Juli 14, 2026 2:28 p.m. CEST

Die Krise hinterlässt sichtbare Spuren im Stadtbild. Für 2026 erwartet der HDE rund 4.900 Geschäftsaufgaben; erstmals dürfte die Zahl der Standorte unter 300.000 fallen. Zugleich gerät die Beschäftigung unter Druck: 29 Prozent der Unternehmen haben ihre Mitarbeiterzahl im ersten Halbjahr verringert, nach 21 Prozent im Vorjahr.

Von Preen zog einen drastischen Vergleich. „Die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen ist auf dem gleichen Niveau wie im zweiten Corona-Lockdown“, sagte er. „Die Situation ist noch dramatischer als sie es im eher bescheidenen Vorjahr bereits war.“ Als Ursache nannte er steigende Kosten „für Beschäftigung, Energie und Wareneinkauf – bei gleichzeitig stagnierenden Umsätzen“.

Gewinne sinken, Ausblick bleibt trübe

Die Folgen zeigen sich bei den Gewinnen: 69 Prozent der befragten Unternehmen verdienten weniger als im Vorjahr. Auch der Blick nach vorn fällt vorsichtig aus. 65 Prozent rechnen für 2026 mit Umsätzen leicht oder deutlich unter Vorjahresniveau, nur 18 Prozent gehen von einem Plus aus.

An seiner Prognose hält der Verband dennoch fest. Der Einzelhandel soll 2026 nominal um zwei Prozent auf 697,4 Milliarden Euro zulegen. Davon entfallen 601,1 Milliarden Euro auf den stationären Handel und 96,3 Milliarden Euro auf das Onlinegeschäft, das real um 3,5 Prozent wächst. Für die Läden vor Ort bleibt real dagegen kaum ein Zuwachs.

Als größtes Problem nennen 79 Prozent der Händler die Kaufzurückhaltung. Dahinter folgen Belastungen durch Bürokratie (55 Prozent), Preisentwicklung und Mindestlohn (je 48 Prozent) sowie Energiekosten (45 Prozent). Der Verband fordert die Koalition deshalb zu raschem Handeln auf. Die jüngsten Reformbeschlüsse seien ein erster Schritt, sagte von Preen, es bleibe aber „sehr viel mehr zu tun“.

Besonders warnt der HDE vor Einschnitten bei den Minijobs. Rund 800.000 solcher Stellen zählt die Branche. „Da sollte die Politik nicht mit den Lebensmodellen vieler Menschen spielen“, sagte von Preen. Zudem verlangt der Verband einen dauerhaften Deckel von 40 Prozent bei den Lohnnebenkosten, eine niedrigere Stromsteuer und weniger Bürokratie.

Neu auf der Liste steht die Sonntagsöffnung. Von Preen fordert, die Bindung an einen Anlass zu streichen und den Städten eine feste Zahl freier Verkaufssonntage im Jahr zu erlauben – im Rahmen des Grundgesetzes. In der Debatte wünsche er sich „mehr Sachlichkeit und weniger Emotionalität“. Auch beim Arbeitszeitgesetz dringt der Verband auf mehr Flexibilität: Statt einer täglichen solle eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten, wie in weiten Teilen Europas.

Trotz aktuell hoher Temperaturen blickt der Handel bereits auf das Weihnachtsgeschäft. Die Vorbereitungen für die umsatzstärkste Zeit des Jahres beginnen in der Branche traditionell schon im Januar, sagt Genth. Entsprechend sei die Warenbeschaffung längst abgeschlossen. Wegen des Krieges im Nahen Osten und der angespannten Lage in der Straße von Hormus müsse die Branche aber mit längeren Lieferwegen rechnen.

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