September 5, 2026 4:46 a.m. CEST

Ab in den eiskalten See, im Shirt durch den verschneiten Wald: Manche wappnen sich auf die harte Tour gegen Infekte. Doch nicht jede Methode ist geeignet.

Kältereize wirken positiv auf den Körper

Bereits im 18. Jahrhundert verwendet der Arzt und Naturwissenschaftler Georg Kunitz (1728-1796) den Begriff der „Leibes-Abhärtung“. Darunter versteht er „die Gewöhnung des Körpers, den Eindrücken der Witterung und anderen Beschwerden widerstehen zu können“ und empfiehlt Maßnahmen wie kaltes Duschen und Güsse, Barfußlaufen und Saunieren.

Das Prinzip wechselnder Kälte- und Wärmereize wird ein Jahrhundert später vom Badearzt Sebastian Kneipp (1821-1897) wiederaufgenommen. Die Idee ist einfach: Durch die Kältereize werden die Blutgefäße trainiert, so dass die Temperaturregelung im Körper besser abläuft. Dadurch wird man unempfindlicher gegen Kälte, friert nicht mehr so schnell und fühlt sich fitter.

Dass man sich gegen Kälte abhärten kann, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Maßnahmen vor Infekten schützen. Denn es ist wissenschaftlich weder erwiesen, dass Kälte Infektionen begünstigt noch dass sie vor Krankheiten schützt.

Eisbaden: Nur für Trainierte und nie allein

Möglichkeiten, um abzuhärten, gibt es viele. Besonders Hartgesottene springen bei Minusgraden in Seen oder ins Meer. Geeignet ist der winterliche Badespaß allerdings nur für Menschen, die einen stabilen Kreislauf, ein gesundes Herz und keine Gefäßerkrankungen haben.

„Unerfahrene sollten sich jedoch unbedingt langsam an die kühlen Temperaturen herantasten“, sagt Professor Ingos Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Geeignet seien hierfür Wechsel-Duschen oder Kneipp-Anwendungen, um den Körper an den Kältereiz zu gewöhnen. Zudem empfiehlt es sich, nicht ins kalte Wasser zu springen, sondern allmählich hineinzugehen. Damit der Körper nicht unterkühlt, sollte das Bad nur wenige Minuten dauern. Und ganz wichtig: Schwimmen Sie niemals allein in eiskaltem Wasser, sondern immer in Begleitung!

Doch hilft der Kälteschock tatsächlich, um sich gegen Erkältungsinfekte zu wappnen? „In der Forschung gibt es bislang keine eindeutigen Beweise, dass regelmäßiges Eisbaden das Immunsystem stärkt“, sagt Froböse. Fest steht nur, dass sich beim Eintauchen ins eisige Wasser die Gefäße in der Haut verengen und die Blutbahnen im Körperinneren weiten, damit der Körper seine Kerntemperatur halten kann. das stärkt das Herz-Kreislauf-System. Außerdem werden Stresshormone freigesetzt. Sie sorgen für den besonderen Kick und ein Hochgefühl nach dem Bad.

Barfußlaufen durch Tau und Schnee

Barfußlaufen auf taunassem Gras oder frischem Schnee ist eine altbewährte Abhärte-Maßnahme nach Kneipp. Es stärkt die Abwehrkräfte und aktiviert den Kreislauf. Was die Maßnahmen wirkungsvoll macht, ist vor allem der durchblutungsfördernde Effekt, der auch die Schleimhäute betrifft. Er bewirkt, dass sich Erkältungsviren in der Nase oder im Rachen nicht so schnell andocken können. Zudem wirkt die verstärkte Durchblutung erfrischend bei körperlicher und geistiger Ermüdung.

Auch beim Barfußlaufen über Schnee und nasse Wiesen gibt es Regeln zu beachten: Damit es nicht zu einer Unterkühlung kommt, sollte das Tautreten nicht länger als fünf Minuten dauern. Als Richtwert für das Schneelaufen sollten sich Anfänger zunächst auf wenige Sekunden beschränken. Geübte dagegen können bis zu drei Minuten im Schnee umhergehen. Anschließend sollten die Füße getrocknet und schnell in Socken und Schuhe gepackt werden. Ein kribbelndes Wärmegefühl, das sich daraufhin meist schnell einstellt, zeigt, dass die Maßnahme gewirkt hat.

Achtung: Für alle Abhärte-Methoden ist die oberste Priorität: Kühlen Sie nicht aus! Sonst schwächen Sie Ihren Körper. Kältereize auf ohnehin schon kalte Füße verringern die Durchblutung der Schleimhäute und machen anfälliger für Infekte. Darum sollte bei allen gezielt gesetzten Kältereizen der Körper zu Beginn warm sein und nach der Behandlung sofort wieder in warme Kleidung gehüllt werden. Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten grundsätzlich immer mit ihrem Hausarzt sprechen, bevor sie sich extremen Kältereizen aussetzen.

Widerstandsfähigkeit trainieren: Joggen bei Minusgraden

Gelegentlich sieht man im Winter Jogger, die in kurzen Hosen oder im T-Shirt ihre Runden drehen. Sofern die Sportler bereits abgehärtet sind und in Bewegung bleiben, ist das bei milden winterlichen Temperaturen noch in Ordnung – nicht aber bei Eiseskälte. „Ein bisschen fröstelnd loszulaufen ist dabei durchaus sinnvoll, um in Anstrengung nicht allzu sehr ins Schwitzen zu geraten, schließlich erwärmt sich der Körper von selbst beim Laufen“, sagt Froböse. „Allerdings ist das Laufen in kurzen Hosen und T-Shirt bei Minusgraden keine gute Idee, da Kälte das Verletzungsrisiko für Sehnen, Bänder und Gelenke steigert.“

Weniger routinierte Läufer sollten sich grundsätzlich erst langsam an die Kälte gewöhnen, sich Aufwärmphasen gönnen und die Beine warmhalten. Auch sollte man beim Winterjoggen möglichst durch die Nase atmen und den Mund dabei zuhalten. Zudem raten Ärzte Menschen über 40 Jahren oder mit Vorerkrankungen am Herzen, sportliche Aktivitäten mit einem Arzt zu besprechen.

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