Gehirnalterung
Finanzielle Sorgen hinterlassen Spuren im Kopf
29.07.2026 – 11:48 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer über Jahre Geldsorgen oder ein geringes Einkommen hat, könnte geistig schneller altern. Darauf deutet eine Langzeitstudie aus Großbritannien hin.
Dass Bewegung, Ernährung und Bluthochdruck die Hirngesundheit beeinflussen, ist gut belegt. Doch offenbar spielt auch eine Rolle, wie sich die finanzielle Situation über Jahrzehnte hinweg gestaltet. Eine neue Studie legt nahe, dass anhaltende Geldsorgen und dauerhaft niedrige Einkommen mit einer schlechteren kognitiven Leistung und Veränderungen im Gehirn einhergehen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachmagazin „Innovation in Aging“.
Entscheidend war die Dauer der Belastung
Für die Untersuchung werteten die Forscher Daten von 2.759 Menschen aus. Alle Teilnehmer gehören der britischen Geburtskohorte von 1946 an. Sie ist eine der am längsten laufenden Bevölkerungsstudien weltweit. Diese begleitete die Probanden über Jahrzehnte und erfasste mehrfach Einkommen sowie finanzielle Belastungen – etwa Schwierigkeiten, Rechnungen zu bezahlen oder mit dem verfügbaren Geld auszukommen.
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Bei der Analyse zeigte sich, dass Menschen, die über viele Jahre finanzielle Probleme oder dauerhaft ein niedriges Einkommen hatten, bei Tests zur Gedächtnisleistung und Verarbeitungsgeschwindigkeit bereits mit 53 Jahren schlechter abschnitten als finanziell besser gestellte Teilnehmer. Entscheidend war dabei nicht eine vorübergehende schwierige Phase, sondern eine über Jahre anhaltende Belastung.
Veränderungen auch im Gehirn sichtbar
Bei einem Teil der Teilnehmer wurden im Alter von 69 bis 71 Jahren MRT-Aufnahmen des Gehirns angefertigt. Von Interesse war dabei insbesondere, ob sich ein Schwund an Hirngewebe (Hirnatrophie) oder vergrößerte Hirnventrikel, also flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Gehirn, zeigten. Beides gilt als Hinweis auf eine schlechtere Gehirngesundheit. Teilnehmer mit dauerhaft niedrigem Einkommen wiesen hier ungünstigere Werte auf.
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Die Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem die Forscher andere Faktoren wie Bildung, kognitive Leistungsfähigkeit in der Kindheit und soziale Benachteiligung berücksichtigt hatten.
Besonders ausgeprägt waren die Effekte bei Männern, Menschen aus sozial benachteiligten Familien sowie Teilnehmern mit einer genetischen Variante (ApoE4), die das Risiko für Alzheimer erhöht.
Stress als mögliche Ursache
Die Studie beweist nicht, dass Geldsorgen das Gehirn direkt beeinträchtigen, sie kann nur einen Zusammenhang aufzeigen. Auch warum Geldsorgen dem Gehirn schaden könnten, lässt sich mit dieser Beobachtungsstudie nicht erklären. Die Forscher vermuten jedoch, dass vor allem chronischer Stress dazu beiträgt.
