HomePolitikKämpfer gegen Apartheid in Südafrika: Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu ist tot - Politik

Kämpfer gegen Apartheid in Südafrika: Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu ist tot – Politik

Die Luft war eisig, als sich nach Einbruch der Dunkelheit mehr als 50.000 Menschen aus vielen Ländern im Orlando-Stadium des Johannesburger Townships Soweto einfanden. Es war dermaßen kalt, dass beim Auftaktkonzert der südafrikanischen Fußballweltmeisterschaft im April 2010 auch die Stimmung einzufrieren drohte.

Dann springt ein untersetzter Mann mit Pudelmütze und einem über den Wollpullover gezogenen Trikot der heimischen Nationalmannschaft auf die Bühne, er schwenkt zur Musik die Hüften und ruft „Juhu!“ ins Mikrophon. Gleich werde er die Namen der beiden Teams bekannt geben, die in vier Wochen ins Finale einziehen, scherzt der drollige Orator, den Eingeweihte als Erzbischof Desmond Tutu erkennen.

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Doch erst einmal wolle er alle in ihrer Heimat willkommen heißen: „Schließlich kommen wir alle aus Afrika.“ Dann bedankt sich der Redner noch bei der ganzen Welt dafür, dass „ihr uns dabei geholfen habt, aus einer hässlichen Raupe ein wunderschöner Schmetterling zu werden“. Die Menge antwortet im Sprechchor: „Tutu, Tutu, Tutu“. Als wäre der Gottesmann ein Fußballstar. 

Tutu inszenierte geschickt denkwürdige Ereignisse

Kaum jemand verstand es besser als Desmond Tutu, ein denkwürdiges Erlebnis zu inszenieren. Instinktiv fand der charismatische Kirchenmann den richtigen Ton und die passenden Worte, um einem Ereignis seine spirituelle Bedeutung zu entlocken.

Seine gläubigen Freunde sahen dabei den Heiligen Geist am Werk. So bei jener Kirchen-Konferenz in Johannesburg 1990, als die Frage in der Luft lag, ob sich die weiße Nederduitse Gereformeerde Kirche (NGK) endlich für ihre religiöse Verbrämung der Apartheid entschuldigen würde.

Als der NGK-Chef schließlich eine Erklärung verliest, die so etwas Ähnliches wie eine Entschuldigung enthält, springt Tutu auf und stimmt ein Lied an, in das alsbald auch alle anderen einstimmen. Wie sorgfältig die Apologeten der Rassentrennung ihre Entschuldigung auch immer zu verstecken suchten: Tutu wusste einen historischen Augenblick daraus zu machen.

Tutus Strafpredigten hatten es in sich

Auch Tutus Strafpredigten hatten es in sich. Er warf den Architekten der Apartheid Gotteslästerung vor und bezichtigte die neuen Machthaber vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC), sich auch nicht besser als ihre verhassten Vorgänger zu verhalten. Selbst mit den homophoben Gläubigen der eigenen Kirche ging er ins Gericht. In ihren von aller Gleichgeschlechtlichkeit gesäuberten Himmel wolle er erst gar nicht aufgenommen werden, ließ er sie wissen.

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