Zudem sollten Eltern im Blick haben, dass Kinder meist noch keine Vorerfahrung und somit noch keine Bewältigungsstrategien für Trauerfälle besitzen, fügt Junker hinzu. Deshalb orientieren sie sich an ihren Bezugspersonen. „Zeigen sich die Eltern nur stark und trauern nicht vor den Kindern, lernen diese fälschlicherweise, dass man seine Gefühle zurückhalten muss, wenn jemand gestorben ist.“
Kinder trauern anders als Erwachsene. „Bei ihnen kommt die Trauer in Wellen“, sagt Junker. “ Manche Wellen sind größer, andere kleiner.“ Der plötzliche Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß sei deshalb typisch. „Erst sind sie total traurig und weinen. Aber im nächsten Moment sehen sie vielleicht eine Seifenblase oder einen lustigen Hund und kichern und lachen“, sagt Mundt.
Wichtig ist laut Trauerbegleiter Junker, dass man versucht, den gewohnten Tagesablauf nicht zu unterbrechen, die Strukturen beizubehalten. Wenn sich Essens- und Schlafenszeiten ständig verschieben, verliere der Nachwuchs zusätzlich an Halt. Außerdem bräuchten die Kinder viele Möglichkeiten, sich zu bewegen. Man sollte mit ihnen raus auf den Spielplatz gehen, zum Bolzen oder zum Schwimmen. „Letztendlich ist es ein extremer Stresszustand und Stress lässt sich am besten durch Bewegung und Aktivität abbauen“, so der Experte.
Mundt fügt hinzu, dass Eltern die Trauer klar ansprechen sollten. „Sie können fragen: Was macht dich traurig? Was können wir tun, damit du nicht mehr so traurig bist?“ Meistens hätten Kinder dafür ganz fantastische Ideen: „Weil die Oma gerne Sonnenblumen mochte, kann man gemeinsam eine Sonnenblume aufs Grab legen. Oder man schaut zusammen Fotos an oder lässt einen Abschiedsbrief an einem Luftballon in den Himmel steigen.“
Daraus könnte zudem ein Ritual entstehen, das Eltern und Kinder regelmäßig zur Trauerbewältigung vollziehen könnten. Wichtig sei, dass Mutter und Vater immer ein offenes Ohr für die Fragen des Nachwuchses haben. Wenn sie selbst gerade zu stark in Trauer steckten, könnten sie dem Kind sagen „Ich kann es dir gerade nicht so gut erklären, weil ich noch ganz doll traurig bin“ und auf den Partner verweisen und diesen bitten, einzuspringen. Oder sie bitten einen nahen Verwandten oder auch Bekannten. Das könne sehr hilfreich und entlastend sein. So verhindern sie außerdem, dass der Nachwuchs das Gefühl hat, er dürfe solche Fragen nicht stellen. „Das sind wichtige Fragen“, so Diplom-Sozialpädagogin Mundt.
Diese Frage hören sowohl Mundt als auch Junker sehr häufig von Eltern, die Rat suchen. Mundt rät, sich das Kind und die Situation genau anzuschauen und individuell zu entscheiden. „Sobald das Kind alt genug ist zu verstehen, wofür dieses Ritual ist, sollte es mitgenommen werden“, findet Junker. Wenn das Kind schon in der Lage ist, selber zu entscheiden, ob es mitkommen möchte oder nicht, sollten Eltern es fragen. Besteht die Möglichkeit, den Leichnam noch einmal zu sehen, sollte das Kind ebenfalls mitgenommen werden, so der Experte. Denn: „Es gibt viele Erwachsene, die mit 40 oder 50 Jahren schwer krank werden aufgrund einer nicht bewältigten Trauer oder weil sie nicht Abschied nehmen konnten.“
