Baumeister äußert Zweifel
Ein Geheimnis im Aachenr Dom ist bis heute ungelüftet
Aktualisiert am 26.07.2026 – 21:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit Jahrhunderten thront der schlichte Sitz von Karl dem Großen im Aachener Dom. Um seine Entstehung gibt es Ungereimtheiten.
Er ist eines der Wahrzeichen im Aachener Dom: Der Sitz Karl des Großen. Er besitzt weder Goldverzierungen noch weiche Polster. Kein Baldachin erhebt sich über ihm, keine Krone liegt auf der Sitzfläche.
Und doch gehört der Karlsthron zu den größten Schätzen des Aachener Doms. Insbesondere die Schlichtheit des wuchtigen Sitzes aus hellem Marmor macht ihn für viele Besucher so faszinierend. Doch hat hier wirklich Karl der Große Platz genommen? Forscher haben daren erhebliche Zweifel.
Thron-Rätsel: Experten sind sich nicht einig
Dombaumeister Jan Richarz ist skeptisch. „Nein, ich glaube nicht“, sagt er. Wahrscheinlich sei der Thron erst später an seine heutige Position gesetzt worden. Vollständig ausschließen könne man Karls Nutzung aber ebenfalls nicht.
Auch der Aachener Mittelalterhistoriker Harald Müller hält eine eindeutige Antwort für schwierig. Die früheste bekannte Quelle, in der der Sitz ausdrücklich als Karlsthron bezeichnet wird, stammt erst aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Karl der Große war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als 200 Jahren tot.
Sicher ist hingegen: Zahlreiche deutsche Könige nahmen nach ihrer Krönung auf dem Thron Platz. Mehr als 30 Herrscher wurden im Mittelalter in Aachen gekrönt. Von der erhöhten Empore aus waren sie für die Menschen im Kirchenraum gut sichtbar.
„Man muss sich das so vorstellen wie die Windsors auf dem Balkon des Buckingham-Palastes“, sagt Müller. Der Moment auf dem Thron sei das feierliche Abschlussbild der Krönungszeremonie gewesen.
Ungewöhnliches Detail im Thron wirft Fragen auf
Auch der Thron selbst gibt Forschern Rätsel auf. Er besteht nicht aus einem einzigen Werkstück, sondern wurde aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt. Neben den Marmorplatten gibt es einen hölzernen Sitz und einen Unterbau, der das Bauwerk zusätzlich erhöht. Wann diese Bestandteile zusammengefügt wurden, lässt sich nicht eindeutig klären. Denkbar ist, dass zumindest einige Marmorplatten ursprünglich aus römischen Gebäuden stammten.
Ein ungewöhnliches Detail könnte dafürsprechen: In eine Seite des Throns ist ein Spielfeld für Mühle eingeritzt. Das Brettspiel war bereits in der Antike bekannt. Ob die Einkerbungen schon auf der verwendeten Marmorplatte vorhanden waren oder erst später entstanden, ist allerdings ebenfalls offen.
