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Arbeitsmarkt in Coronazeiten: Im Dienst des Kunden – Wirtschaft

Dass Corona im Jahr 2020 unsere Welt auf den Kopf stellt, war nicht absehbar, als Christoph Gukelberger vor vier Jahren mit Nico Jäschen „BringLiesel“ gründete. Hinter dem Namen verbirgt sich eine digitale Einkaufsassistentin für Alten- und Pflegeheime, mit deren Hilfe die Bewohner Drogerieartikel und Kioskangebote wie Zeitschriften, Chips und Schokolade ordern können, die das Unternehmen dann ausliefert.

Von Anfang an wuchs die Firma, auch ohne Pandemie wäre 2020 ein sehr gutes Jahr geworden. BringLiesel hatte seine Vertriebsaktivitäten ausgebaut, etliche weitere Heime waren an dem Angebot interessiert. Als der Lockdown kam, war der Bringdienst gefragt wie nie, noch im März stellte Gukelberger sieben neue Mitarbeiter ein – und vergrößerte damit sein Team um rund 30 Prozent.

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Seit Corona grassiert, hat die Wirtschaft arge Probleme. Bis Ende des Jahres erwartet die EU-Kommission einen Einbruch in Deutschland um 5,6 Prozent. Vor allem die Autoindustrie, die Tourismusbranche, das Gastgewerbe sowie das Messe- und Veranstaltungswesen werden Ende des Jahres hohe Einbußen bilanzieren. Experten rechnen zudem mit einer Entlassungswelle, wenn das Kurzarbeitergeld ausläuft. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Es gibt auch Branchen und Firmen wie BringLiesel, die aufgrund der neuen gesellschaftlichen Lage – und der sich daraus ergebenden Nachfrage nach bestimmten Produkten und Dienstleistungen – wachsen und Personal einstellen.

Trotz Corona fehlen Fachkräfte

„Trotz Corona ist der Bedarf an Fachkräften in der Region hoch“, sagt Claudia Hennig, Mitarbeiterin im Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Berlin Süd. Neueinstellungen seien aber größtenteils auf einige wenige Branchen und Berufsgruppen beschränkt, erklärt Hennig.

Neben der Gesundheitsbranche, die Hunderte von Pflegekräften sucht, sind IT-Experten gefragt, die Dienstleistungen wie die Durchführung von Onlinekonferenzen anbieten, oder dafür sorgen, dass Internetverbindungen stabil bleiben, wenn viele Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Auch kleine und große Lieferdienste haben jetzt volle Auftragsbücher. Ebenso sucht der Handel, vor allem der Lebensmitteleinzelhandel, Personal.

„Felder mit Potenzial sind Erziehung, Gebäudereinigung sowie das Sicherheitsgewerbe“, sagt die Arbeitsmarktexpertin Hennig. Das gilt zumindest dann, wenn die Unternehmen nicht auf kulturelle oder sportliche Großveranstaltungen oder auf die Überwachung von Flughäfen spezialisiert sind. Stellen für Akademiker sind in diesen Branchen aber weniger zu vergeben.

Für den Customer Support werden Mitarbeiter gesucht

Auch Gukelberger will weitere Mitarbeiter einstellen. Aktuell nutzten mehr als 1000 Einrichtungen und ihre Bewohner den Service von BringLiesel, er gehe von weiteren 400 neuen Heimen im nächsten halben Jahr aus, sagt er. Drei bis vier Mitarbeiter, unter anderem für den „Customer Support“, möchte er daher am liebsten sofort ins Team holen, einige weitere in den nächsten Monaten. Dann unter anderem auch Backend- und Frontend-Entwickler.

Ein Anbieter im Sicherheitsbereich ist das Unternehmen Gse Protect, das bundesweit 1700 Mitarbeiter beschäftigt, 400 davon in der größten Niederlassung in Berlin. Udo Mai-Ritt, hier Niederlassungsleiter, würde „lieber heute als morgen“ 100 Mitarbeiter einstellen. „Wir suchen immer Personal“, sagt Mai-Ritt. Corona habe allerdings noch einmal alles getoppt und eine „riesige Einstellungswelle ausgelöst.“ Der Grund sei die Fokussierung des Unternehmens auf die Sicherheit von Gebäuden der Bundesministerien sowie von Hochschulen. Auch weil viele Gebäude jetzt leerstünden, gebe es mehr Bedarf. Die Deutsche Bahn wiederum habe vermehrt Sicherheitsleute beauftragt, um das Einhalten der Abstandsregeln und der Maskenpflicht zu überwachen.

Viele der Stellen bietenden Betriebe nehmen gerne Quereinsteiger auf. Mai-Ritt etwa stellt schon seit Jahren mindestens 70 Prozent Quereinsteiger ein – Tendenz steigend. Es ist also auch für Fachfremde möglich, einen neuen Job zu bekommen. Die Arbeitsagentur vermittelt. Und Umschulungsmaßnahmen sind laut Arbeitsmarktexpertin Hennig oft berufsbegleitend möglich.

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