Juli 24, 2026 10:13 a.m. CEST

Umfassende Befragung

Ost und West, in Missmut vereint

Aktualisiert am 24.07.2026 – 08:00 UhrLesedauer: 5 Min.

Wie sehen Menschen in Ost und West die Lage? (Archivbild) (Quelle: Uli Deck/dpa/dpa-bilder)

Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov Menschen in Ost und West grundsätzliche Fragen gestellt. Einiges widerspricht gängigen Klischees.

Der Osten tickt politisch anders als der Westen. Oder? Tatsächlich unterscheiden sich in einer neuen Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov einige Ansichten erkennbar, etwa zur Rolle der AfD, die im Osten positiver gesehen wird. Viele Einschätzungen sind aber erstaunlich ähnlich – und alarmierend für die Politik: In Ost wie West sehen jeweils zwei von drei Befragten die Demokratie in Gefahr. Das Misstrauen gegen die Regierenden ist überwältigend.

Wenige Wochen vor den wichtigen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin legte das Institut jeweils knapp 1.600 Menschen in Ost und West einen umfassenden Fragenkatalog vor. Interessant ist vor allem der direkte Vergleich. Die Ergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur exklusiv vor.

Wo wir uns ähnlich sind

Eigentlich zufrieden: „Wie zufrieden sind Sie ganz generell mit Ihrem Leben?“ – bei der Frage sind sich West- und Ostdeutsche einig. Im Westen sagen 47 Prozent, im Osten 48 Prozent, sie seien zufrieden. Weitere 29 beziehungsweise 28 Prozent sind sogar sehr oder voll und ganz zufrieden. Wenig oder überhaupt nicht zufrieden sind jeweils 23 Prozent.

Persönlich optimistisch: Auf ihre eigene Situation in den nächsten zwölf Monate blicken im Westen 43 Prozent und im Osten 40 Prozent eher oder sogar sehr optimistisch. Jeweils weitere 37 Prozent sagen: teils/teils. Eher oder sehr pessimistisch äußern sich im Westen 19 und im Osten 22 Prozent.

Für Deutschland pessimistisch: 57 Prozent im Westen und 63 Prozent im Osten sind sehr oder eher pessimistisch für das Land in den nächsten zwölf Monaten. Nur 11 beziehungsweise 9 Prozent sind eher oder sehr optimistisch. Für drei von vier Befragten in West (73 Prozent) und Ost (78 Prozent) entwickelt sich das Land in die falsche Richtung.

Rangliste der Sorgen: Ganz oben steht die Absicherung im Alter (59 Prozent im Westen, 63 Prozent im Osten machen sich große oder sehr große Sorgen); dass man sich die Wohnung nicht mehr leisten kann (40 Prozent zu 41 Prozent); dass man Opfer eines Verbrechens wird (26 zu 30). Dass man den Arbeitsplatz verlieren könnte, treibt in West wie Ost jeweils 12 Prozent der Befragten um.

Wo wir uns deutlich unterscheiden

Selbsteinschätzung: Ihren Rang in der Gesellschaft schätzen die Befragten in Ostdeutschland tiefer ein. Niemand (0 Prozent) von ihnen sieht sich auf einer Skala von 1 bis 10 an der obersten Spitze; im Westen sind es immerhin 1 Prozent. Eher unten in der Skala – auf den Stufen 1 bis 4 – sehen sich 29 Prozent der Westdeutschen, aber 35 Prozent der Ostdeutschen.

In einigen Punkten unterscheidet sich die Sicht der befragten Ostdeutschen. (Symbolbild) (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-bilder)
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