Aktuelle Deutschland Nachrichten

Orban ruft zu konservativem Widerstand auf

0 6

Im texanischen Dallas brüstet sich der ungarische Ministerpräsident Orban als Freiheitskämpfer für die christliche Werteordnung des Abendlandes in Europa. Der Feind? Die „globalistische Linke“. Die Verbündeten? Die Konservativen um Donald Trump in den USA.

Die CPAC-Konferenzen gehören zu den wichtigsten konservativen Veranstaltungen in den USA. Wer hier eingeladen wird, hat etwas zu sagen, das auf Linie ist. Bei der aktuellen Ausgabe im texanischen Dallas eröffnet jedoch ein ungewöhnlicher Gast die Vorträge: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban schreitet zum Rednerpult, auf den Bühnenaufbauten schreit die Anwesenden „AWAKE NOT WOKE“ an; wach, nicht woke.

Orban präsentiert sich als Verbündeter, sucht den Schulterschluss mit Anwesenden und Ex-Präsident Donald Trump. Der habe ihn dankenswerterweise unterstützt. Bei seinen Ausführungen versteigt sich der Ministerpräsident in die Vorstellung eines vermeintlichen Kulturkampfes, der über das Abendland und seinen drohenden Untergang entscheiden wird. Den wollen er, Ungarn und die US-Konservativen demnach gegen eine globalistische Linke verhindern. Das Protokoll einer wahnwitzigen Rede vor einem zum Teil berauschten Publikum in Texas.

„Land unter Belagerung“

Auch die entsprechenden Fanartikel finden auf der CPAC ihre Käufer.

(Foto: AP)

Der Ungar trifft zu Beginn direkt den Ton. Sich im lockeren Ton wichtig machen, ein bisschen witzeln, die Presse beschimpfen, die richtigen Schlagwörter nennen. Orban redet davon, dass sein Land im Herzen Europas seit 500 Jahren für das Christentum kämpfe, er selbst ein „altmodischer Freiheitskämpfer“ und längste amtierende Ministerpräsident Europas sei, aber eben auch ein Vater von fünf Kindern und fünf Enkeln. Und dann, das Wichtigste: „Ich bin der Anführer eines Landes unter Belagerung von progressiven Liberalen, Tag für Tag.“

Zur Absolution von sich selbst und den Anwesenden, nennt er ein in Ungarn eingeführtes „Null-Toleranz-Prinzip gegen Rassisten und Antisemitismus“, führt danach aus, dass Christen ja gar nicht rassistisch sein könnten, weil ihr Glaube ihnen das verbiete. Hintergrund: Im Vorfeld war Orban wegen rechter Äußerungen bei einem Auftritt in Rumänien kritisiert worden. Europäer sollten es vermeiden, sich mit Nicht-Europäern zu „mischen“, hatte er gesagt: „Wir wollen keine Völker mit gemischten Rassen werden“, denn Länder, wo dies geschehe, seien „keine Nationen mehr“. Eine seiner langjährigsten Beraterinnen, Zsuzsa Hegedüs, schmiss deshalb hin. In ihrer Rücktrittserklärung empörte sie sich über die „offen rassistische“ und „pure Nazi“ Rede, die Joseph Goebbels wohl genossen hätte.

In Dallas geht Orban nicht so weit wie in Rumänien, aber er geriert sich als konservativer Widerstandskämpfer gegen eine vermeintliche liberale Weltverschwörung und progressive Hegemonie; Anführer einer letzten, kleinen christlichen Bastion im Herzen der EU. Die Kolonialisten seien wieder auferstanden und hätten sich mit den Liberalen verbündet, führt er aus, dies sei der Gegner. Die aktuelle US-Regierung setze Europa und Brüssel „unter ideologischen Druck“. Ex-US-Präsident Barack Obama habe sogar versucht, die ungarische Verfassung ändern zu lassen, doch seine Regierung habe sich geweigert. „Deshalb hassen (die Demokraten) uns so wie sie euch hassen.“

„Alter kommunistischer Trick“

2641556d92831d95e52b049f2d9913b6.jpg

Mehrmals bekam Orban stehende Ovationen für seine Ausführungen.

