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Epstein-Vertraute schuldig gesprochen : Familie von Maxwell geht gegen Urteil in Berufung – Medien – Gesellschaft

Die Ex-Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist wegen Sexualverbrechen an Minderjährigen schuldig gesprochen worden. Die Familie von Maxwell gab nun bekannt, gegen die Verurteilung in Berufung zu gehen. „Wir glauben fest an die Unschuld unserer Schwester – wir sind sehr enttäuscht von dem Urteil“, teilten die Angehörigen mit, wie die britische Nachrichtenagentur PA in der Nacht zum Donnerstag meldete.

„Wir haben heute Abend bereits mit der Berufung begonnen und sind der Überzeugung, dass ihr schließlich Gerechtigkeit widerfährt.“ Auch Maxwells Anwältin kündigte Berufung an. „Wir glauben fest an Ghislaines Unschuld“, sagte Bobbi Sternheim.

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Die zwölf Geschworenen des Prozesses vor einem New Yorker Gericht fällten ihr Urteil am Mittwoch nach mehrtägigen Beratungen. In dem seit November laufenden Prozess wurde Maxwell vorgeworfen, als Helferin des bis in höchsten Kreise vernetzten Geschäftsmanns Epsteins eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch junger Mädchen gespielt zu haben.

Maxwell drohen mehrere Jahrzehnte Haft

Für die Verkündung des Strafmaßes gab Richterin Alison Nathan zunächst keinen Termin bekannt. Maxwell drohen aber mehrere Jahrzehnte in Haft. Die 60-Jährige war in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken – in diesem und vier weiteren Anklagepunkten wurde sie schuldig gesprochen. Damit fällte die Jury – wie auch im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein vergangenes Jahr – einen Schuldspruch vor allem auf Basis von Aussagen weiblicher Opfer und nicht aufgrund eindeutiger sachlicher Beweise.

Maxwell nahm das Urteil laut einem Bericht der „New York Times“ zunächst ungerührt hin und trank danach einen Schluck Wasser. Sie habe den Gerichtssaal ohne weitere Gespräche mit ihren Anwälten verlassen und dabei noch einen schnellen Blick auf ihre Geschwister geworfen, die bei dem Prozess im Stadtteil Manhattan anwesend waren. Maxwell hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet.

„Sie hat ihre Opfer manipuliert und sie auf sexuellen Missbrauch vorbereitet.“

Die Verteidigung stellte den Fall von Beginn an als Abrechnung mit juristischen Mitteln und Stellvertreterprozess dar, da die Staatsanwaltschaft Epstein selbst nicht mehr belangen konnte. Der 66-Jährige war während der Vorbereitung auf den Missbrauchsprozess gegen ihn im August 2019 leblos in seiner Gefängniszelle gefunden und im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ein Obduktionsbericht stellte Suizid fest.

Staatsanwalt Damian Williams teilte angesichts des Urteils mit, dass der Gerechtigkeit Genüge getan worden sei. „Ich möchte den Mut der Mädchen – jetzt erwachsenen Frauen – loben, die aus dem Schatten in den Gerichtssaal traten.“ Ihr Mut habe das Urteil erst ermöglicht. Zum Zeitpunkt der Taten waren die Opfer zwischen 14 und 17 Jahre alt.

Staatsanwältin Alison Moe hatte Maxwell in ihrem Schlussplädoyer vor Weihnachten als „gefährliche“ und „raffinierte Sexualstraftäterin“ beschrieben. „Sie hat ihre Opfer manipuliert und sie auf sexuellen Missbrauch vorbereitet.“ Maxwell sei „schick“ und „lächelnd“ aufgetreten und habe so die mutmaßlichen Opfer, die oft aus problematischen Verhältnissen stammten, in eine Falle gelockt und Epstein zugeführt.

Ghislaine Maxwells Schwester Christina (l), Isabelle (M) und ihr Bruder Kevin (r) nach der UrteilsverkündungFoto: Bryan R. Smith /AFP

Maxwells Verteidigerin Laura Menninger dagegen sagte, ihre Mandantin sei „eine unschuldige Frau“ und zu Unrecht für Verbrechen angeklagt worden, die sie nicht begangen habe. Die Anklage der Staatsanwaltschaft basiere auf fehlerhaften Erinnerungen.

„Maxwell hat nicht alleine gehandelt“

Opfer von Epstein, die im Prozess ausgesagt hatten, begrüßten die Entscheidung. Der Prozess habe gezeigt, dass Maxwell kein Sündenbock sei. „Sie stand nicht vor Gericht, weil sie mit Jeffrey Epstein rumgehangen hat, sie war wegen ihrer eigenen Taten vor Gericht“, sagte die Anwältin Lisa Bloom, die mehrere Opfer vertritt, dem Sender BBC Radio 4. Die US-Amerikanerin Virginia Giuffre, die dem ehemaligen Epstein-Freund Prinz Andrew sexuellen Missbrauch vorwirft, twitterte: „Maxwell hat nicht alleine gehandelt. Andere müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Der Schuldspruch bedeute einen Schritt zur Gerechtigkeit.

Giuffre wirft Andrew vor, sie vor gut 20 Jahren als 17-Jährige missbraucht zu haben. Der Kontakt entstand über Epstein. Andrew weist die Anschuldigungen strikt zurück. Britische Medien kommentierten, der zweitälteste Sohn der Queen sei im Maxwell-Prozess gut weggekommen. Sein Fall sei lediglich eine Fußnote gewesen, auch weil weder Maxwells Adressbuch zur Sprache gekommen noch seine Anklägerin Giuffre befragt worden sei, schrieb die Zeitung „Guardian“.

Eine Mischung aus Angestellter und bester Freundin

Maxwell ist die Tochter des legendären britischen Verlegers Robert Maxwell (1923-1991) und war Anfang der 90er Jahre nach New York gekommen. Dort traf sie Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und war zeitweise mit ihm liiert. Das Umfeld Epsteins beschrieb ihre Rolle in seinem Leben als eine Mischung aus Angestellter und bester Freundin.

Der Missbrauch zahlreicher Minderjähriger durch Epstein soll über Jahrzehnte auf seinen Anwesen in New York, Florida, Santa Fe und auf den Virgin Islands stattgefunden haben. Der Fall schlug in den USA auch deshalb hohe Wellen, weil der schwerreiche Unternehmer mit Prominenten wie den Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, Milliardär Bill Gates und dem britischen Prinzen Andrew bekannt war. Eine frühere Anklage gegen ihn mündete in einem für Epstein sehr vorteilhaften Deal. Spätestens dadurch wurde er zum Symbol einer gesellschaftlichen Elite, die mit allem durchkommt. (dpa)

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