Kontakte zu Berliner Clan
Linke zieht Abgeordneten aus Innenausschuss ab
22.09.2026 – 14:30 UhrLesedauer: 2 Min.
Kontakte eines Abgeordneten zu einem Mitglied der Remmo-Familie setzt die Linkspartei unter Druck. Nun haben die Chefs der Bundestagsfraktion Stellung bezogen.
Der Linken-Abgeordneten Ferat Koçak wird nach der Kontroverse um seine Kontakte zu einem führenden Clan-Mitglied vorerst nicht mehr an Sitzungen des Innenausschusses im Bundestag teilnehmen. Das haben die Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek und Sören Pellmann am Dienstag erklärt. „Ferat Koçak wird bis auf Weiteres nicht an Sitzungen des Innenausschusses teilnehmen, bis wir vollumfängliche Transparenz haben“, sagte Pellmann. „Dann werden wir weiter entscheiden.“
Die Linke in Berlin war nach ihrem Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl in Erklärungsnöte geraten, weil Clan-Chef Issa Remmo eine Wahlparty der Linken am Sonntag besuchte. Die Partei erklärte daraufhin, dieser sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. In der Folge wurden aber von Medien Chatnachrichten zwischen dem Neuköllner Bundestagsabgeordneten und Remmo-Sohn Firas Remmo veröffentlicht.
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Koçak will „volle Transparenz“ herstellen
Koçak räumte Kontakte zu dem Berliner Clan ein. Auf der Plattform X rechtfertigte Koçak den Kontakt zu Firas Remmo damit, dass er mit „vielen Leuten“ im Austausch stehe. In einem Fall habe er Issa Remmo „mit Höflichkeit zurückgegrüßt“, er habe jedoch zunächst „keine Kenntnis“ davon gehabt, um wen es sich handelt. Koçak erklärte, „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden“, seien „durch nichts zu rechtfertigen“. Er wolle für „volle Transparenz“ sorgen. Bis dahin wolle er sich zurückziehen.
Firas Remmo hatte einen Screenshot der Unterhaltung mit Koçak bei Instagram hochgeladen. Die arabischstämmige Remmo-Großfamilie kam in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Berlin. Zu der Familie mit inzwischen mehreren Generationen sollen einige Hundert Menschen gehören. Einen Teil von ihnen ordnet die Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. Vor allem junge Männer aus der Großfamilie wurden wegen zahlreicher Verbrechen und Gewalttaten als Verdächtige gefasst und verurteilt. Oft machten sie Schlagzeilen – etwa nach dem Diebstahl einer riesigen Goldmünze aus einem Berliner Museum.
Die Bundesspitze der Linken hatte sich zuvor bereits kritisch zu den Clan-Kontakten von Koçak geäußert. „Wir haben als Partei einen hohen Anspruch an unsere Abgeordneten“, erklärte Bundesgeschäftsführer Janis Ehling auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Schon der bloße Anschein von Verbindungen wie in diesem Fall schadet dem Ansehen unserer Partei. Unser Abgeordneter Ferat Koçak zieht deshalb richtigerweise Konsequenzen. Ich gehe davon aus, dass er volle Transparenz herstellen und alles tun wird, um diesen Verdacht auszuräumen.“
