In 147 Fällen polizeibekannt
Köln lehnt Abschiebungen ab – Ministerium: „nicht nachvollziehbar“
12.08.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 4 Min.

Die Stadt Köln hat Hilfe bei der Abschiebung von 500 ausreisepflichtigen Migranten abgelehnt. Das zuständige Ministerium kritisiert die Vorgänge.
Neue Entwicklungen um die „Liste Coesfeld“: Das nordrhein-westfälische Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration hat das Vorgehen der Kölner Ausländerbehörde kritisiert. Die Entscheidung, 500 ausreisepflichtige Personen nicht abschieben zu wollen, sei „in Einzelfällen nicht nachvollziehbar“. Das sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Kölner Redaktion von t-online.
Das Ministerium sei in Gesprächen mit der Kölner Ausländerbehörde, um die Vorgänge rund um die „Liste Coesfeld“ aufzuklären. Köln hatte im November 2024 die Hilfe der Zentralen Ausländerbehörde in Coesfeld bei der Zurückführung von 500 ausreisepflichtigen Personen abgelehnt. Stattdessen sollte für diese eine Bleibeperspektive geschaffen werden.
„Liste Coesfeld“: 147 Straftaten – Kölner wird trotzdem nicht abgeschoben
Unter den 500 Personen befindet sich nach Informationen von t-online und weiterer Medien auch Josip K. (Name geändert). Er ist in 147 Fällen polizeibekannt. Im Mai musste er sich vor dem Kölner Amtsgericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten, verließ kurz vor der Verhandlung aber das Gerichtsgebäude. In seiner Abwesenheit wurde ein Strafbefehl verhängt. Josip K. hält sich bereits seit 2003 in Deutschland auf.
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Das unter anderem für Flucht zuständige NRW-Ministerium kennt die entsprechenden Einzelfälle. Es sieht bei den Kölner Behörden „unzureichende Bemühungen, die Identität zu klären und vollziehbar ausreisepflichtige Personen zurückzuführen“. Eine Sprecherin erklärte weiter: „Grundsätzlich liegt ein schwerwiegendes Ausweisungsinteresse bei einem nicht nur vereinzelten oder geringfügigen Verstoß gegen Rechtsvorschriften vor.“
Die finale Entscheidung liegt allerdings bei den Kommunen selbst. Die Zentrale Ausländerbehörde in Coesfeld, die für die Rückführung in die Balkanstaaten verantwortlich ist, kann ihre Hilfe zwar anbieten, eine Abschiebung allerdings nicht erzwingen. Ungeklärt ist, ob die Behörde im Ernstfall auch für alle 500 Personen entsprechende Dokumente und Plätze in Charterflügen zur Verfügung hätte stellen können.
Abschiebeskandal in NRW? Ministerium lässt Listen „Coesfeld“ und „Unna“ anfertigen
Die Listen wurden auf Initiative des NRW-Ministeriums angefertigt, bestätigte eine Sprecherin. „Die Anmeldungen für die Sammelchartermaßnahmen in den Westbalkan gingen zu diesem Zeitpunkt zurück. Dies stand im Widerspruch zu der weiterhin hohen Zahl der Ausreisepflichtigen.“ Neben der „Liste Coesfeld“ für Menschen aus den Westbalkanstaaten wurde auch eine „Liste Unna“ angefertigt. Sie enthielt Namen von irakischen Staatsangehörigen, die abgeschoben werden sollten.
Die Liste enthielt nicht nur Namen, die der Kölner Ausländerbehörde bekannt waren. Auch weitere Kommunen waren involviert, heißt es aus dem Ministerium. Welche weiteren Städte und Gemeinden ebenfalls ein Hilfsangebot bekommen haben, nannten die Verantwortlichen allerdings nicht.
