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Merz wird neuer CDU-Vorsitzender: Löst er sein Versprechen ein, verschwindet die CDU im 25-Prozent-Loch – Politik

Die Mitglieder der CDU haben gesprochen, und ihr Votum ist unzweideutig. Friedrich Merz geht mit einer sehr starken Legitimation an den Start als neuer CDU-Vorsitzender. Für den innerparteilichen Frieden erfüllt das Experiment damit seine Funktion, auf das sich die CDU notgedrungen eingelassen hatte.

Nach den zweieinhalb Jahren, in denen zwei Vorsitzende von den Anhängern der Verlierer eher murrend akzeptiert wurden, kann sie diese Klarheit dringend brauchen.

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Die andere Frage ist, ob Merz der Richtige ist, um die Partei nach der krachenden Niederlage wieder geschäftsfähig zu machen. Die Mitglieder setzen erkennbar auf ihn, weil sie ihn für die Nummer Sicher halten: Vertrauter Sound, reichlich Selbstbewusstsein, Angriffslust und Redebegabung.

Die politische Konkurrenz freut sich allerdings genauso. Merz bietet Angriffsfläche als Mann von Gestern. Er war vor einem Vierteljahrhundert Angela Merkels Rivale – und nach ihr die Zukunft? Das leuchtet nicht unmittelbar ein. Merz wird zu tun haben, um das Bild zu korrigieren.

Die CDU muss sich neu erfinden

Es wird ihm aber gar nichts anderes übrig bleiben. Auf die CDU kommt eine enorme Aufgabe zu. Sie muss sich quasi neu erfinden. Es geht dabei nicht um einzelne inhaltliche oder organisatorische Defizite, die nach dem blamablen Wahlkampf jedem aufgefallen sind. Die Partei muss sich als Marke neu definieren: Wofür werden wir gebraucht, was nicht auch andere liefern können?

Das wird diesmal weitaus schwieriger als beim letzten Gang in die Opposition vor einem Vierteljahrhundert. Damals verlor Helmut Kohl die Wahl, aber die CDU nicht ihre strukturelle Dominanz als große Volkspartei.

Heute dümpelt selbst die bayerische CSU knapp über 30 Prozent und muss in zwei Jahren um die Macht fürchten. Der CDU droht bereits bei den Landtagswahlen im Frühjahr eine ganze Garde junger Ministerpräsidenten verloren zu gehen.

[Lesen Sie außerdem zu diesem Thema: „Die CDU muss modern werden“: Hat Friedrich Merz dazugelernt – oder tut er nur so? (T+)]

Denn der Absturz bei der Bundestagswahl war kein bedauerlicher Ausreißer in einer ansonsten ungebrochenen Erfolgsserie. Die Unionsparteien standen lange vor Laschets Werk und Söders Beitrag auf wackeligem Fundament. Viele haben Angela Merkel trotz, nicht wegen ihrer Partei gewählt. Sie haben jetzt ohne großes Bedauern ihr Kreuz bei Grünen, SPD oder FDP gemacht.

Regelrecht Angst machen muss der CDU dabei der Blick auf die Altersstruktur. Ihr Bollwerk sind die Alten. Doch zwischen zwei Wahlen verliert sie regelmäßig eine gute Million Stimmen an Gevatter Tod, ein Prozess, der sich in den geburtenstarken Jahrgängen mit mathematischer Zwangsläufigkeit noch beschleunigen wird. Und die Jungen haben diesmal Grün oder Freidemokratisch gewählt. So was wird schnell zur Gewohnheit.

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