September 26, 2026 2:26 p.m. CEST

Russische Operationen in Deutschland häufen sich. Sicherheitsexperte Gustav Gressel erklärt, was Moskau damit erreichen will und warum die gefährlichsten womöglich gar nicht als solche zu erkennen sind.

Auch fern der Front in der Ukraine ist die Sorge vor russischen Operationen in Deutschland gewachsen. Immer wieder kommt es zu Sabotage, Spionage und versuchten Angriffen. Viele Vorfälle bleiben schwer einzuordnen, oft lässt sich nicht zweifelsfrei klären, wer dahintersteckt.

Für den Sicherheitsexperten Gustav Gressel ist gerade diese Unklarheit Teil des Problems. Er hält es für möglich, dass einzelne Drohnenflüge bereits der Vorbereitung eines Krieges dienen und Russland gezielt auf Methoden setzt, die sich nur schwer eindeutig zuordnen lassen. Im Interview mit t-online erklärt er, wo Deutschland besonders verwundbar ist, wie man sich wehren könnte und ab wann Deutschland nicht mehr darum herumkommt, schärfer zu reagieren.

  • Angst vor Mobilisierung: Russen verlassen Land – jetzt steigen andernorts die Mieten
  • Misslungene Anschläge: Das zeigt das russische Unvermögen

t-online: Herr Gressel, am Berliner Flughafen wurde am Mittwochabend eine Drohne gesichtet. Allein im ersten halben Jahr gab es 28 solcher Vorfälle am BER. Erneut wurde der Flugverkehr unterbrochen. Wieso ist man dort weiterhin so anfällig?

Gustav Gressel: Ein Flughafen kann eine Drohne nicht ignorieren. Wenn sie ins Triebwerk eines Flugzeugs gerät, kann daraus sehr schnell ein schwerer Unfall werden. Deshalb bleibt der Flugbetrieb am Boden.

Aber wieso kann Deutschland sich da nicht besser vorbereiten?

Es gibt Systeme elektronischer Kampfführung, eigene Abwehrdrohnen oder die Möglichkeit, die Drohnenpiloten zu orten, aber das wird in Deutschland nur unzureichend angewendet. Ich verstehe nicht, warum. Die Drohnengefahr ist ja nicht mehr neu.

Meist bleibt deshalb unklar, wer hinter den Drohnen steckt. Welche Muster erkennen Sie?

Es ist schwer, ein Muster zu finden, weil es oft sehr unterschiedliche Vorfälle sind. Ein gewisser Prozentsatz entfällt wahrscheinlich auf Nachahmungstäter – einfach Idioten, denen das Spaß macht. Sonst ist es entweder Störung oder Spionage, vor allem aus Russland. Die Russen setzen in der Ukraine immer mehr Drohnen und kleine Marschflugkörper ein, die mit einer Kamera und Künstlicher Intelligenz ins Ziel gelenkt werden. Ähnliches planen sie offenbar auch für Deutschland.

Wozu braucht es da Drohnen über deutscher Infrastruktur?

Diese Künstliche Intelligenz wird an Geländemodellen trainiert. Diese muss man mit Bildern speisen, etwa Satellitenbilder. Aber um einen ganz bestimmten Teil eines Gebäudes zu treffen, braucht man Bilder von vor Ort. Denn eine Drohne kann verschiedene Winkel aufnehmen, Perspektiven wechseln oder Details an der Fassade erfassen. Das 3D-Modell des Objekts wird so viel detailgenauer.

Aktie.
Die mobile Version verlassen