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Russische Truppen nehmen neue Ortschaften ein – Deutsche Minister sichern bei Ukraine-Besuch Hilfe zu

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Im Donbass nähern sich die russischen Truppen dem Verkehrsknotenpunkt Bachmut. Dort könnten sie ukrainischen Angaben zufolge Nachschubwege für Sjewjerodonezk abschneiden. Derweil besuchen Gesundheitsminister Lauterbach und Agrarminister Özdemir die Ukraine und sichern dem Land Unterstützung zu. Kanzler Scholz fordert von Serbien, sich den westlichen Sanktionen gegen Moskau anzuschließen. Der 107. Kriegstag im Überblick.

Russen rücken weiter vor

Bei anhaltend schweren Kämpfen im Osten der Ukraine sind die russischen Truppen nach Angaben aus Kiew weiter vorgerückt. Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, liegen die neu eingenommenen Ortschaften nur etwa zehn Kilometer südwestlich des Verkehrsknotenpunkts Bachmut. Die Russen könnten nun bald Nachschubwege für das wichtige Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk abschneiden. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Schlacht um die Stadt mit einst mehr als 100.000 Einwohnern als die vielleicht schwerste des Krieges bezeichnet.

Die russischen Truppen versuchten ukrainischen Angaben zufolge „weiter erfolglos“, die volle Kontrolle über das Verwaltungszentrum der Region Luhansk zu gewinnen, teilte der Generalstab mit. Auch bei anderen Gefechten rund um die Stadt Sjewjerodonezk seien die Angreifer zurückgeworfen worden. Die prorussischen Separatisten meldeten dagegen, die Chemiefabrik Azot in Sjewjerodonezk sei umzingelt worden. „Alle Fluchtwege sind für sie abgeschnitten“, schrieb der Botschafter der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk in Moskau, Rodion Miroschnik, auf Telegram. Er räumte die Möglichkeit ein, dass sich auf dem Gelände weiter auch Zivilisten aufhalten. Die ukrainische Seite hatte von Hunderten Menschen gesprochen, die die Keller als Luftschutzbunker nutzten.

Russland: Flughafen und Panzerfabrik beschossen

Die russischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge in der Nacht einen Flughafen und eine Panzerfabrik im Osten der Ukraine angegriffen. „Auf dem Flughafen Dnipro wurde mit hochpräzisen Boden-Luft-Raketen Luftfahrtechnik der ukrainischen Streitkräfte vernichtet, im Raum Charkiw Produktionskapazitäten zur Reparatur von Waffentechnik“, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. An der Front seien zudem durch die russischen Luft-, Raketen- und Artillerieeinschläge insgesamt mehr als 500 ukrainische Soldaten getötet sowie 13 Panzerwagen, 9 Artilleriegeschütze, 6 Raketenwerfer und 16 Militärfahrzeuge außer Gefecht gesetzt und 16 Munitionsdepots vernichtet worden. Zudem berichtete Konaschenkow über den Abschuss von zwei Kampfjets und fünf Drohnen. Unabhängig sind diese Angaben nicht zu überprüfen.

Nach ukrainischen Angaben haben beide Seiten zum elften Mal seit Anfang des Krieges Gefangene ausgetauscht. Vier Russen und fünf Ukrainer seien an ihre Heimatländer übergeben worden, schrieb ein ukrainischer Gouverneur auf Telegram. Einer der freigelassenen Ukrainer sei der Bürgermeister Oleh Pylypenko, der am 10. März von russischen Streitkräften entführt worden war.

Scholz legt Serbien Russland-Sanktionen nahe

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den EU-Beitrittskandidaten Serbien bei seiner Balkan-Reise dazu aufgefordert, sich den Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland anzuschließen. „Unsere Erwartung ist es, dass die Sanktionen auch von jenen Ländern, die sich im EU-Beitrittsprozess bewegen, umgesetzt werden“, sagte er in Belgrad nach einem Gespräch mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic. Belgrad habe den russischen Angriff auf die Ukraine in der UN-Generalversammlung und in anderen Gremien verurteilt. Zu den Sanktionen nehme aber sein Land eine andere Haltung ein, führte er weiter aus. So habe es zu berücksichtigen, dass es in Hinblick auf die Energieversorgung in einer „sehr komplizierten Lage“ sei.

