August 7, 2026 11:53 a.m. CEST

Hohe Unfallgefahr

Risiko E-Scooter? Jugendtrend hat gefährliche Folgen

Aktualisiert am 07.08.2026 – 08:46 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Zahl der E-Scooter-Unfälle ist stark gestiegen. Betroffen sind laut Fachleute vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. (Archivbild) (Quelle: Christian Charisius/dpa/dpa-bilder)

Viele Jugendliche düsen gerne auf dem E-Scooter durch die Stadt. Zurzeit ist kein Gefährt angesagter. Doch die Unfallgefahr ist hoch.

Vor vielen Schulen in Deutschland zeigt sich jeden Morgen dasselbe Bild: Aus allen Richtungen kommen Jugendliche auf E-Scootern angebraust, mal allein, mal verbotenerweise zu zweit. Manche fahren auf einem Leihfahrzeug, andere haben längst ihren eigenen Scooter. Bei vielen jungen Leuten ist er aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Doch so lässig eine Fahrt darauf wirken mag, die potenzielle Gefahr sollte man nicht unterschätzen. Nicht nur die Unfallzahlen steigen. Fachleute sehen auch andere gesundheitliche Risiken. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Trend:

Wieso sind E-Scooter bei jungen Leuten so beliebt?

1,4 Millionen E-Scooter gab es laut dem Statistischen Bundesamt 2023 in privaten Haushalten. Die Beliebtheit dürfte laut dem Mobilitätsexperten Sören Groth vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in Dortmund inzwischen weiter zugenommen haben. Dazu kommen nach seinen Angaben etwa 200.000 Leihscooter, die überwiegend in Großstädten unterwegs sind.

Dass die Gefährte gerade bei Jugendlichen angesagt sind, liegt ihm zufolge daran, dass sich E-Scooter in diesem Alter gut eignen, den persönlichen Aktionsradius zu erweitern und mobil zu werden. E-Scooter seien für junge Leute das ideale Verkehrsmittel, um zu lernen, sich selbstbestimmt in der Umgebung zu bewegen und die noch kleine Welt um sie herum zu erkunden.

„Den Jugendlichen ist ein cooles Design wichtig, sie schwitzen dabei nicht, fahren vielleicht – unerlaubterweise – auch mal mit dem besten Freund oder der besten Freundin eng umschlungen.“ Allerdings nutzten junge Leute heute eine breite Palette an Verkehrsmitteln. E-Scooter seien aktuell eine Art Hype-Objekt. „Morgen könnten auch wieder bestimmte Fahrräder bei Jugendlichen auf der Eins stehen“, meint Groth.

Wie groß ist das Unfallrisiko mit dem E-Scooter?

Schaut man auf die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten in Deutschland, machten 2025 die, an denen ein E-Scooter-Fahrer beteiligt war, laut dem Statistischen Bundesamt nur einen geringen Anteil aus. Allerdings registrierte die Polizei demnach im vergangenen Jahr fast 16.500 E-Scooter-Unfälle – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von rund 38 Prozent.

Nicht nur der starke Anstieg beunruhigt Fachleute wie Unfallforscherin Kirstin Zeidler vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sondern auch das Alter der Betroffenen. Am meisten verunglücken tatsächlich die 15- bis 17-Jährigen, sagt sie. Mehr als die Hälfte der Verunglückten sei jünger als 25 Jahre.

Jüngere fahren häufiger mit einem Leih-Scooter, wie eine GDV-Befragung ergeben hatte. Im Gegensatz zu Menschen, die einen eigenen E-Scooter besitzen, sind diese nach Einschätzung von Zeidler weniger geübt im Umgang, tragen seltener Helm und halten sich oft weniger an die geltenden Regeln.

Eine aktuelle, im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie aus Großbritannien bestätigt den Alterstrend und vergleicht zudem das Unfallrisiko mit anderen Gefährten: E-Scooter-Fahrer ziehen sich bei Unfällen demnach deutlich häufiger Kopfverletzungen und Schädigungen innerer Organe zu als Motorrad- oder Fahrradfahrer. Demnach ist das relative Risiko für ein Schädel-Hirn-Trauma bei E-Scooter-Unfällen 3,45-mal höher als bei Motorradfahrern und 1,74-mal höher als bei Radfahrern.

Auch das Risiko für Verletzungen innerer Organe (1,46-mal höher) und Gefäßtraumata (3,24-mal höher) übersteigt das von Motorradfahrern deutlich, während das Risiko für Knochenbrüche im Vergleich geringer ausfällt. Das berechneten die Forscher auf Basis von Daten des nationalen Traumaregisters (aus dem Zeitraum 2020 bis 2022) und Berichten eines Leihanbieters aus 18 Städten in England und Wales (aus dem Zeitraum 2020 bis 2024).

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