierte Menge des für den Export bestimmten Getreides aus der Ukraine könnte sich bis „zum Herbst“ auf 75 Millionen Tonnen verdreifachen, sagte er. Vor der russischen Invasion war die Ukraine der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen und Mais. Derzeit seien zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Getreide blockiert, „bis zum Herbst könnte diese Zahl auf 70 bis 75 Millionen Tonnen ansteigen“, so Selenskyj vor Journalisten in Kiew.

UN-Vertreter Russlands verlässt während Rede den Saal

Auf diplomatischer Ebene gab es unterdessen am Abend in New York einen Eklat: Während einer Rede von EU-Ratschef Charles Michel verließ Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja den UN-Sicherheitsrat. Michel hatte den russischen Vertreter bei dem Treffen des Rats zum Krieg in der Ukraine zuvor direkt adressiert und dem Kreml unter anderem den Diebstahl von Getreide aus der Ukraine vorgeworfen. Daraufhin verließ Nebensja, der zuvor schon eine Rede gehalten und auch von Vertretern anderer Länder gegen Russland vorgebrachte Vorwürfe zum wiederholten Mal zurückgewiesen hatte, den Rat. „Sie können den Raum verlassen, lieber Herr Botschafter, vielleicht ist es einfacher, der Wahrheit nicht zuzuhören“, kommentierte Michel.

Russland sanktioniert 61 Politiker und Manager aus USA

Russland verhängte im Übrigen Sanktionen gegen 61 Politiker und Manager aus den USA. Darunter seien Finanzministerin Janet Yellen und Energieministerin Jennifer Granholm, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Die Sanktionen richteten sich auch gegen führende Manager aus der Rüstungsindustrie und der Medienbranche. Es handle sich um eine Vergeltung für die Ausweitung von US-Sanktionen gegen Vertreter Russlands.

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