HomeKultur75 Jahre Deutsches Symphonie-Orchester: Chrefdirigent Robin Ticciati wagt wahre Kreativität - Kultur

75 Jahre Deutsches Symphonie-Orchester: Chrefdirigent Robin Ticciati wagt wahre Kreativität – Kultur

Robin Ticciati blickt zuversichtlich in die Zukunft „unserer gemeinsamen Arbeit als DSO, dessen Teil ich bin“. Was der Chefdirigent im Gespräch mit Habakuk Traber meint, ist künstlerische Harmonie und zugleich Mut zum Risiko: „Wahre Kreativität muss man wagen.“ Die Beliebtheit des britischen Musikers bei den Mitgliedern des Orchesters wie beim Publikum belohnt ihn für seinen „offenen Blick ins Unbekannte“.

Das Jubiläumskonzert zum 75-jährigen Bestehen des Deutschen Symphonie-Orchesters entspricht dieser Haltung: Kein typisches Festprogramm, sondern stilistische und geografische Vielfalt, in der das DSO zu Hause ist. Der schwebende, lineare Streicherklang, den Ticciati mit den Musikern und Musikerinnen entwickelt, füllt die Philharmonie als Raummusik in Vaughan Williams’ Fantasie über ein Thema von Tallis.

Gehämmerte Rhythmen, farbige Instrumentation

Empfindsam modelliert der Dirigent die Harmonien, um sogleich in einen aufmüpfigen Kontrast zu springen: „Sudden Time“ von George Benjamin. Das heißt gehämmerte Rhythmen, farbige Instrumentation  von  vier Flöten (alle auch Alt und Piccolo) bis zu reichem Schlagwerk.

Unter den Soli der Streicher übt das DSO festliche Chancengleichheit aus. So wechselt am ersten Bratschenpult Igor Budinstein mit Annemarie Moorcroft, und beide repräsentieren mit ihren individuellen Soli bei Vaughan Williams und Benjamin die Klangkultur der Streichergruppen. In das „Scherzo capriccioso“ Opus 66 von Dvorák werden Jazz-Improvisationen für Cello und Klavier eingelassen. Gespannt nehmen Stephan Braun und Rolf Zielke die Aufforderung zum Tanz an, um Dvoráks Komposition stimmig zu beantworten bis zu  einer bemerkenswert interessanten Kontrapunktik.

Leuchtend in allen Lagen

Schließlich führt das Programm nach Paris, zu dem „Poème“ für Solovioline von Ernest Chausson. Leuchtend in allen Lagen und dynamischen Nuancen spielt Lisa Batiashvili den Solopart, die Geigerin der instrumentalen Poesie.

Das Programmheft ruft Erinnerungen an die schwere und ruhmreiche Geschichte des Orchesters wach. Da ist zu lesen, dass sich die erste Aufführung des „Don Juan“ von Strauss durch das DSO, das damals Rias-Symphonie-Orchester hieß, 1950 im Titania-Palast unter Georg Solti ereignet hat. Die elegante Eroberergebärde triumphiert nun in dem Festkonzert, siegessicher tönt das Horn, fein die Klarinette, und die Oboenmelodie wird von Viola Wilmsen so zärtlich und klangvoll ausgesungen, dass sie als Solistin unter Gleichen stürmischsten Beifall erntet.                                                              

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