August 20, 2026 5:13 p.m. CEST

Beamter soll an 250 Frauen experimentiert haben

Frauen sollten vor ihm urinieren – Bewerbungsgespräche als Falle


20.08.2026 – 15:50 UhrLesedauer: 4 Min.

Das französische Kulturministerium in Paris: Hier soll ein Beamter Frauen ein Diuretikum verabreicht haben, damit sie vor ihm urinieren. (Quelle: imago)

Ein hochrangiger französischer Beamter soll Frauen im Vorstellungsgespräch Getränke mit harntreibenden Mitteln angeboten haben. Die Polizei fand auf seinem Computer eine Tabelle mit ihn belastenden Details.

Eigentlich trinkt Anaïs de Vos keinen Kaffee. Doch als ihr Christian Nègre im Juli 2011 während eines Bewerbungsgesprächs im französischen Kulturministerium eine Tasse anbot, nahm die damals 27-Jährige aus Höflichkeit an. Nègre habe den Kaffee selbst zubereitet, erinnert sich die Französin heute. „Er schmeckte schlecht“, erzählte sie im Gespräch mit der britischen BBC. Deshalb habe sie nur etwa die Hälfte getrunken.

Wenig später habe der stellvertretende Leiter der Personalabteilung des Kulturministeriums ihr vorgeschlagen, das Gespräch bei einem Spaziergang durch Paris fortzusetzen. Unterwegs habe de Vos bemerkt, dass etwas nicht stimmte. „Ich war wirklich schwach. Ich konnte meine Beine kaum noch spüren“, berichtete sie. Gleichzeitig habe sie plötzlich einen kaum kontrollierbaren Harndrang verspürt.

Zunächst habe sie versucht, Nègre zu einer Rückkehr ins Ministerium zu bewegen. Doch er sei weiter in Richtung Seine gegangen. Als sie eine Toilette brauchte, habe er ihr direkt in die Augen gesehen und gefragt: „Oh, musst du Pipi?“ Sein Blick sei seltsam, beinahe hämisch gewesen.

  • Frankreich vor historischem Prozess: Sexpuppen, geheime Tagebücher und 300 Opfer
  • „Erzieht eure Söhne“: Diese Massenvergewaltigung verändert Frankreich

Kontrolle über ihre Blase verloren – vor den Augen von Nègre

Dann habe Nègre sie zu einem Abstellraum unter einer Brücke geführt. „Du kannst es hier machen“, habe er gesagt. Doch die junge Frau hatte Angst, er würde sie in den Raum stoßen und die Tür hinter ihr schließen. Also habe sie darauf bestanden, weiterzugehen. Bevor sie eine Toilette finden konnte, habe sie jedoch die Kontrolle über ihre Blase verloren – vor den Augen von Christian Nègre.

De Vos bekam die Stelle im Kulturministerium nicht. Das Bewerbungsgespräch ließ sie aber auch später nicht los. Sie hatte das Gefühl, dass etwas nicht gestimmt hatte, konnte aber nicht benennen, was, erzählte sie der BBC. Der Vorfall habe ihr Selbstvertrauen beschädigt, sagte sie.

„An diesem Tag war etwas passiert“

Dann erhielt sie 2019 einen Brief von der Polizei. Bei einem Treffen erfuhr sie, dass Ermittler sie für eine von fast 200 Frauen hielten, die Nègre bei mutmaßlichen Bewerbungsgesprächen unter Drogen gesetzt haben soll.

„Ich war schockiert“, sagte de Vos. Zugleich sei sie erleichtert gewesen, endlich eine Erklärung für das zu bekommen, was sie acht Jahre zuvor erlebt hatte. „An diesem Tag war etwas passiert.“

„Experiments P“: Fast 250 Frauen wurden wohl Opfer von Nègre

Die Polizei teilte de Vos mit, dass auf Nègres Computer eine Tabelle mit mutmaßlichen Opfern gefunden worden sei. Sie habe den Titel „Experiments P“ getragen. Darin sei festgehalten worden, wann die Frauen zu ihren Bewerbungsgesprächen erschienen, wann ihnen ein Diuretikum verabreicht worden sei, also ein harntreibendes Medikament, wie lange es dauerte, bis sie urinierten – und welche Unterwäsche sie trugen.

Aktie.
Die mobile Version verlassen