Serbien verhandelt seit 2014 um einen Beitritt zur EU. Zugleich pflegt es enge Beziehungen zu Russland und China. Die EU-Sanktionen gegen Russland möchte das Balkanland derzeit nicht übernehmen, weil es dadurch seine wirtschaftlichen Interessen gefährdet sieht. Unter anderen bezieht das Land fast sein gesamtes Gas aus Russland.

Lauterbach und Özdemir in Ukraine

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagte der Ukraine bei seinem Besuch Unterstützung bei der Versorgung Schwerverletzter über einen langen Zeitraum zu. „Die Ukraine braucht humanitäre Hilfe genauso dringend wie unsere militärische Unterstützung“, sagte er im westukrainischen Lwiw. Aufgebaut werden sollen etwa Traumazentren für Verletzte sowie spezielle Container-Werkstätten zur Herstellung von Prothesen. Weiter berichtete der SPD-Politiker, auf Vermittlung seines Hauses über die Bundesärztekammer hätten sich 200 Chirurgen und Notfallmediziner für einen Einsatz in der Ukraine angeboten. Sie wollten dort „so schnell wie möglich“ zum Einsatz kommen. Der russischen Armee warf Lauterbach vor, „sogar medizinische Einrichtungen gezielt“ anzugreifen.

In Nemischajewe bei Kiew sicherte Bundesagrarminister Cem Özdemir der Ukraine deutsche Hilfe zum Aufrechterhalten der Landwirtschaft und von Exporten trotz des andauernden russischen Krieges zu. „Der Erfolg der ukrainischen Landwirtschaft ist nicht nur für die Ukraine wichtig, er ist für uns alle wichtig“, sagte der Grünen-Politiker in einem Agrarkolleg mit Blick auf Ausfuhren für die weltweite Ernährungssicherung. Als konkrete Hilfen kündigte Özdemir unter anderem 500.000 Euro zum Ausbau von Laborkapazitäten in Ismajil an der Grenze zu Rumänien an, um die Abfertigung von Agrarexporten zu beschleunigen. Zudem will Deutschland fünf Millionen Euro für Tierarzneimittel bereitstellen. Der Krieg hat zu weltweit angespannten Agrarmärkten sowie steigenden Preisen geführt und löst auch Sorgen um die Ernährungssicherung in einigen Ländern aus. Denn die Ukraine ist ein großer Exporteur unter anderem von Weizen vor allem nach Nordafrika und Asien.

Bundesregierung hält sich bei Waffenlieferungen bedeckt

Die Bundesregierung hält sich trotz ukrainischer Forderungen nach mehr Klarheit zu den Lieferfristen der zugesagten Waffensysteme weiter bedeckt. Aus organisatorischen Gründen und wegen Sicherheitsfragen sei es heikel, über Zeitpläne zu sprechen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Die Vorbereitung laufe auf Hochtouren. „Aber sowas passiert nicht von heute auf morgen.“ Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hatte zuvor im „Tagesspiegel“ kritisiert, es gebe bisher keinerlei Klarheit, wann etwa die Mehrfachraketenwerfer MARS aus Beständen der Bundeswehr übergeben werden.

Briten befürchten Cholera-Ausbruch in Mariupol

Großbritannien warnt vor einem Cholera-Ausbruch in der von Russland eroberten ukrainischen Hafenstadt Mariupol. Die Gefahr sei sehr hoch, teilte das britische Verteidigungsministerium auf Basis eines Lageberichts des Geheimdienstes mit. Die Gesundheitsversorgung in der von russischen Truppen kontrollierten Stadt stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Ein zu befürchtender Cholera-Ausbruch würde die Lage zusätzlich verschlimmern. Russland sei nicht in der Lage, in den von ihm besetzten Gebieten, eine Grundversorgung sicherzustellen.

Ex-NATO-Generalsekretär: Krieg ist Fortführung der Krim-Annexion

Aus Sicht des früheren NATO-Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen ist der russische Einmarsch in die Ukraine eine Fortsetzung der Besetzung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. Zu sehen, wie eine Atommacht eine vollständige Invasion in ein Nachbarland in Gang setze, sei zwar schwer zu glauben gewesen, sagte er in Kopenhagen. „Eigentlich hätten wir nicht überrascht sein dürfen“, fügte er hinzu. Der eingeschlagene Weg des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei niemals verheimlicht worden.

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