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Comic-Klassiker „Fabulous Furry Freak Brothers“: Diese kiffenden Chaoten haben Seyfried und Brösel inspiriert – Comics – Kultur

Wenn man an US-Kultfiguren der späten 60er denkt, fallen einem Namen wie Janis Joplin, Dennis Hopper, Timothy Leary oder Hunter S. Thompson ein. Die „Fabulous Furry Freak Brothers“ hingegen, die zweifellos zu den größten (wenn auch fiktiven) Anti-Helden der Hippie-Kultur gehören, sind – zumindest in Deutschland – ein wenig in Vergessenheit geraten.

Eine weitere Szene aus der Freak-Brothers-Gesamtausgabe.Foto: Avant

Gilbert Shelton, der das kiffende Chaoten-Trio 1968 erdachte, war neben Robert Crumb der wichtigste Zeichner der amerikanischen Underground-Comics, die Ende der 60er abseits der großen Verlage, die unter der Zensur der staatlichen „Comics Code“ standen, das zelebrierten, was die aufmüpfige Jugend wirklich interessierte: Sex, Drugs & Rock’n’Roll.

Auch im deutschen Comic haben die Freak Brothers Spuren hinterlassen, am offenkundigsten bei Gerhard Seyfried, der mit Shelton befreundet war und an der Übersetzung der Comics mitwirkte, aber auch bei Brösels „Werner“ und Peter Pucks „Rudi“.

Nachdem 2020 eine animierte Serie der Freak Brothers erschienen ist, hat sich nun auch der Avant-Verlag aufgemacht, den Comic mit einer dreibändigen Gesamtausgabe dem Vergessen zu entreißen.

Der erste Band (320 S., 39 €) katapultiert die Leser:innen direkt in das Cannabis-umwaberte San Francisco des Jahres 1968: Die drei Freak Brothers – der trottelig-verfressene Fat Freddy, der intellektuelle Bastler Phineas und der coole Slacker Freewheelin’ Franklin – wohnen in einer WG, pfeifen sich Drogen ein, haben Fressflashs und Horrortrips, werden von Polizisten verprügelt, holen sich Geschlechtskrankheiten und drücken sich vor der Wehrpflicht. Gearbeitet wird selbstverständlich nicht eine Sekunde und alles Geld, das übrig ist, wird in Gras investiert.

Polizisten, Dealer, Politiker, Hippies, Spießer

Obwohl sich der Comic lustvoll gegen den Mainstream seiner Zeit positioniert und die durchgeknallten Freak Brothers Sympathieträger sind, liefert Shelton gleichzeitig eine liebevolle Satire auf die Gegenkultur der Westküste und macht sich unter anderem über das politische Desinteresse der Hippies lustig.

Das Titelbild des ersten Bandes der Freak-Brothers-Gesamtausgabe.Foto: Avant

Polizisten, Dealer, Politiker, Hippies, Spießer – alle Figuren sind Karikaturen, was auch für die Frauen gilt, die meist nur als naive und willige Groupies auftreten.

Während Robert Crumb weit über die Grenzen des Comics hinaus bekannt ist und seine Arbeit in Feuilletons diskutiert wird, hat Shelton diesen Sprung nie ganz geschafft, ist immer ein wenig dem Underground verhaftet geblieben, aus dem er stammt – was sicher auch damit zusammenhängt, dass Sheltons Comics viel stärker den 60er und 70er Jahren verhaftet waren und deshalb mancher Gag heute nicht mehr ganz nachvollziehbar ist.

Dennoch lohnt sich die Wiederentdeckung eines der wichtigsten – und witzigsten – Untergrund-Comics der Comic-Geschichte nicht nur aus historischer Sicht, denn eine Sache an den Freak Brothers ist zeitlos: Sheltons überdrehte Zeichnungen sind auch nach über 50 Jahren noch immer urkomisch.

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