US-Wahlnachlese bei „Illner“
„Es wird so eine Art Bauernopfer geben müssen“
Aktualisiert am 06.11.2026 – 03:16 UhrLesedauer: 4 Min.
Für Norbert Röttgen ist die Post-Trump-Ära angebrochen. Bei „Illner“ herrscht Konsens: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, allen voran JD Vance.
Ist Donald Trump eine lahme Ente oder gefährlich wie nie? Für Norbert Röttgen (CDU) ist nach der historischen Wahlschlappe der Republikaner die Post-Trump-Ära angebrochen. „Der Vizepräsident (JD Vance) hat am Tag nach der Wahlniederlage seinen Wahlkampf begonnen“, sagte der Außenpolitiker am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“. „Und er hat ihn damit begonnen, indem er sich von seinem Präsidenten distanziert hat.“ Das sei ein ganz, ganz wichtiges Signal für die Veränderungen in der Partei.
Die Gäste
- Norbert Röttgen (CDU), Außenpolitiker
- Jan van Aken (Die Linke), Außenpolitiker
- Ben Hodges, US-General a. D.
- Frank Sauer, Militärexperte
- Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent
- Souad Mekhennet, Journalistin
Die Absetzbewegungen seien im vollen Gange, meldete auch der aus den USA zugeschaltete ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen. Es kursierten Gerüchte, dass Außenminister Marco Rubio seinen Rücktritt vorbereitet. Rubio meldete sich aber umgehend zu Wort. Der „New York Times“ sagte er zu entsprechenden Medienberichten: „Ehrlich gesagt weiß ich nicht, woher diese Dinge kommen.“
„Jeder, der sich eine Chance erhalten will auf eine weitere politische Karriere, zum Beispiel eben auch als Präsidentschaftskandidat anzutreten, der muss sich ein Stück weit oder ganz distanzieren von Donald Trump“, sagte der Leiter des ZDF-Studios Washington. Interessant sei laut Theveßen auch, dass Rubios Heimatstaat Florida dem „blauen Tsunami“ getrotzt hat und weiterhin fest in republikanischer Hand ist.
„Ich glaube, wir haben Peak Trump hinter uns“, stimmte der Sicherheitsexperte Frank Sauer von der Bundeswehruniversität München in das Aufatmen bei „Maybrit Illner“ ein. Die geradezu „übermenschliche“ Macht Trumps in der republikanischen Partei sei dabei, zu erodieren. Vance habe sich von Anfang an gegen den Irankrieg ausgesprochen und bringe sich nun gegen Trump in Stellung.
Vance bringt sich auf X in Position
Die Experten bezogen sich bei „Illner“ auf einen viel beachteten Social-Media-Post von Vance. Darin hatte Trumps Vize betont, dass die Zwischenwahlen wegen des Irankriegs verloren wurden. Diese enttäuschten Ex-Wähler rief Vance auf, das nächste Mal jenen Republikanern ihre Stimme zu geben, die ihre Weltsicht teilten. Dies wird allgemein als Affront gegen den Kriegsführer Trump gewertet.
„Der Nimbus von Trump hat jetzt schon stark Schaden genommen“, sagte Sauer. Noch bis vor kurzem hätte er gewettet, dass Trump verfassungswidrig eine dritte Präsidentschaft anstreben wird. Das glaube er indessen nicht mehr. Der Sicherheitsexperte zeigte sich positiv überrascht, dass die Wahlen so geordnet abgelaufen waren und Trump entgegen vorheriger Bedenken angekündigt hat, das Ergebnis zu akzeptieren.
Sauer sagte, er habe nun große Hoffnung, dass die US-Demokratie die Kraft hat, sich zu erneuern. Ähnlich optimistisch war Röttgen bei „Illner“. „Ich habe nicht mit der Klarheit der Niederlage gerechnet“, sagte der Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion.
