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Ausstellung im Pergamonmuseum: Was das Berliner Kleingartenidyll mit persischer Buchmalerei zu tun hat – Kultur

Zwei Palmen, ein paar kleine Büsche, Sand – ein trauernder junger Mann beugt sich über ein Grab, eine seltene Buchmalerei aus Persien, die die Wüste als Thema hat. „Madschnun an Laylas Gra“” heißt das Blatt aus dem Manuskript des Timuridenprinzen Baisunqur aus Schiras, um 1420. Diese in der persischen Buchmalerei sehr seltene Wüstendarstellung steht in starkem Kontrast zu dem Blatt „Bahram Gur im grünen Pavillon“ vom Ende des 15. Jahrhunderts.

Man isst, tanzt, feiert im Garten, unterhält sich mit Freunden in angenehmer Gesellschaft – der Garten als Bühne der Elite. In einem Land, in dem Wasser ein kostbares Gut ist und Temperaturen um die 45 Grad keine Seltenheit sind, ist ein Garten mit seinen schattenspendenden Bäumen, schönen Blumen und kühlenden Wasserläufen ein geradezu paradiesischer Ort des Luxus und der Erholung.

Die Ausstellung „Sehnsuchtsort Garten. Persische Buchmalerei trifft Berliner Kleingartenidyll“ im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum untersucht dieses Thema – als Vorspiel zur großen Ausstellung „Iran. Kunst und Kultur aus fünf Jahrtausenden“ in der James-Simon-Galerie ab dem 4. Dezember (Bis 20. Februar 2022, Museum für Islamische Kunst Pergamonmuseum, . Zugang über James-Simon-Galerie).

Anfangs wird der Garten in der Buchmalerei nur durch ein paar Bäume und Büsche angedeutet, die Menschen stehen immer im Fokus des Bildes. Eine indische Malerei Ende des 16. Jahrhunderts zeigt den Typus des viergliedrigen Tschahar Bargh, einen Garten aus vier Quadraten, die von Wasserkanälen unterteilt sind.

Meist gehört zu dieser Form des Gartens ein Pavillon, in dem man sich trifft oder musiziert. Der Rahmen der eigentlichen Malerei ist ebenfalls mit Blumenmustern dekoriert und dabei in der Wirkung einem Teppich nicht unähnlich. Auf diesem Bild ist wie so oft auf den Miniaturen auch ein Gärtner zu sehen, meistens außerhalb der Gartenmauern.

Als hätte die feine Malerei nicht gereicht

Die flüchtige Schönheit des Gartens wurde oft in der Poesie besungen und dadurch konserviert wie etwa in Saadis Gesicht „Rosengarten“ aus dem 13. Jahrhundert. Die Steigerung der Verehrung der Gartenkunst zeigt sich in einer indischen Malerei einer Blüte aus dem 17./18. Jahrhundert, auf der die Blütenblätter filigran aufgestickt wurden, als hätte die feine Malerei nicht gereicht.

Ein anderes Blatt zeigt eine Nachtigall auf einem Rosenzweig, für Kurator Philipp Zobel ein Blatt mit religiöser Symbolik. Die Nachtigall singt morgens, wenn sich die Rosenblüte, auch ein Symbol für Gottes Schönheit, öffnet.

[Bis 20. Februar 2022, Museum für Islamische Kunst Pergamonmuseum, . Zugang über James-Simon-Galerie]

Am Beispiel des Bagh-i Fin in Kaschan im iranischen Hochland vermitteln Fotos einen Eindruck von einem Garten, wie er vor 400 Jahren unter Schah Abbas I. angelegt wurde und unter den Qadscharen im 19. Jahrhundert teilweise umgestaltet wurde. Heute gehört der Fin-Garten zum Unesco-Weltkulturerbe. Wasser spielt in dieser quadratischen Anlage eine große Rolle, das von einem Reservoir auf der Höhe stammt, das von unterirdischen Kanälen gespeist wurde, sodass die ganze Anlage heute noch ohne Pumpen läuft.

Iranische Buchmalereien sind nicht leicht zu entschlüsseln. Philipp Zobel hat sich entschlossen, bei den Malereien zur Nutzung der Gärten neben die Beschriftungsleiste Fotos aus Berliner Kleingärten und Parks zu stellen.

Die Kategorie „Spiel und Sport“ erschließt sich schnell, in Berlin vergnügen sich Menschen mit Hula-Hoop-Reifen, auf der Malerei sind es Reiter beim Polospiel. Natürlich kann das Berliner Gartenleben mit dem der iranischen Eliten nicht Schritt halten, aber die Fotos erleichtern die Entschlüsselung der Miniaturmalereien. Eine gelungene Schau, die Lust auf mehr im Dezember macht.

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