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„Europa muss eigene Werte verteidigen“

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Seit mehr als hundert Tagen tobt der Krieg in der Ukraine. Experten sprechen von einem Zermürbungskrieg auf beiden Seiten. Bei Maischberger warnt der Gouverneur von Czernowitz, Sergij Osatschuk, vor weiterem Streit in der EU.

Der Krieg im Osten der Ukraine könnte noch sehr lange dauern. Das scheint auch die Bundesregierung zu fürchten. Immerhin hat Bundeskanzler Olaf Scholz am vergangenen Mittwoch in einer Regierungserklärung angekündigt, Deutschland wolle das modernste Flugabwehrsystem der Welt in die Ukraine liefern. Es heißt mit vollem Namen Iris-T-SLM. Dabei handelt es sich um eine Boden-Luft-Lenkrakete „Made in Germany“. Mit dem Iris-T-System können Städte von der Größer der Hauptstadt Kiew vollständig verteidigt werden. Problem: Die an der Produktion beteiligten Unternehmen können nur zwei dieser Systeme bauen – pro Jahr. Aktuell wird das für die Ukraine bestimmte System gerade angefertigt. Das dauert noch bis Oktober oder November.

„Russen auf Distanz halten“

Militärexperte Carlo Masala ist beeindruckt. Bei „Maischberger“ in der ARD erklärt er: „Die Waffen, die jetzt geliefert werden sollen, sind wichtig, um die Russen auf Distanz zu halten.“ Das gilt laut Masala auch für die Waffen, die US-Präsident Joe Biden in der vergangenen Woche versprochen hatte. „Das sind Waffen, die es den Ukrainern erlauben, russische Ziele aus der Distanz zu zerstören.“ Sinn der neuen Waffen sei vor allem, die russische Armee zu zermürben.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat inzwischen auf die angekündigten Waffenlieferungen aus den USA reagiert. Man werde die Mittel der Vernichtung einsetzen, um Ziele anzugreifen, die bisher verschont geblieben seien, warnte Putin. Masala weiß nicht genau, was der russische Präsident damit konkret gemeint hat, schließt jedoch einen Angriff auf NATO-Länder weiterhin aus. Stattdessen fürchtet er erneute Attacken auf die ukrainische Hauptstadt Kiew.

„Es geht um Kleinstädte“

Kurzfristiges Kriegsziel Putins bleibe die Besetzung des Donbass, sagt Masala. Dort führten beide Seiten gerade einen Zermürbungskrieg. Dabei gelängen der russischen Armee aktuell lediglich Eroberungen von Dörfern und Kleinstädten. Dieser Zermürbungskrieg könne noch sehr lange dauern. Das hänge vor allem davon ab, welche Waffen jetzt vom Westen in die Ukraine geliefert würden, erklärt Masala.

Mit der Eroberung des Donbass sei für den russischen Präsidenten der Krieg jedoch nicht zu Ende, erklärt er. Sein Ziel bleibe die völlige Unterwerfung der Ukraine.

Der Krieg ist für die Ukraine jedoch nicht das einzige Problem, sagt der Gouverneur des ukrainischen Czernowitz, Sergij Osatschuk. „Die Lage ist angespannt und kritisch“, sagt er bei Maischberger. „Wir stehen der russischen Militärmacht gegenüber. Doch das Problem ist nicht nur die Kriegsmacht, es geht auch um die wirtschaftliche Kapazität und um unsere Finanzmittel. Wir sind auf die westliche Hilfe jeden Tag angewiesen, und wir müssen uns täglich dafür bedanken. Aber wir müssen auch darum bitten, uns stärker zu unterstützen.“

Dazu gehören für Osatschuk auch Waffenlieferungen. Denn: „Putin versteht nur die Sprache des Stärkeren – oder einer Armee, die die russischen Truppen zerstören kann.“ Er spricht sich zwar für Friedensverhandlungen aus, doch die werde es erst geben, wenn der russische Präsident „die Stärke der ukrainischen Armee mit den westlichen Waffen so zu spüren bekommt, dass er begreift, es gibt keinen militärischen Ausweg mehr.“

Putins Stärke sei seine Mentalität, so der Gouverneur. „Und darum rufe ich Europa dazu auf, sich zusammenzuschließen und seine eigenen Werte zu verteidigen.“

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