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„Mehr als peinlich“: Wie fehlende Daten die Bekämpfung der Pandemie behindern – Politik

An Feiertagen wie Weihnachten werden durch fehlende Kapazitäten in Arztpraxen und Laboren die Corona-Daten nur verzögert gemeldet. Das führt dazu, dass die eigentliche Pandemie-Lage nur unzureichend abgebildet wird.

Laut Robert Koch Insitut (RKI) gibt es für die verzögerten Zahlen mehrere Gründe. Zum einen würden in dieser Zeit weniger Menschen einen Arzt aufsuchen. Am Arbeitsplatz, in Schulen und Kitas würden weniger Tests durchgeführt.

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Zum anderen seien nicht alle Arztpraxen und Labore an den Feiertagen geöffnet und damit weniger Daten an die zuständigen Gesundheitsämter liefern. Aber auch die Gesundheitsämter würden nicht an allen Tagen an das RKI übermitteln.

Nach eineinhalb Jahren Pandemie haben Bundesregierung und die zuständigen Gesundheitsämter noch immer keine Lösung für dieses Problem.

Am Mittwoch musste Gesundheitsminister Karl Lauterbach einräumen, „dass die tatsächliche Inzidenz derzeit zwei bis drei Mal so hoch ist wie die ausgewiesene“. Das führt zu breiter Kritik.

Fehlende Zahlen sind „mehr als peinlich“

Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hält das Fehlen von validen Zahlen über die Feiertage für „mehr als peinlich“. „Wir haben ein riesiges Digitalisierungsproblem nach wie vor in Deutschland“, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk.

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Dass es über die Feiertage keine vernünftigen Zahlen gebe, liege auch am Föderalismus, an unterschiedlichen Meldesystemen in den einzelnen Bundesländern. „Hier hätte man in den letzten eineinhalb Jahren wirklich mehr machen können“, sagte Montgomery. Das Fehlen der Zahlen sei auch ein Problem, weil die Politik auf deren Basis Gesetze mache, die gerichtsfest sein müssten.

Intensivmediziner fordern „Digitalisierungsoffensive“

Auch Christian Karagiannidis, der Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), kritisiert die behäbige Pandemie-Politik. Eine optimale Bekämpfung der Corona-Pandemie sei in Deutschland durch unzureichende Daten und auch den Datenschutz behindert worden, sagte er am Donnerstag im SWR.

„Was wir brauchen, ist eine maximale Digtalisierungsoffensive“, sagte Karagiannidis. „Dieses Stückwerk, das wir haben und auch immer wieder diese ganzen Bedenken, die ich tagtäglich höre, vom Datenschutz bis dieses und jenes – das hat auch relativ viel verhindert in den letzten zwei Jahren. Und ich glaube, die neue Bundesregierung tut gut daran, wenn sie einen Reset macht, einmal richtig Geld in die Hand nimmt und die Daten zusammenführt.“

Solide Zahlen wieder ab dem 7. Januar

Von exakteren Daten könne man eine deutlich bessere Bekämpfung der Pandemie erwarten, sagte Karagiannidis. „Wenn die Krankenkassen genau wissen, wann man geimpft ist und man dann auch sofort sieht, wenn die Impfwirkung nachlässt, dann sieht man auch sofort, was das für einen unglaublichen Effekt hat auf die Volksgesundheit.“

Gesundheitsminister Lauterbach geht davon aus, dass zur Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) am 7. Januar „eine solide und für diese Zwecke vollkommen ausreichende Datenlage“ vorhanden sein werde. Bund und Länder hatten den Termin verabredet, um die Lage neu zu bewerten. (mit dpa)

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