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80 Prozent Erstgeimpfte bis 7. Januar: Warum Scholz’ neuestes Ziel zu ambitioniert sein dürfte – Politik

Olaf Scholz hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, mit Zahlen und Zielen um sich zu schmeißen. Der Kanzler ist nicht mal einen Monat im Amt, schon hat er zwei wichtige Zielmarken ausgegeben. Die erste verkündete er sogar noch einige Tage vor seiner Amtseinführung: 30 Millionen Booster-Impfungen sollten bis Weihnachten verabreicht werden.

Das zweite Ziel gab er dann am Mittwoch bekannt: Scholz will bis zum 7. Januar eine Corona-Impfquote von 80 Prozent in Deutschland erreichen. Das Ziel beziehe sich auf die Erstimpfungen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Am 7. Januar will Scholz das nächste Mal mit den Ministerpräsidenten der Länder über die Bekämpfung der Corona-Pandemie beraten.

Scholz hatte das neue Impfziel bereits am Dienstag nach dem Bund-Länder-Gipfel genannt, aber ohne ein konkretes Datum zu nennen. „Als nächstes Zwischenziel möchte ich eine Impfquote von mindestens 80 Prozent ansteuern. Und wenn wir das erreicht haben, müssen wir das nächste Ziel in den Blick nehmen“, kündigte er an. „Impfen, Impfen, Impfen bleibt unser Ziel.“

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Was ist von den Zielen zu halten? Zu ambitioniert – oder doch erreichbar? Zunächst zu den Booster-Impfungen: In zwei Tagen ist Heiligabend, dann sollen die 30 Millionen erreicht sein. Der Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, ist optimistisch. „Wir sind knapp vor dem eigentlichen Ziel“, sagte Breuer am Mittwoch.

Auch der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, nannte es am Mittwoch in der Bundespressekonferenz „realistisch“: „Wir impfen über sechs Millionen Menschen jede Woche.“ Zwei von drei Impfungen fänden in den Praxen statt. 84.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte beteiligten sich am Impfen – zur Hälfte Haus- und zur Hälfte Fachärzte.

Laut Impfdashboard der Bundesregierung haben 28,1 Millionen Menschen in Deutschland (33,8 Prozent der Gesamtbevölkerung) ihre dritte Corona-Impfung erhalten (Stand 22. Dezember, 9.16 Uhr). Damit fehlen noch 1,9 Millionen Booster-Impfungen. Das darf tatsächlich hoffnungsfroh stimmen. Die Zahlen von Mittwoch und Donnerstag stehen noch aus, in den vergangenen Wochen aber wurden an den beiden Tagen immer jeweils mehr als eine Million Impfungen verabreicht.

Scholz’ zweites Ziel ist dagegen sehr viel ambitionierter: 80 Prozent sollen sich bis zum 7. Januar mindestens erstgeimpft haben lassen. 17 Tage sind es bis dahin (einschließlich des heutigen Mittwochs). Wo stehen wir heute? Bisher haben 61,2 Millionen Menschen eine erste Impfdosis erhalten. Das entspricht 73,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. 22 Millionen haben sich bisher nicht impfen lassen (einschließlich der vier Millionen Kinder, für die es keinen zugelassenen Impfstoff gibt).

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Um eine Quote von 80 Prozent mindestens Erstgeimpften zu erreichen, müssen sich bis zum 7. Januar also 6,4 Prozent der Bevölkerung noch impfen lassen. Das entspricht etwa 5,3 Millionen Menschen, die noch eine erste Impfung erhalten müssen. Umgerechnet auf 17 verbleibende Tage, bedeutet das: Es braucht mehr als 300.000 Erstimpfungen täglich.

Täglich im Durchschnitt nur 87.517 Erstimpfungen

Schaut man sich die Erstimpfungen der vergangenen Tage und Wochen an, so scheint dieses Zeil nur schwer bis gar nicht erreichbar zu sein, sollte sich nichts am Tempo ändern. In den vergangenen sieben Tagen haben sich täglich im Durchschnitt nämlich nur 87.517 Menschen zum ersten Mal impfen lassen.