(Foto: REUTERS)

Orbans Vortrag wurde unter dem Titel „How We Fight“, wie wir kämpfen, angekündigt. Deshalb erklärt der Ministerpräsident den Anwesenden, wie sich die Konservativen am Besten wehren sollten: Einfach nicht mit Liberalen reden, sondern sein eigenes Ding durchziehen, anders funktioniere es nicht. „Dies ist ein Kulturkrieg“, tönt er, die Liberalen hätten „marxistische Pläne“. Das Gegenmittel? „Wir müssen unsere Kirchen, Familien und Institutionen wieder zum Leben erwecken“, mahnt er. Ungarn sei eine „David-Nation gegen woke Globalisten“. Die Basis seien gemeinsame christliche Werte. „Die politische Linke kennt keine Grenzen“, sagt er, sie wolle die westlichen Zivilisationen von ihren christlichen Wurzeln trennen.

Orban erzählt davon, was seine Politik als Ministerpräsident bewirkt habe, etwa „null illegale Einwanderung“, weil Ungarn eine Mauer gebaut habe. Migration sei der „entscheidende und letzte Kampf um die Zukunft“, das wichtigste, was Ungarn seinen Kindern und Enkeln vermachen könne. Zudem habe Ungarn eine „Gesetzeswand“ ums diese Kinder gebaut, um sie vor Gender-Ideologie zu schützen, es gebe keine sexuelle Bildung in der Schule ohne Zustimmung der Eltern. Staatlich geregelte Bildung sei „ein alter kommunistischer Trick“.

Als der ungarische Regierungschef einen Auszug aus der ungarischen Verfassung über die Familie vorliest, die darin als Verbindung zwischen Mann und Frau definiert wird, reißt es die Zuschauer jubelnd von ihren Plätzen. Die Zahl der Eheschließungen habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, brüstet sich Orban, die der Abtreibungen halbiert. Wenn die Familie untergehe, gehe der Westen unter, zeigt sich der Ministerpräsident überzeugt.

„Weniger Dragqueens, mehr Chuck Norris“, fasst er danach die Sicherheitspolitik seines Landes zusammen und versteigt sich zu der Behauptung, die ungarische Hauptstadt Budapest sei „eine der wenigen europäischen Großstädte“, wo man auch nachts auf der Straße sicher sei. Auch erzählt er stolz von einem schlanken Staat, niedrigen Steuern und Abgabenbefreiung für kinderreiche Frauen. „Also, wenn Sie noch nicht verheiratet sind, sollten sich sofort eine ungarische Ehefrau suchen.“

„Der Westen ist im Krieg mit sich selbst“, sagt Orban. „Aber die Globalisten können zu Hölle fahren, ich bin nach Texas gefahren!“, tönt er und reißt die Zuschauer erneut von ihren Plätzen. „Ich bin hier, damit wir uns zusammentun“, appelliert er auch, denn es gebe im Jahr 2024 Präsidentschaftswahlen in den USA sowie EU-Parlamentswahlen in Brüssel. Die Konservativen in den USA und Ungarn müssten diesen Kampf annehmen und die Institutionen in Washington und Brüssel zurückerobern. Diese seien die „Schlacht um die westlichen Zivilisationen“. „Wir müssen unsere Truppenbewegungen koordinieren“, mahnt Orban.

Nach rund 35 Minuten ist die skurrile Rede vorbei. Der ungarische Ministerpräsident winkt ins Publikum, schüttelt ein paar Hände, nimmt seine ausgedruckte Rede, und geht von der Bühne. So wird es bei der CPAC bis Samstagabend weitergehen, mit vielen konservativen Rednern. Höhepunkt ist der Auftritt von Ex-Präsident Donald Trump.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Erlebnis zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich abmelden, wenn Sie dies wünschen. Annehmen Weiterlesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinie