Nach missglückter Hinrichtung
Christa Pike ist wieder bei Bewusstsein
Aktualisiert am 06.10.2026 – 23:34 UhrLesedauer: 4 Min.
Eine Hinrichtung scheitert, die zum Tode verurteilte Mörderin landet auf der Intensivstation. Nun ist Christa Pike offenbar wieder ansprechbar. Viele Fragen sind weiterhin offen.
Tage nach ihrer gescheiterten Hinrichtung im Bundesstaat Tennessee ist die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike wieder bei Bewusstsein und könne sprechen. Das berichten US-Medien unter Berufung auf ihre Anwälte. Die 50-Jährige werde weiter intensivmedizinisch behandelt, ihre Prognose sei noch unklar.
Nachdem Pike am vergangenen Donnerstagabend nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen Pentobarbital per Giftspritzen verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Sie war bewusstlos und wurde in einem Krankenhaus im Raum Nashville künstlich beatmet. Das Krankenhauspersonal arbeitete daran, ihr Leben zu retten und das verabreichte Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, hatten ihre Anwälte zuletzt vermeldet.
Warum die Hinrichtung scheiterte, hat Tennessee bislang nicht erläutert. Die Strafvollzugsbehörde erklärte aber unmittelbar danach, alle vorgesehenen Schritte des Protokolls seien eingehalten worden.
Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten Pike und zwei weitere Jugendliche Slemmer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Schwere Verletzungen an beiden Armen
Pikes Anwälte schilderten nach dem Hinrichtungsversuch schwere Komplikationen. Demnach dauerte es etwa eine Stunde, die intravenösen Zugänge zu legen. Allein am linken Arm hätten sie mindestens sieben Einstiche gezählt. Während der Prozedur habe Pike über starke Schmerzen geklagt und ihr rechter Arm habe sich violett verfärbt. Nach der ersten Dosis habe sie noch gesprochen und gesungen. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus seien beide Arme geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät gewesen.
Die Verteidigung vermutet, dass zumindest ein Teil des Pentobarbitals wegen Problemen mit den Zugängen nicht in die Blutbahn, sondern in umliegendes Gewebe gelangte.
Der Staat hat diese Darstellung bislang nicht bestätigt. Die genaue Ursache soll nun eine unabhängige Untersuchung klären. Gouverneur Bill Lee hatte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung abgesagt.
Erste Konsequenzen gezogen
Nach wachsender Kritik an der Qualifikation und Ausbildung des an der Hinrichtung beteiligten Personals, kündigte Gefängnischef Frank Strada am Samstag an, sein Amt noch im Laufe des Monats niederzulegen. Er halte zwar daran fest, dass die Behörde ihre Aufgaben entsprechend dem geltenden Protokoll erfüllt habe. Ein Rückzug sei aber im besten Interesse der Bevölkerung, erklärte er. Als Behördenchef war er für die Zusammenstellung der Hinrichtungsteams mitverantwortlich und überwachte deren Training und Einsatz. Wer die Behörde vorübergehend leiten soll, ist noch offen.
Mit der Untersuchung des Falls wurde der ehemalige US-Bundesstaatsanwalt Ed Stanton beauftragt. Er kennt Tennessees Hinrichtungssystem bereits: 2022 leitete er ebenfalls eine Untersuchung, nachdem eine Hinrichtung wegen Problemen kurzfristig gestoppt worden war. Die Untersuchung stellte damals fest, dass die Strafvollzugsbehörde über Jahre Teile ihres eigenen Protokolls nicht eingehalten hatte. Außerdem hatte demnach die damals eingesetzte, mit Hinrichtungen betraute Person keine formale medizinische Ausbildung.
Gouverneur Lee ordnete daraufhin Veränderungen in der Führung sowie eine Überarbeitung des Hinrichtungsprotokolls und der Ausbildung an. Wenige Wochen später wurde Strada zum neuen Behördenchef ernannt.