An Spitzentagen wie dem 17. Dezember oder dem 15. Dezember waren es 103.634 bzw. 104.477 Erstimpfungen. Den Höchstwert der vergangenen Monate gab es am 25. November mit 125.207 Erstimpfungen. Höher lag der Wert nur Anfang September. Zwar hat sich die Zahl der täglichen Erstimpfungen im Vergleich zu Oktober oder November im Dezember deutlich gesteigert. Von mehr als 300.000 ist Deutschland aktuell aber weit entfernt.

Hinzu kommt, dass sich über die anstehenden Weihnachts- und Silvesterfeiertage weniger Menschen zum Impfen aufmachen dürften. Zwar hatte Kanzler Olaf Scholz am Dienstag „Corona macht keine Weihnachtspause“ gesagt und mit den Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, die Impfkampagne auch während der Weihnachtstage und zwischen den Jahren „mit unverminderter Kraft“ fortzusetzen. Doch ob sich das so umsetzen lässt, darf bezweifelt werden.

Die Hausärzte werden sich nach einem anstrengenden Impfjahr wohl auch ein paar Tage Pause gönnen, auch wenn die Bundesregierung mit einem finanziellen Anreiz lockt. Für die Zeit zwischen dem 24. Dezember bis zum 9. Januar sollen Ärzte und Apotheker für eine Impfung durchgehend den Feiertagssatz von 36 Euro statt 28 Euro erhalten. Verwendet werden soll vor allem der Moderna-Impfstoff.

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Was die Impfzentren angeht, sieht es über die Feiertage sehr unterschiedlich aus. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden die meisten kommunalen Impfzentren erst am 27. Dezember wieder ihre Türen öffnen – aber es gibt auch Ausnahmen: Der Kölner Dom lädt bewusst an Heiligabend zu einer vierstündigen Impfaktion ein, und in einem Duisburger Hotel startet am 24. Dezember ein 81-stündiger Impfmarathon.

In Hessen rechnet man damit, dass die Impfkampagne erst im Januar wieder Schwung aufnimmt. In den Praxen werde es an den Feiertagen und zwischen den Jahren vermutlich weniger Aktivität geben, sagte Christian Sommerbrodt vom hessischen Hausärzteverband: „Viele haben ja schon vor den Feiertagen Extraschichten gemacht.“

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Unterdessen sollen die bayerischen Impfzentren wenn möglich weiterhin an sieben Tagen in der Woche öffnen, auch abends. „Freigestellt ist den Impfzentren, ob beziehungsweise in welchem Umfang sie am 24. Dezember außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten die Impfzentren öffnen“, hieß es beim Gesundheitsministerium in München.

Am Impfstoff soll es nicht scheitern. Nach Aussage von Gesundheitsminister Lauterbach stehen für die nächsten drei Wochen insgesamt 30 Millionen Moderna-Dosen zur Verfügung, sowie drei Millionen Biontech-Dosen. Darüber hinaus stehen dem Minister zufolge noch zusätzlich 25 Millionen weitere Dosen von Moderna bereit.

Fazit: Mit den 30 Millionen Booster-Impfungen dürfte Scholz sich an Weihnachten sehr wahrscheinlich selbst ein Geschenk gemacht haben. Am zweiten Impfziel aber dürfte der Kanzler scheitern, sollte sich nicht das Tempo bei den Erstimpfungen drastisch beschleunigen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Scholz ein Ziel verfehlt. Im März 2020 hatte er (damals noch Bundesfinanzminister) erklärt, man wolle bis Ende Juni zehn Millionen Impfungen pro Woche möglich machen. Am Ende waren es nicht mal sechs Millionen Impfungen. Sollte der Kanzler am 7. Januar also tatsächlich eine Quote von 80 Prozent Erstgeimpften verkünden dürfen, käme das schon fast schon einem kleinen Wunder gleich.

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