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„Hören wir auf zu jammern“: Papst Franziskus ruft in Weihnachtsansprache zu Bescheidenheit auf – Politik

Zu Weihnachten hat Papst Franziskus die Menschen zu Bescheidenheit aufgerufen. „Weinen wir nicht der Größe nach, die wir nicht haben. Hören wir auf zu jammern und lange Gesichter zu machen, und lassen wir ab von der Gier, die uns immer unbefriedigt lässt“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Freitagabend in der Christmette im Petersdom.

Die Menschen verbrächten ihre Jahre damit, dem Erfolg nachzujagen und wollten auf ein Podest klettern, während Gott sich in Demut zeige, predigte der Pontifex.

Der 85-Jährige feierte auch in diesem Jahr Heiligabend unter Corona-Bedingungen. Im Petersdom saßen etwa 1500 Gläubige und Kirchenvertreter um den zentralen Papstaltar. Wegen der Corona-Auflagen mussten sie Masken tragen und sich an den Mindestabstand halten.

Die Lesungen der Christmette wurde auf Italienisch, Französisch, Englisch und Spanisch gehalten. Die Fürbittgebete trugen Gläubige auf Chinesisch, Arabisch, Portugiesisch, Französisch und Hindi vor.

Weihnachten ist neben Ostern für praktizierende Katholiken einer der Höhepunkte im Kirchenjahr. Christen feiern in dieser Nacht die Geburt Jesu Christi.

Mensch als Herr und nicht Sklave der Arbeit

Die „Gnade der Kleinheit“ bedeutet laut Papst Franziskus, Gott in den einfachen Gesten des Alltags zu erkennen und anzunehmen. Zudem gehe es darum, „Jesus in den Kleinen von heute in die Arme zu schließen“, ihn in den Geringsten zu lieben.

Weil Gott am Rand, in der Nähe der Vergessenen zur Welt kam, dort „wo die Menschenwürde auf die Probe gestellt wird“, würden Ausgeschlossene geadelt. „Sie sind die Auserwählten, die uns eines Tages im Himmel empfangen werden“, so Franziskus.

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Die Hirten an der Krippe stünden für die arme, arbeitende Bevölkerung, sagte der Papst weiter. Gott sei auch in die Welt gekommen, um „die Härte der Arbeit mit Würde zu erfüllen“. Der Mensch sei Herr, nicht Sklave der Arbeit, so Franziskus.

Deutsche Bischöfe mahnen mehr Menschlichkeit an

Auch die Bischöfe in Deutschland riefen zu mehr Menschlichkeit und Solidarität auf. In ihren Predigten und Weihnachtsbotschaften nannten sie etwa die Hilfe für Geflüchtete und die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Teilen Deutschlands.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Limburger Bischof Georg Bätzing betonte an Heiligabend in der per Livestream übertragenen Christmette in der Kapelle des Limburger Bischofshauses: „Je mehr von dem äußeren Glanz des Festes abgeht, umso mehr mögen uns Glück und Freude über die Ankunft Jesu innerlich erfüllen.“ Er verwies aber auch auf die Nöte von Flüchtlingen, von bedrohten Christen etwa in Afrika sowie von der Flut Betroffenen an der Ahr.

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Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße mahnte in der Christmette im Mariendom, aufmerksam für die Nöte der Menschen zu sein: „Weihnachten heißt zu hören auf das Weinen und Wimmern der ganz Kleinen, der Schwachen, der Jungen und Alten, derer, die vom Missbrauch betroffen sind und auf die wir lange überhaupt nicht gehört haben.“

In einer ökumenischen Videobotschaft dankten Münchens katholischer Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm allen, „die sich jetzt gerade in dieser weihnachtlichen Zeit einsetzen für andere“.

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Bedford-Strohm erinnerte daran, dass dieses Fest „für viele ein angespanntes, ein nervöses Weihnachten“ ist. In seiner Predigt an Heiligabend sagte Marx zudem, Auftrag der Kirche sei, auch in der Pandemie Weihnachten zu feiern.

Der Übergangsleiter des Erzbistums Köln, Rolf Steinhäuser, rief zu Dialog auf. „Nichts ist verloren, wenn man den Dialog wirklich praktiziert“, zitierte er in einer Videobotschaft Papst Franziskus. Miteinander reden sei nie verkehrt, so Steinhäuser. „Allerdings braucht es dabei Geduld und Ausdauer.“

„Urbi et orbi“ am 1. Weihnachtsfeiertag

Am Samstag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, spendet der Papst um 12 Uhr den Segen „Urbi et orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis). In der vorhergehenden Weihnachtsansprache äußert er sich in traditionell auch zu einzelnen internationalen Krisen.

Den Segen „Urbi et orbi“ erteilt ein Papst jährlich zu Ostern und Weihnachten sowie einmalig unmittelbar nach seiner Wahl.

Ende März 2020 hatte Franziskus eine Ausnahme gemacht, als er während des ersten großen Lockdowns in der Pandemie auf dem menschenleeren Petersplatz ebenfalls diesen Segen spendete. (dpa, KNA)

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