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Russen vor Eroberung heiliger Stätte – Selenskyj pocht auf EU-Beitritt

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Wolodymyr Selenskyj wirbt erneut mit Nachdruck für einen Beitritt seines Landes in die EU. Dafür schickt der ukrainische Präsident einen Sondergesandten nach Berlin. Währenddessen rücken russische Truppen im Donbass weiter vor und stehen kurz vor der Einnahme eines alten orthodoxen Heiligtums.

Ukrainischer Sondergesandte zu Gesprächen in Berlin

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angesichts von mehr als 100 Tagen tapferem Kampf gegen die russische Invasion mit Nachdruck den Status als EU-Beitrittskandidat verlangt. „Ich meine, das wird nicht nur eine Entscheidung für die Ukraine, sondern für das gesamte europäische Projekt sein“, sagte das Staatsoberhaupt in einer Videobotschaft. Das werde auch darüber entscheiden, ob die EU eine Zukunft habe oder nicht.

Selenskyj hat einen Sondergesandten nach Berlin geschickt, um Gespräche mit der Bundesregierung über eine EU-Beitrittsperspektive zu führen. Der Minister für regionale Entwicklung, Oleksij Tschernyschow, will heute und morgen unter anderen SPD-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt und mehrere Minister treffen. „Die Europäische Union sollte die Ukraine umarmen“, sagte Tschernyschow. Er betonte aber auch, dass sein Land nicht bevorzugt behandelt werden wolle. „Wir erwarten keinen Beitritt durch die Hintertür und auch keine Überholspur für die Ukraine.“

Schwere Kämpfe im Donbass

Derweil gehen die Kämpfe im Osten des Landes weiter. „Am 103. Tag hält der ukrainische Donbass kräftig stand“, sagte Selenskyj. Es werde zudem alles dafür getan, dass die Front in den Gebieten Saporischschja und Mykolajiw standhalte. Schwere Kämpfe gebe es weiter um Sjewjerodonezk, Lyssytschansk, Slowjansk, Bachmut, Swjatohirsk, Awdijiwka, Kurachowe sowie in den Gebieten Luhansk und Donezk. Dabei müssten die Streitkräfte schwere Verluste hinnehmen.

Der ukrainische Armeesprecher Olexander Motusjanyk berichtete von intensiven Kämpfen „praktisch entlang der gesamten Frontlinie in den Gebieten Luhansk und Donezk“. Die russische Luftwaffe habe 39 Einsätze für Luftschläge auch außerhalb der Ostukraine geflogen. Am bedrohlichsten sei die Situation jedoch im Gebiet Saporischschja, in dem die russische Armee die Gebietshauptstadt bedrohe, hieß es. Präsident Selenskyj hatte die Region am Sonntag besucht und sich auch unmittelbar an der Front aufgehalten.

Moskau: Swjatohirsk mit alter Klosteranlage praktisch eingenommen

Das russische Militär und die von Moskau unterstützten Separatisten sind nach eigenen Angaben dabei, die Einnahme der ukrainischen Stadt Swjatohirsk mit ihrem historischen Kloster abzuschließen. „Swjatogorsk ist praktisch befreit“, sagte der Anführer der Separatistenregion Donezk, Denis Puschilin, im russischen Staatsfernsehen. Dort liegt das zuletzt auch beschossene Erzkloster Mariä-Entschlafung, das zu den wichtigsten Heiligtümern der russischen Orthodoxie gehört.

Der Moskauer Patriarch Kirill, der den Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt, steht seit langem im Ruf, die alten religiösen Stätten in der Ukraine für die russisch-orthodoxe Kirche unter seinem Einfluss halten zu wollen. Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, hatte zuvor erklärt, dass die Eroberung der Stadt in den letzten Zügen sei. Die letzten Soldaten der ukrainischen Streitkräfte hätten Militärtechnik und Waffen zurückgelassen und seien selbst geflüchtet.

Nach Darstellung Konaschenkows überquerten rund 80 ukrainische Soldaten den Fluss der Stadt, die russische Seite habe sie fliehen lassen und nicht das Feuer eröffnet, sagte er. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite, dass Swjatohirsk aufgegeben sei, gab es zunächst nicht. Allerdings hatte der ukrainische Generalstab am Morgen über schwere Kämpfe um die Stadt berichtet.

Union warnt Scholz vor Blockadehaltung bei Panzerlieferungen

Die Ukraine fordert seit Wochen vom Westen die Lieferung schwerer Waffen, um die russischen Streitkräfte nicht nur aufzuhalten und zurückzudrängen, sondern auch, um besetzte Orte befreien zu können. Spanien etwa will Kampfpanzer deutscher Bauart an die Ukraine liefern. Die Union im Bundestag warnte die Bundesregierung davor, Spanien daran zu hindern. „Wenn Spanien Leopard 2 liefern will, muss die Bundesregierung das schnell ermöglichen“, verlangte die stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Johann Wadephul in der „Augsburger Allgemeinen“. „Deutschland lässt die Ukraine jeden Tag, an dem dort keine schweren Waffen ankommen, im Stich.“

Ähnlich äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter in der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich erwarte, dass die Bundesregierung rasch, möglichst proaktiv, die dafür notwendige Ausfuhrgenehmigung erteilt.“

Das bringt der Tag

  • Erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs besucht Bundeskanzler Olaf Scholz mit Litauen ein NATO-Land, das an Russland grenzt und sich durch die Atommacht besonders stark bedroht fühlt. In der Hauptstadt Vilnius wird er neben dem litauischen Präsidenten Nauseda die Regierungschefs aller drei baltischen Staaten treffen. Anschließend besucht der Kanzler Bundeswehrsoldaten, die in Litauen stationiert sind.
  • Kulturstaatsministerin Claudia Roth traf am Montagnachmittag zu einem zweitägigen Besuch in der ukrainischen Hafenstadt Odessa ein. „Wir wollen zeigen, dass wir da sind“, sagte die Grünen-Politikerin vor dem heutigen Haupttag der Reise. Humanitäre Hilfsangebote kämen in den Debatten noch zu selten vor.

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

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