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Geheimdienst: Pläne des Kreml reichen bis Oktober – Schwere Kämpfe um Sjewjerodonezk

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Die schweren Gefechte im Donbass gehen weiter. In der Stadt Sjewjerodonezk halten die Verteidiger nach eigenen Angaben das umkämpfte Chemiewerk Azot. Der ukrainische Militärgeheimdienst davon aus, dass Moskau seine Kriegsplanungen bis in den Oktober hinein angepasst habe. Unterdessen berichtet der Rüstungskonzern Rheinmetall von ersten auslieferungsbereiten „Marder“-Panzern.

Chemiewerk Azot laut Gouverneur weiterhin unter Kontrolle

In der Ostukraine wird weiter unter anderem um die Großstadt Sjewjerodonezk gekämpft. Das russische Militär habe die zivile Infrastruktur in der Stadt sowie im benachbarten Lyssytschansk und drei weiteren Orten beschossen, teilte der ukrainische Generalstab mit. Ukrainische Einheiten hätten russischen Angriffen aus mehreren Richtungen standgehalten. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Das Chemiewerk Azot in dem Hunderte Zivilisten Zuflucht gefunden haben, sei weiterhin unter ukrainischer Kontrolle, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Gaidai, mit. Nach ukrainischen Angaben haben sich rund 800 Menschen in mehreren Bunkern unterhalb des Werks in Sicherheit gebracht, darunter etwa 200 Mitarbeiter des Werkes und 600 Einwohner der Industriestadt.

Sjewjerodonezk ist die letzte Großstadt im Gebiet Luhansk, die sich noch nicht vollständig unter Kontrolle russischer Truppen oder prorussischer Separatisten befindet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von fortlaufenden Straßenkämpfen. Laut Bürgermeister Olexandr Strjuk kontrollieren ukrainische Truppen ein Drittel von Sjewjerodonezk. Die Stadt sei seit rund zwei Monaten ohne Strom und Wasserversorgung, betonte er.

Geheimdienst: Moskaus Planungen reichen bis in den Oktober

Die russische Armee richtet sich nach Informationen des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR auf eine noch länger andauernde Operation in der Ukraine ein. Der GUR-Vizedirektor Vadym Skibitsky habe Informationen, wonach die russische Armeeführung ihre Planung für 120 weitere Tage, bis in den Oktober hinein, angepasst habe, berichtete das US-Militärforschungsinstitut ISW.

Skibitsky zufolge passt die Armeeführung ihre Operationsziele monatlich an – ein Eingeständnis, dass die Anfangsziele der russischen Offensive nicht erreicht wurden. Der Geheimdienstler behaupte zudem, dass Russland zusätzlich zu den 103 in der Ukraine eingesetzten Kampfbataillonen noch über 40 weitere Bataillone verfüge. Die Experten des ISW gehen aber davon aus, dass es sich um zusammengewürfelte Bataillone mit Personal anderer Einheiten handelt. Es sei unwahrscheinlich, dass Russland bedeutende Reserven zurückhalte angesichts des Personalmangels an der Front.

Schwierige Lage für ukrainische Truppen

Selenskyj und andere ukrainische Politiker appellierten in den vergangenen Tagen an westliche Verbündete, schleunigst mehr schwere Waffen und Geschosse zu schicken. Denn der Konflikt in der Ostukraine entwickelt sich zu einem Artillerie-Duell, in dem die russische Armee dank größerer Waffen- und Munitionsbestände einen Vorteil hat.

Die russischen Truppen verzeichnen nach ukrainischen und westlichen Schätzungen weiter hohe Verluste. Selenskyj sprach am Samstag in seiner täglichen Videoansprache von bisher rund 32.000 getöteten russischen Soldaten. Am Vortag hatte einer seiner Berater die Verluste der ukrainischen Armee seit der russischen Invasion am 24. Februar auf etwa 10.000 Getötete beziffert.

Rheinmetall verfügt über auslieferungsbereite „Marder“

Mehrere von der Bundeswehr ausgemusterte, aber aktuell modernisierte Schützenpanzer „Marder“ des Herstellers Rheinmetall sind einsatzbereit und könnten sofort an die Ukraine ausgeliefert werden. „Wir sind dabei, 100 Marder Schützenpanzer instandzusetzen, erste Fahrzeuge sind bereits so weit“, sagte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, der „Bild am Sonntag“. „Wann und wohin die Marder geliefert werden, ist die Entscheidung der Bundesregierung.“ Die Schützenpanzer sind von der ukrainischen Regierung angefragt worden, doch der Sicherheitsrat der Bundesregierung hat eine Freigabe bislang nicht erteilt.

Kandidaten-Status für Ukraine wird auch EU stärker machen

Selenskyj warb noch einmal für den EU-Beitritt seines Landes. Er sei überzeugt, dass mit der Entscheidung über einen Kandidatenstatus für die Ukraine auch die Europäische Union gestärkt werden könne. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte bei ihrem Besuch in Kiew am Samstag gesagt, die Auswertung des Beitrittsantrags der Ukraine werde Ende der kommenden Woche abgeschlossen. Ihre Behörde soll eine Empfehlung mit Blick auf einen möglichen Kandidaten-Status für das Land abgeben. Die Ukraine hofft, dass sie diesen beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU am 23. und 24. Juni zuerkannt bekommt.

Das wird heute wichtig

  • Das Kriegsgeschehen in der Ostukraine vor allem rund um Sjewjerodonezk wird weiter im Mittelpunkt stehen. An der langen Frontlinie gab es zuletzt eher kleine Veränderungen. Die ukrainische Armee versucht, den Vormarsch der russischen Truppen aufzuhalten und sie an mehreren Stellen zurückzudrängen.

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

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