Oktober 15, 2026 9:49 a.m. CEST

Zinserhöhungen gelten an der Börse schnell als Warnsignal. Für Haus- und Wohnungskäufer sind sie unangenehm. Doch per Saldo müssen sie nicht schlimm sein.

Im September war es so weit: Die US-Notenbank erhöhte trotz aller Tiraden von US-Präsident Donald Trump die Zinsen – das zählt beinahe als Majestätsbeleidigung. Am Aktienmarkt störte es aber kaum. Der Nasdaq sprang wenige Tage später auf ein Rekordhoch. Stefan Riße von der Kapitalverwaltungsgesellschaft Acatis findet: „Es ist nicht der einzelne Zinsschritt, sondern die Frage, wie schnell die Zinsen steigen und wie stark die Unternehmen mit Gewinnwachstum dagegenhalten können.“ Genau hier unterscheidet sich die aktuelle Situation von klassischen Stressphasen.

Die Theorie aus dem Lehrbuch ist simpel, sagt Thomas Soltau vom Smartbroker: „Steigende Zinsen verteuern Kredite, drücken Investitionen und belasten die Bewertung von Aktien.“ In der Praxis ist der Zusammenhang deutlich komplexer. Während der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 lagen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen zeitweise bei knapp sechs Prozent und damit rund 100 Basispunkte über dem heutigen Niveau. Trotzdem stiegen die Aktienbewertungen zunächst weiter auf extreme Höhen.

Langsame Zinsschritte tun nicht weh

Der entscheidende Punkt ist daher nicht allein das Zinsniveau. Für die Börse kommt es vor allem auf das Tempo der Straffung und auf die Entwicklung von Konjunktur und Gewinnen an. „Werden die Zinsen nur schrittweise angehoben und können Unternehmen ihre höheren Finanzierungskosten durch steigende Umsätze und Gewinne auffangen, muss ein höheres Zinsniveau den Aktienmarkt nicht ausbremsen“, so Experte Soltau. Anders sieht es aus, wenn die Notenbank die Zinsen in kurzer Zeit stark anheben muss und gleichzeitig das Gewinnwachstum nachlässt.

Daniel Saurenz von Feingold Research begleitet Sie als Experte durch das Börsengeschehen. (Quelle: Goldlicht Fotografie)

Zur Person

Daniel Saurenz ist Gründer von Feingold Research und bietet mit seinem Team seinen seit 2010 etablierten Börsenbrief an. Sein Fokus liegt auf Vermögensaufbau und aktivem Trading an der Börse. Den Börsenbrief finden Sie auf www.feingoldresearch.de und auf www.instagram.com/saurenz_finance.
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Andreas Lipkow vom Zertifikateanbieter CMC Markets meint: „Die einfache Gleichung ‚erste Zinserhöhung gleich Ende der Aktienhausse‘ greift deshalb zu kurz.“ Ein Blick in den Rückspiegel zeigt, dass der breite US-Aktienindex S&P 500 nach dem Beginn eines Zinserhöhungszyklus im Durchschnitt keineswegs unmittelbar unter Druck geraten ist. Im ersten Jahr nach der ersten Anhebung stand im Mittel sogar ein Plus von gut vier Prozent, im zweiten Jahr waren es knapp sieben Prozent. Entscheidend ist dabei das Tempo des Zinserhöhungszyklus.

In langsamen Straffungsphasen, in denen die US-Notenbank die Zinsen schrittweise angepasst hat, legte der S&P 500 im ersten Jahr historisch durchschnittlich sogar um knapp elf Prozent zu. Deutlich schwieriger waren dagegen schnelle Zyklen, in denen die Fed die Zinsen innerhalb kurzer Zeit kräftig erhöhen musste. Hier fiel die durchschnittliche Entwicklung im ersten Jahr mit minus vier Prozent deutlich schwächer aus.

Für Immobilienkäufer sind höhere Zinsen schlecht

Die Lehre daraus ist einfach: Nicht steigende Zinsen an sich sind das Problem. Kritisch wird es, wenn die Finanzierungskosten sehr schnell steigen und gleichzeitig das Gewinnwachstum nachlässt. Genau deshalb lohnt der Blick auf die Kreditmärkte und die Unternehmensgewinne.

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