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Als die Vor-Grünen mit dem “Meuchelpuffer” schossen

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Schon immer gab es in deutschen Landen Versuche, mit Sprache politische und religiöse Ideen zu unterstützen. Im 17. Jahrhundert sollte aus Anatomie “Entgliederkunst”, der Magnet zum “Liebesstein” und die Natur zur “Zeugemutter” werden. Andere Vorschläge setzten sich dagegen durch.

Genossen und Genossen, Freundinnen und Freunde des politisch Hyper-Un-Korrekten, herzlich willkommen im neusten wortungetümen Abenteuer aus der “Schmoll-Ecke”, dem Hort gender-un-gerechter Sprache eines Sachsen, der früher, als alles besser war, bevor es noch schlechter wurde, Cowboy und nicht Indianer spielte, da das besser zu seiner Pistole mit Zündplättchen passte. Hätte ich gewusst, dass ich mich damals schändlichst verhielt und die anderen, die die Indianer nachahmten, Indigene in 8000 Kilometer Entfernung beleidigten, hätte ich mich anderweitig vergnügt, vielleicht was Nettes mit Leim gebastelt, mich dann an einen Tisch geklebt und den Fall der Mauer gefordert. Aber es dauerte einige Jahre, bis ich mich vom ordinären Sachsen zum Sehr-Gutmenschen mauserte.

Heute möchte ich Ihnen – in gewisser Weise MUSS ich, da ich Geld brauche und mir Olaf Scholz nichts überweist, wie es Schwurbelnde immer wieder behaupten, weil ich die Ansichten von Frau Wagenknecht nicht goutiere (ein Leser: “Ab in den Donbas, du linker Judas”) – von der Fruchtbringenden Gesellschaft berichten. Nun werden Sie denken: Ach nö, nicht schon wieder eine “Schmoll-Ecke” über Berlin. Keine Sorge, in der Hauptstadt wird jetzt endlich alles gut, regiert demnächst eine riesengroße Fortschrittskoalition, die ich mir von den Grünen (“Rückschrittskoalition”) und den Jusos (“Rückwärtsgang”) nicht madig machen lasse. Auch rückwärtige Bewegung ist besser als Stillstand. Die schaffen das. Wie wir Deutschen immer alles schaffen.

Die Fruchtbringende Gesellschaft gehörte zu den deutschen Sprachpuristen, also den Vor-Grünen, die als heroisch betrachtete, politische Ziele mittels Sprache erreichen wollten, weil sie wie die Marketingabteilung von Audi glaubten: Vorsprung beginnt im Kopf. Wer richtig redet, tut Gutes. Nur war das Volk schon immer störrisch und wollte keine Wortungetüme sagen, die Hirn und Bauchgefühl entgegenstanden. Gegründet wurde die Fruchtbringende Gesellschaft als erste ihrer Art 1617, also ein paar Monate vor Ausbruch des Krieges, der 30 Jahre währen sollte und bei dem ein skandinavisches, evangelisch geprägtes Land mitmischte, was die Fruchtbringende Gesellschaft nervte: “Man thuet jetz reden als wie die Schweden.”

Gut oder böse?

Die Fruchtbringende Gesellschaft löste sich noch im 17. Jahrhundert auf, obwohl es damals noch keine a-sozialen Medien gab, in denen die einen erklären, dass sie sich betroffen fühlen, während die anderen über Sprach-Gaga schimpfen. Ich überlasse es Ihrem Urteil, ob sie die barocken Sprachpuristen zu den Guten (progressiv) oder den Bösen (reaktionär) zählen wollen. Sie waren erfolgreich – und doch auch wieder nicht. Auch das gilt für alle progressiven und reaktionären Sprachpuristen bis in die heutige Zeit. Die “Aktion Lebendiges Deutsch” scheiterte vor Jahren, den Begriff “Brainstorming” von den Zungen zu entfernen – und auch Versuche von Frau Wagenknechts neuen Kumpanen am sehr weit rechten Rand, “Weltnetz” statt Internet in deutschen Köpfen zu verankern, blieb erfolglos.

