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Kiew verfügt über volle Waffenkammern – Putin sieht sich als Zar Peter

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In Sjewjerodonezk kämpft die ukrainische Armee eine Schicksalsschlacht und nimmt dafür hohe Verluste in Kauf. Die westlichen Waffenlieferungen sorgen inzwischen für gut gefüllte Waffendepots, erklärt das Verteidigungsministerium in Kiew. Der russische Präsident Putin wähnt sich auf den Spuren von Zar Peter, während Kanzler Scholz ihn als künftigen Verlierer ausmacht. Der 106. Kriegstag im Überblick.

Blutiger Häuserkampf tobt in Sjewjerodonezk

In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk wird nach den Worten von Militär-Kommandeur Petro Kusyk um jedes Haus gekämpft. Die gesamte Stadt liege unter Artilleriefeuer der russischen Streitkräfte. „Der gestrige Tag war für uns erfolgreich. Wir sind zum Gegenangriff übergegangen, und in einigen Gebieten konnten wir sie um einen oder zwei Blocks zurückdrängen. In anderen haben wir sie buchstäblich um ein oder zwei Häuser zurückgedrängt“, sagte er im Fernsehen. Gestern hatte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Gajdaj, gesagt, Sjewjerodonezk sei „weitgehend“ unter russischer Kontrolle.

Die Ukraine verzeichnet in den Kämpfen mit der russischen Armee „bis zu 100 getötete Soldaten und bis zu 500 verwundete“ Soldaten am Tag, erklärte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow. Die Lage an den Frontlinien in der östlichen Donbass-Region sei schwierig. „Der Kreml übt weiter Druck mit schierer Masse aus, gerät ins Stolpern, stößt auf starken Widerstand und erleidet hohe Verluste“, hieß es in der Erklärung Resnikows.

Kiew: Waffenbestände durch NATO größer als vor dem Angriff

Auf Facebook berichtete Resnikow zugleich von gut gefüllten Munitionsarsenalen der Armee. Nach seinen Worten sind diese durch Lieferungen aus NATO-Beständen teils größer als noch zu Beginn des Krieges. So seien aus dem Westen bereits mehr als 150 schwere 155-Millimeter-Haubitzen gekommen. Dazu seien noch etwa 50 Geschütze anderen Kalibers eingetroffen, sagte der ukrainische Verteidigungsminister weiter. Für diese lägen die Munitionsvorräte bei gut 75 Prozent des Bestands vom Kriegsbeginn. Geliefert worden seien auch Dutzende Raketenwerfer sowjetischen Typs und Hunderte Mörser mit entsprechender Munition.

Resnikow berichtete zudem über den Erhalt von Hunderten Panzern und Schützenpanzern sowjetischen Typs und etwa 250 westlichen gepanzerten Fahrzeugen. Daneben wurden Tausende an tragbaren Flugabwehr- und Panzerabwehrsystemen und Granatwerfern und Hunderte Drohnen, darunter Dutzende Angriffsdrohnen, geliefert. Die Küstenverteidigung sei durch „Harpoon“-Raketen entscheidend gestärkt worden.

Todesurteile gegen ausländische Kriegsgefangene

Das Oberste Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) verurteilte drei ausländische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte als Söldner zum Tode. Die Todesstrafe werde für „alle Verbrechen zusammengenommen“ verhängt, hieß es laut der russischen Nachrichtenagentur Tass in der Urteilsbegründung. Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Briten und einen Marokkaner. Sie können innerhalb eines Monats gegen das Urteil noch Berufung einlegen. Der Prozess gegen die drei Männer hatte am Mittwoch unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen.

Russische Medien teilten zudem mit, dass die drei Männer die Möglichkeit hätten, ein Gnadengesuch an die Führung der prorussischen Separatistenrepublik zu stellen. Werde dies angenommen, könne die Todesstrafe in lebenslange Haft oder 25 Jahre Strafkolonie umgewandelt werden, hieß es. Die britische Außenministerin Liz Truss bezeichnete die Todesstrafe als „Scheinurteil ohne jegliche Legitimität“.

Duma-Gesetz will Litauens Eigenstaatlichkeit angreifen

Das russische Unterhaus zielt mit einem Gesetz auf eine Aberkennung der Unabhängigkeit Litauens. Der Duma-Abgeordnete Jewgeni Fjodorow brachte einen entsprechenden Entwurf ein, in dem er laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti vor allem juristisch argumentiert. Demnach sei das Dekret „Über die Anerkennung der Unabhängigkeit der Republik Litauen“ aus der Zeit der Sowjetunion rechtswidrig. Laut Gesetzentwurf sei das Dekret von einem angeblich verfassungswidrigen Gremium verabschiedet worden und verstoße gegen mehrere Artikel der Verfassung der UdSSR, berichtete Ria Nowosti weiter.

Finnland bereitet Grenzschutzanlage vor

Auch Finnlands Regierung bereitet derzeit ein Gesetz vor: Geplant ist, die Grenze zu Russland mit dem Bau eines Zauns stärker zu sichern. Damit reagierte Finnland auf Befürchtungen, Russland könne als Teil einer hybriden Kriegsführung gezielt Migranten anlocken, um sie zum Grenzübertritt nach Finnland beziehungsweise in die EU zu bewegen. Dies hat Belarus in der Migrationskrise an der Grenze zu Polen, Litauen und Lettland vorgemacht. Die Regierung werde auf Rat des Grenzschutzes entscheiden, an welchen Stellen der 1300 Kilometer langen Grenze zu Russland Barrieren angebracht werden sollten, sagte Innenministerin Krista Mikkonen.

Putin: „Russische Erde zurückholen“

Kremlchef Wladimir Putin stellte den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine auf eine Ebene mit dem Großen Nordischen Krieg unter Russlands Zar Peter I. und sprach von einer Rückholaktion russischer Erde. Der Zar habe das Gebiet um die heutige Millionenstadt St. Petersburg nicht von den Schweden erobert, sondern zurückgewonnen, sagte Putin am heutigen 350. Geburtstag von Peter dem Großen. „Offenbar ist es auch unser Los: Zurückzuholen und zu stärken“, zog Putin Parallelen zum Krieg gegen die Ukraine. Auch damals habe kein europäischer Staat das Gebiet als russisch anerkannt. „Dabei haben dort seit Jahrhunderten neben den finno-ugrischen Stämmen auch Slawen gelebt“, sagte der Kremlchef.

Scholz: Putin hat nicht verstanden, dass sein Plan schief geht

Kanzler Olaf Scholz rechnet mit einem langwierigen Verlauf des Krieges. Putin habe noch nicht verstanden, dass seine Pläne nicht aufgehen werden, sagte der Kanzler dem Radiosender Antenne Bayern. Putin bombardiere vor allem den Donbass, „und hat offenbar die Vorstellung, dass, wenn er da alles nieder gebombt hat, das dann ein Teil des russischen Imperiums werden kann“. Russlands Entwicklungsmöglichkeiten würden durch die vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen jedoch erheblich beeinträchtigt, sagte Scholz. „Und die wird er nicht los, ohne das zu machen, wozu wir ihn die ganze Zeit auffordern, nämlich seine Truppen wieder zurückzuziehen und einen fairen Frieden mit der Ukraine zu vereinbaren.“

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Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

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