September 12, 2026 4:47 a.m. CEST

Im Innern des Gotteshauses sind die Gewölbe weitgehend intakt. Dort, wo sich vormals der Altarraum befand, verunziert ein buntes Kopfgemälde neueren Datums die Wand.

Irgendwer hat auf dem staubigen Boden ein Kreuz aus Steinen drapiert. Draußen zwischen den Hausruinen wachsen Zistrosen, Disteln, gelbe Strohblumen. Aldealcardo liegt etwa 160 Kilometer nordöstlich von Saragossa.

Über die Hygiene von damals sagt Angelines Martínez: „Wir wuschen uns aus Kübeln und verrichteten unsere Geschäfte in Töpfen, die wir zu den Tieren in die Stallungen kippten.“

Leichten Herzens verließ die heute 74-Jährige das Bergdorf San Vicente de Munilla, als sie 16 Jahre alt war. Das hatte seinen Grund. Die Schuhfabriken im Talort Munilla, wo sie selbst zu arbeiten begonnen hatte, wanderten in die Städte ab. Die Familien zogen hinterher.

Martínez verspürt Nostalgie, wenn sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Ihr 55-jähriger Sohn Jesús Ángel Pellejero ist der Vorsitzende einer Vereinigung, die sich um die Pflege des Dorfbildes kümmert und alljährlich Anfang Juni ein Fest für die einstigen Bewohner und deren Nachkommen organisiert.

In den 1980er-Jahren zogen Hausbesetzer ins Dorf – einige Häuser wurden im Laufe der Jahre saniert, doch der Großteil ist nach wie vor sich selbst überlassen.

Zu den jüngst nachgerückten Neubürgern zählt das spanisch-deutsche Paar Alberto Varela Lasuen und Jana Knorrenschild, er Bildhauer, sie Hebamme für Hausgeburten. „Wir führen ein alternatives Leben“, erzählt Knorrenschild, die aus Düsseldorf stammt. „Für mich ist hier der beste Platz auf der Welt“, sagt Lasuen. „Die Ruhe gibt Raum, um mich selbst zu finden.“

Unterhalb der Kirche und der Häuserskelette, die sich über das Hügelgrün ziehen, rauschen Rennradler und Autofahrer auf der Landstraße achtlos vorbei. Wer den Pistenabzweig nimmt, erreicht ein Picknickareal und den Zugangspfad nach Turruncún.

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