Nach der Theorie der Grünen und anderer – nach eigener Definition – progressiver Spracherzieher muss die Fruchtbringende Gesellschaft eher zu den Bösen gezählt werden, da von ihr keine eindeutigen Appelle überliefert sind, den Kolonialismus und Sklavenhandel zu beenden, die damals weit verbreitet waren. Deshalb rechne ich mit einer Debatte darüber, ob die Hamburger Zesenstraße umbenannt werden muss, die seit 1927 den Dichter Philipp von Zesen (1619-1689) ehrt. Der Protestant bemühte sich – grob gesagt – im Sinne Luthers um eine verständliche Sprache, weg vom Latein und Französischen, der Sprache des Adels. Das könnte man durchaus als progressiv deuten.

Allerdings wehrte er sich nicht dagegen, selbst vom Kaiser in den Adelsstand erhoben zu werden. Von ihm sind auch keine Verurteilungen des kolonialen Strebens der Europäer und des Sklavenhandels bekannt, andererseits auch keine Verwendung der Begriffe “schwarzer Ritter” oder “Pizza Hawaii”. Aber vermutlich sagte er “Mohr”. Entscheiden Sie also selbst, wie Sie den Mann historisch bewerten, ob die Zesenstraße einen neuen Namen erhalten muss. Wenn ja, dann aber nach einem Progressiven, möglichst weiblich und mit Migrationshintergrund. (Roal Dahl scheidet aus, da er nun auch zu den Bösen gehört, weil er einiger seiner Romanfiguren als “enorm fett” oder sie als “weiß im Gesicht” beschrieb.)

Meuchelpuffer, Liebesstein …

Philipp von Zesen wurde, wenn ich richtig informiert bin, erst Mitte des 17. Jahrhunderts als Der Wohlsetzende – gemeint ist sein gekonnter Umgang mit der Sprache – in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen. Er tat sich besonders mit Wortschöpfungen hervor, die seine Zeitgenossen verstörten, wie wenn heute Progressive in ARD und ZDF, die im Gegensatz zu von Zesen Kolonialismus und Sklavenhandel verurteilen, ein Luftloch lassen, wenn sie zum Beispiel Sklav-Luftloch-innen und Kolionalist-Luftloch-innen sagen, obwohl das die Mehrheit der Bevölkerung ablehnt. Progressive lassen sich nicht aufhalten, auch nicht von der Mehrheit.

Der Dichter und seine Mitstreiter (politisch korrekt “Mitstreitende”) – es ist nicht in allen Fällen überliefert, ob die Vorschläge wirklich aus der Feder von Zesens stammten – wollten aus der Anatomie die “Entgliederkunst”, der Pistole den “Meuchelpuffer”, dem Magneten den “Liebesstein”, der Natur die “Zeugemutter”, der Silbe das “Wortglied, der Minute den “Zeitblick”, dem Anker den “Schiffhalter” und dem Fenster den “Tageleuchter” machen. Beim Fenster etwa, ging es darum, den lateinischen Ursprung fenestra zu tilgen. Im Italienischen heißt Fenster finestra – kein Wunder also, dass das in Rom Leute regieren, die Progressive nicht zu den Progressiven zählen.

Das Ding allerdings ist, dass sich viele Wortschöpfungen von Zesens und anderer Sprachpuristen durchgesetzt haben und neben den Begriffen, die sie ersetzen sollten, heute zum deutschen Sprachalltag gehören. Die Bücherei (Neuschöpfung) geht uns genauso über die Lippen wie die Bibliothek (älteres Wort). Noch ein paar Beispiele: Mundart und Dialekt, Lustspiel und Komödie, Trauerspiel und Tragödie, Leidenschaft und Passion, Rechtschreibung und Orthografie, Abstand und Distanz.

Heißt: Aus dem sprachlichen Nebeneinander kann ein sprachliches Miteinander werden. Das macht Hoffnung. Für “politisch” gab es übrigens auch einen Vorschlag, der sich nicht etablierte, obwohl er wunderbar passt, allen voran zu den Grünen: weltselig.

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