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Batic und Leitmayr ermitteln in der Philharmonie: Kampf ums Pult – Medien – Gesellschaft

Das Gehirn, dieser faszinierende, noch unzureichend erforschte Kontinent in unserem Kopf, kann die tollsten Kunststücke vollbringen. Turnerinnen und Turner trainieren zum Beispiel im Schlaf besonders komplizierte Übungen. Denn sogenannte „Klarträumer“ sind sich bewusst, dass sie träumen, und können deshalb ein Stück weit ihre Träume kontrollieren und selbst gestalten. Auch unter Profi-Musikern kommt die Technik zur Anwendung.

Der Regisseur oder die Regisseurin des eigenen Kopfkinos sein zu können – ein Traum. Oder vielleicht doch ein Alptraum, weil auch mal was außer Kontrolle geraten kann? Im „Tatort:. Dreams“ hat die junge Geigerin Marina (Jara Bihler) ihre Freundin – und Konkurrentin – Lucy (Dorothée Neff) im Streit mit einer Glasscherbe getötet.

Blut, aber die Leiche fehlt

Aber Marina, die Klarträumerin, ist sich nicht sicher, ob das wirklich geschehen ist. „Vielleicht war alles nur ein Traum“, erklärt die aufgelöste Frau den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl). Am dem Dach der Philharmonie am Gasteig, findet die Polizei tatsächlich Blut von der vermissten Lucy, aber keine Leiche. Seltsam auch, dass Marina nicht sofort zur Polizei gegangen ist, um ihr „Geständnis“ abzulegen, sondern erst Tage später.

Der Krimispannung im Münchener „Tatort“ stehen manchmal einige verhältnismäßig umfangreiche Info-Blöcke im Weg, denn die redaktionell ausgewählten Themen müssen im deutschen Lieblingskrimi ordentlich erklärt werden.

Dafür ist die – pardon – aufgeweckte Schlafforscherin Dr. Deah (Katrin Röver) zuständig, die auch einigen Problemen der Kommissare schnell auf die Schliche kommt. Immerhin: Da kann man wirklich etwas lernen.

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Die Kommissare treiben ihr übliches selbstironisches Spiel, schön ergänzt durch den gewitzten Kollegen Kalli Hammermann (Ferdinand Hammermann), der die Kärrnerarbeit erledigt, aber die alten Zausel schon zu nehmen versteht. In „Dreams“ sinnieren Batic und Leitmayr im Tonfall eines Paars, das sich an die Zeit vor ihrer Beziehung gar nicht mehr erinnern kann, das sei „der merkwürdigste Fall in – wie lange halte ich’s jetzt mit dir aus? – 30 Jahren“.

Das ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen angesichts von 87 „Tatort“-Folgen mit Nemec und Wachtveitl seit dem 1. Januar 1991. Könnte allerdings auch sein, dass der Bayerische Rundfunk auf Online-Klickstrecken à la „Die zehn merkwürdigsten Münchner ,Tatort’-Filme“ spekuliert.

Druck ist der Preis für die Orchesterkarriere

Drehbuch-Autorin Johanna Thalmann, die gerade erst für den Frankfurter „Tatort – Luna frisst oder stirbt“ verantwortlich zeichnete, wechselt nun von der Literatur in die Welt der klassischen Musik. Gemeinsam mit Moritz Binder schrieb sie eine Geschichte über den enormen Erfolgsdruck, unter dem junge Frauen und Männer stehen, die in einem Orchester Karriere machen wollen.

[„Tatort: Dreams“, ARD, Sonntag, um 20 Uhr 15]

Die Freundschaft von Marina und Lucy wurde auf eine harte Probe gestellt. Beide hatten sich um den freien Posten der stellvertretenden Konzertmeisterin beworben. Außerdem war Marina drauf und dran, Lucy den Freund auszuspannen.

Regisseur Boris Kunz bietet bei seinem „Tatort“-Debüt keine deftig-bayerischen Turbulenzen wie in „Hindafing“ und auch keine medienkritische Satire wie in „Labaule & Erben“. Dafür verschwimmen hier die Grenzen zwischen Traum und Realität schön fließend und in bisweilen eindrucksvollen Bildern, etwa vom „Großstadtdschungel“ München.

Aber erst im Finale reizt Kunz die Möglichkeiten des Themas wirkungsvoll aus. Die entscheidende Wende setzen der Regisseur und Kameramann Volker Tittel im spannend montierten Wechsel aus Erinnerungen, einem Abschieds-Video und Action klangvoll in Szene.

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