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Selenskyj schließt Gebietsabtretungen weiter aus

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„Wir haben bereits zu viele Menschen verloren, um einfach so unser Territorium abzugeben“, sagt der ukrainische Präsident Selenskyj. Deshalb werde Kiew weder Gebiete an den russischen Invasor abtreten noch den Kampf gegen ihn aufgeben. Derweil halten die Gefechte in Sjewjerodonezk an.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält ein Ende des von Russland gegen sein Land geführten Krieges weiter nur auf dem „Schlachtfeld“ für möglich. „Vor allem muss der Sieg auf dem Schlachtfeld sein“, sagte der 44-Jährige in einem Gespräch mit der „Financial Times“. Um anzugreifen, mangele es der Ukraine aber weiter an Technik. Ohne zusätzliche Ausrüstung sei es für Kiew schwer, die Verluste wären groß.

„Die Menschen haben für mich aber Priorität“, betonte der Präsident. Der Westen müsse dabei auch weiterhin an der Souveränität der Ukraine Interesse haben. „Es kann keinerlei Gespräche ohne die Ukraine, hinter unserem Rücken geben.“ Die Ukraine werde auch nicht mangels Geld, Treibstoffs oder aufgrund der zerstörten Infrastruktur gesprächsbereiter werden. „Wir haben bereits zu viele Menschen verloren, um einfach so unser Territorium abzugeben“, betonte das Staatsoberhaupt. Moskau fordert von Kiew Gebietsabtretungen für ein Ende des Krieges.

Nichts zwinge Russland bisher, den Krieg zu beenden. Kiew sei zwar für die westlichen Sanktionen gegen Moskau dankbar. „Sie beeinflussen heute Russland nicht so (wie wir es wünschen), weil sie nicht im vollen Umfang sind“, meinte Selenskyj. Die Europäer sollten den totalen Boykott von russischem Erdgas und Erdöl nicht fürchten. Zugleich räumte er ein, dass Russland bereits erste Erfolge habe, die Sanktionen zu umgehen.

Die Ukraine verteidigt sich seit Ende Februar gegen einen russischen Angriff. Die Vereinten Nationen haben bisher mehr als 4200 getötete Zivilisten registriert, gehen aber von weitaus höheren zivilen Opferzahlen aus.

Lage in Sjewjerodonezk ändert sich „stündlich“

In erbitterten Straßenkämpfen ringen derweil ukrainische Soldaten und russische Truppen weiterhin um die Kontrolle über die ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk. Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte in Moskau, die russischen Streitkräfte hätten die Wohngebiete der Stadt voll unter Kontrolle. Die russische Armee versuche weiterhin, Kontrolle über das Industriegebiet und die umliegenden Siedlungen zu erlangen, fügte Schoigu hinzu.

Der Bürgermeister von Sjewjerodonezk, Oleksandr Striuk, hatte zuvor gesagt, die Situation in der Stadt ändere sich „stündlich, aber zur gleichen Zeit haben wir genug Soldaten und Ressourcen, um die Angriffe abzuwehren“. „Wir haben Hoffnung, wir haben Vertrauen in unsere Streitkräfte, niemand wird Sjewjerodonezk aufgeben“, fügte Striuk hinzu. Sjewjerodonezk ist die letzte größere Stadt der Region Luhansk, die Russland noch nicht erobert hat. Erklärtes Ziel Moskaus ist es, die gesamte Donbass-Region, zu der noch die Region Donezk gehört, einzunehmen. Teile des Donbass werden bereits seit 2014 von pro-russischen Separatisten kontrolliert.

Moskau meldet Aufgabe 6589 ukrainischer Soldaten

Die Separatisten bestätigten derweil den Tod eines russischen Generals in der Ukraine. Im Online-Dienst Telegram kondolierte der Separatistenführer für die Region Donezk, Denis Puschilin, den Angehörigen und Freunden von General Roman Kutusow. Dieser habe „beispielhaft gezeigt, wie der Heimat zu dienen“ sei. Der Tod Kutusows war am Sonntag bereits von einem russischen Journalisten gemeldet, aber bisher nicht offiziell bestätigt worden. Der Tod des russischen Generals folgt dem Tod einer ganzen Reihe hochrangiger russischer Militärkommandeure seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine Ende Februar. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt, Moskau macht dazu keine Angaben.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Schoigu wurde der Hafen von Mariupol von Minen befreit. Der Betrieb laufe normal und die ersten Frachtschiffe könnten einlaufen, sagte Schoigu. Er erklärte zudem, seit dem Beginn der russischen Offensive hätten sich 6589 ukrainische Soldaten den russischen Truppen ergeben.

US-Außenminister Antony Blinken äußerte unterdessen den Verdacht, dass Russland ukrainisches Getreide für den eigenen Profit stiehlt. Berichte, wonach Russland ukrainisches Getreide beschlagnahmt, um dieses selbst zu verkaufen, nannte Blinken „glaubwürdig“. Er erhob außerdem den Vorwurf, dass Moskau durch die Blockade ukrainischer Getreideausfuhren die Welt „erpressen“ wolle.

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