Lily Allen ist seit den 2000er-Jahren ein internationaler Popstar. In Berlin überrascht sie mit einem besonderen Festivalauftritt auf dem Lollapalooza.
Siebeneinhalb Jahre ist es her, dass der britische Popstar Lily Allen in Deutschland auf der Bühne stand. Nun ist sie mit ihrem Auftritt beim Lollapalooza Festival in Berlin zurück und stellt ihr aktuelles Album „West End Girl“ vor.
Darin verarbeitet sie chronologisch erzählend die Trennung vom US-amerikanischen Schauspieler David Harbour, bekannt aus der Erfolgsserie „Stranger Things“. Sie vermischt persönliche Erfahrungen der vierjährigen Beziehung mit fiktiven Elementen: den Wunsch nach einer offenen Ehe, dauerhafte Selbstzweifel, wiederkehrende Angst vor Betrug.
Von heimlichen SMS singt sie auf dem Album ebenso wie von geöffneten Kondomverpackungen. All das und mehr verpackt sie in einem theatralischen Bühnenstück.
Lily Allen auf dem Lollapalooza: Keine Kommunikation mit Publikum
Fans, die eine Popshow erwarten, werden enttäuscht – und verlassen die Show teilweise vorzeitig: Es gibt wenig Kommunikation mit dem Publikum, ein klares Drehbuch und einen starken Fokus auf die Geschichte des Albums. Für diese Konzerte wurde sie in der Vergangenheit bereits kritisiert. Zu kurz seien sie, hieß es unter anderem in den sozialen Medien. Lily Allen hatte sich dagegen gewehrt – zurecht.
Denn das, was sie in Berlin präsentiert, ist eine Art Solo-Musiktheater. Es findet in einer auf der Bühne nachgebauten Wohnung statt, die wohl Lily Allens einstigem Rückzugsort in Brookyln nachempfunden sein soll. Sie räkelt sich auf einem Sofa („Sleepwalking“), hantiert mit Sexspielzeug auf dem Bett herum („Pussy Palace“) oder zeigt sich den Tränen nahe, als sie in einer Handtasche nach Tabletten sucht („Relapse“).
Lily Allen’s Auftritt bringt frischen Wind ins Line-up
Nur bei manchen Songs geht sie auf das Publikum zu, etwa bei „Madeline“, der über die angebliche Untreue ihres Ex-Mannes handelt. Ein Song, der mit seiner zurückhaltenden Instrumentierung an die frühe Musik von Lily Allen erinnert. Gelegentlich lächelt sie das Publikum sogar an und zeigt, dass ihr das Set trotz der emotionalen Achterbahnfahrt sichtlich viel Spaß bereitet.
Musikalisch bewegt sich der Auftritt ansonsten im modernen Pop-Kosmos: Warme Synthesizer treffen auf wummernde Beats und eingängige Melodien, verziert mit dezenten experimentellen Elementen. Der leichte, sommerliche Pop-Charme ihrer Anfangszeit weicht in „West End Girl“ einem stärker inszenierten Sound. Ihre größten Songs („Smile“, „The Fear“ oder „Not Fair“), die sie in den Nullerjahren so erfolgreich gemacht haben, spielt sie nicht.
Der Auftritt auf dem Lollapalooza ist besonders und intensiv, was einige Festivalbesucher sichtlich überrascht. Es ist ein gewagtes Set für eine Festivalshow, das im Line-up aber für frischen Wind sorgt – sowohl musikalisch als auch von der Inszenierung.
