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Multifunktionale Möbel treffen einen Nerv

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Möbel, die vieles können und überall im Haus Platz finden, liegen auf der Mailänder Möbelmesse im Trend. Zum Beispiel, wenn sie gleichzeitig Hocker, Beistelltisch und Kinderwippe sind – und dann auch noch dekorativ aussehen.

Geht es Ihnen auch so: Sie bräuchten ab und an einen zusätzlichen Hocker im Wohnzimmer? Aber immer sollte er dort nicht stehen, denn Sie haben nicht den Platz. Und manchmal wäre ein kleiner Arbeitsplatz am Fenster gut oder eine zusätzliche Ablage beim Kochen in der Küche.

Der Beistelltisch Koji von Opinion Ciatti ist dank Rollen mobil.

(Foto: Opinion Ciatti/dpa-tmn )

Gut, dass es jetzt zum Beispiel einen „Wandertisch“ gibt. Diesen präsentiert das italienische Designerlabel Opinion Ciatti auf der Mailänder Möbelmesse (bis 12. Juni) mit Koji. „In der Höhe stufenlos verstellbar, verbirgt Koji auch zwei kleine Räder, dank denen er zu einem Wandertisch wird, der nach Wunsch umgestellt werden kann“, heißt es vom Label.

Er ist also nicht nur kleiner Beistelltisch und Ablage neben der Couch. Das Stahlgestell mit einer Platte aus MDF oder recyceltem Glasfaserkunststoff lässt sich auch zum Stehpult ausziehen – und das überall im Wohnraum, wo er eben mal schnell gebraucht wird. Ein Tausendsassa also, mit vielen Einsatzzwecken. Opinion Ciatti spricht lieber von einer Zutat „wie in der Küche“. Daher auch der Name des Tisches: Koji ist ein Schimmelpilz, der in der japanischen Küche für einen vollmundigen Geschmack sorgt.

Solche Möbel finden sich auf der diesjährigen Weltleitschau für die Einrichtungsbranche im italienischen Mailand zuhauf. Kein Wunder, denn im Homeoffice zu Arbeiten in einem kleinen Zuhause ist inzwischen ein großes Thema für viele Menschen. Und selbst wer viel Platz hat, der lebt oft im offenen Grundriss – übrigens in Deutschland im Neubau quasi Standard. Wo zwischen Küche, Ess- und Wohnbereich keine Wände mehr sind und die Grenzen zwischen den Funktionsbereichen verwischen, sind Möbel sinnvoll, die überall praktisch sein können.

Ein Hocker ist ein Tisch ist ein Hocker

Ein Paradebeispiel für so ein multifunktionelles Möbel sind Hocker – oder sollte man sie Tisch nennen? Für Classicon gibt es da keinen Unterschied: Sein Corker ist ein Möbel, das laut Herstellerbeschreibung beides sein darf.

Aber eigentlich noch so viel mehr: „Er ist mal ein Behelferchen, wenn man einen Sitzplatz braucht. Er kann aber auch Nachttisch neben dem Bett sein“, zählt Ascan Mergenthaler vom Architekturbüro Herzog & de Meuron, von dem das Design stammt, auf. „Er ist nutzbar als Tisch, als Beistelltisch, um etwa eine Pflanze darauf zu stellen. Man kann ihn aufeinanderstapeln. Und wir haben ihn auch mal umgedreht – auch so sieht er ganz schön aus.“

Und der Corker ist Outdoormöbel: „Wir haben ganz viele von ihm tatsächlich schon zehn Jahre lang draußen stehen. Er verändert zwar ein bisschen seinen Look, aber der Corker ist witterungsbeständig“, so Mergenthaler in einem Interview auf der Mailänder Möbelmesse. Der Entwurf ist schon zehn Jahre alt, entstanden für ein Londoner Museum. Classicon-Chef Oliver Holy, der das Stück nun erstmals kaufbar macht, ist ein großer Fan des Corkers. Auch weil es so perfekt zum neuen Wohnen passt.

„Wir haben dafür mit frischem Blick darauf geschaut“, berichtet Mergenthaler. Und der Corker hat sich dabei verändern dürfen: Er ist oben nun flach statt leicht gewölbt. „Das hat mit der Flexibilität zu tun. Wenn er flach ist, ist er auch nutzbar als Tisch.“

Ein Möbel ist auch Dekoration

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Schon Kunst oder noch ein Möbel? Der Beistelltisch namens Tuky von Wittmann wirkt auch dekorativ, wenn man nichts auf ihm abstellt.

(Foto: Max Rommel/Wittmann/dpa-tmn)

Es sind oft solche Kleinigkeiten, die zum Beispiel aus einem normalen Tischchen ein Möbel mit vielen Namen macht. Das gilt auch für Tuky, einen Beistelltisch von Luca Nichetto für Wittmann. Sein tollstes Feature ist ein Griff, der diese neue Flexibilität herausstellt.

Nichetto hat den Beistelltisch auch bewusst wie eine Skulptur designt: „Man kann darauf arbeiten, man kann darauf Bücher ablegen, man kann darauf essen. Aber zur gleichen Zeit war mir wichtig, dass er auch Dekoration ist“, so Nichetto. „Normalerweise sind solche Produkte sehr technisch, aber ich möchte nicht von rein funktionalen Produkten umgeben sein. Es ist ja schließlich mein Zuhause.“

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Ludo von Teresa Egger ist ein Tausendsassa: Couch-, Beistell- und kleiner Arbeitstisch, wahlweise Kinderwippe und Minibank.

(Foto: Teresa Egger/Rat Für Formgebung/dpa-tmn)

Wie vielfältig die Kategorie multifunktionales Möbel sein kann und wie viele verschiedene Ideen es gibt, zeigen auch die Gewinner und Platzierten der Shortlist des vom Rat für Formgebung verliehenen „ein&zwanzig“-Nachwuchswettbewerbs, deren Produkte in Mailand ausgestellt wurden. Sie lassen auch jene Mitbewohner einen Vorteil aus solchen Möbeln ziehen, die sowieso alles als Kletter- und Ablageplatz betrachten.

Ein Beispiel dafür ist das Möbel „Ludo“ von Teresa Egger. Ein Couch-, Beistell- und kleiner Arbeitstisch, wahlweise Kinderwippe und Minibank. Und es bietet Stauraum. Ziyi Gong und Jingyi Yu denken an die Haustiere: Ihr Beistelltisch „Lin“ ist auch Katzen- oder Hundebett.

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