August 7, 2026 6:59 a.m. CEST

Zehn Kühe und ein Traum vom DJ-Pult

Diese Serie zeigt Münchens wildeste Jahre

07.08.2026 – 05:01 UhrLesedauer: 3 Min.

Linda Bierwirth alias Jule Hermann: Sie taucht im Plattenladen tief in die Welt der elektronischen Musik ein. (Quelle: Marc Reimann)

Vom Bauernhof nach München: Die Serie „München Beats“ erzählt von einer jungen Frau, die in der Technoszene der 90er ihren Weg sucht. Ein Detail entschied über die Hauptrolle.

Eine junge Frau verlässt den elterlichen Bauernhof in Ismaning, um in München ihren eigenen Weg zu gehen – mit im Gepäck nur ein Akkordeon und der Traum, als DJ in der Technoszene der 1990er-Jahre Fuß zu fassen. Das ist die Ausgangslage der neuen ZDF-Serie „München Beats“. Sie nimmt das ehemalige Fabrikgelände der Pfanni-Werke als Ausgangspunkt, um daraus ein Panorama der 1990er-Jahre zu entwickeln: vom Sog der aufkommenden Technobewegung über neue Freiräume für die queere Szene bis hin zu einem wirtschaftlichen Umbruch, der laut Sender ganze Existenzen ins Wanken bringt. Das Drehbuch stammt von Christian Schnalke, Julie Fellmann und Stefani Straka.

Regisseurin Mimi Kezele erkennt in ihrer Hauptfigur Linda einiges von sich selbst wieder: „Ich komme aus einer musischen Familie, jeder spielte mindestens ein Instrument. In den 90ern war ich in Lindas Alter, auch ich spielte wie sie Akkordeon, liebte die Musik, hatte große Träume“, sagt sie im Interview mit der „Abendzeitung“. Die fiktionale Geschichte entfaltet sich aus den Blickwinkeln verschiedener Generationen. Redaktionell habe gerade dieses Nebeneinander unterschiedlicher Welten gereizt, heißt es vom ZDF: „Land trifft auf Stadt, Tradition auf Veränderung, Kartoffeln auf Techno.“

Münchner Szenehotel „Deutsche Eiche“ spielt eine tragende Rolle

Mit dem Kunstpark Ost verbindet Kezele ihre eigene Jugend: „Die ersten Nächte, in denen man lange rausgehen durfte, die Menschen, die man dort traf – Bekannte und Unbekannte – die Musik, jede Art von Musik“, erinnert sie sich. Der Ort sei „wie eine Stadt in der Stadt“ gewesen. Gedreht wurde die Szenerie nicht am Originalschauplatz, sondern auf einem ehemaligen Pharma-Gelände in Wolfratshausen sowie teilweise im heutigen Werksviertel – wichtig war der Regisseurin dennoch, Details wie den Original-Eingang originalgetreu nachzubilden. Auch das Münchner Szenehotel „Deutsche Eiche“ spielt eine tragende Rolle und wurde in einer ähnlichen Straße in Untergiesing nachgestellt.

Getragen wird die Serie von einem Ensemble aus Jule Hermann, Tobias Moretti, Klaus Steinbacher, Sophie von Kessel, Marlene Morreis, Frederic Linkemann und Ben Münchow. Für die Hauptrolle bat Kezele Hermann beim Casting, direkt in der Rolle des Mädchens vom Land zu erscheinen, das DJ werden will. Hermann erzählte daraufhin von Ismaning und den zehn Kühen ihrer Familie – und nannte auf Nachfrage in einem Atemzug zehn Namen für die Tiere. Diese „umwerfende Frische und Spontanität“ habe letztlich den Ausschlag gegeben, so Kezele. Für die Rolle des Pfanni-Chefs sei früh klar gewesen, dass es Tobias Moretti sein müsse; später kam Steinbacher als dessen Filmsohn hinzu.

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