Juli 20, 2026 10:38 p.m. CEST

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Bundeskanzler Friedrich Merz hat signalisiert, dass er offen für eine Regierungsumbildung ist, um die Stelle des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn zu besetzen, der zum Rücktritt aufgefordert wurde und am Samstag schließlich zurücktrat.

Im ZDF-Sommerinterview betonte Merz, er spreche „hypothetisch“, sagte aber, er wolle bis Ende Juli eine Entscheidung über Spahns Nachfolge als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion treffen.

Kanzleramtsminister Thorsten Frei gilt weithin als Spitzenkandidat für die Nachfolge Spahns, obwohl Merz sich weigerte, zu bestätigen, ob Frei oder ein anderer Kandidat in Betracht gezogen wird.

Sollte Frei Fraktionsvorsitzender werden, müsste Merz auch einen neuen Kanzleramtschef ernennen, einen der engsten Mitarbeiter des Kanzlers, der für die Koordinierung der Regierungspolitik zuständig ist.

Der Druck, das Problem schnell zu lösen, wird auch durch eine Reihe wichtiger Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verstärkt. In allen drei Bundesländern stehen der CDU schwierige Wahlkämpfe bevor.

In Sachsen-Anhalt hofft die rechtsextreme AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf ihren ersten Ministerpräsidentenposten. Der Landesverband der Partei im Bundesland wurde vom deutschen Inlandsgeheimdienst als bestätigte rechtsextremistische Organisation eingestuft.

Spahn geriet besonders in die Kritik, nachdem er und sein Mann in den USA durch Leihmutterschaft Väter geworden waren, ein Prozess, der Hunderttausende Euro kosten kann. Das Thema hat auch die Debatte über die restriktiven Leihmutterschaftsgesetze in Deutschland neu entfacht.

Kritiker der politischen Linken und innerhalb der Grünen werfen Spahn Heuchelei vor, da er sich wiederholt gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen und umfassendere Reformen der Familienpolitik nicht unterstützt habe.

Merz sagte, er habe nicht damit gerechnet, dass die Gegenreaktion gegen Spahn „in diesem Ausmaß“ ausfallen werde. Gegenüber dem CDU-Politiker habe es „ziemlich große Empörung“ gegeben, sagte die Kanzlerin im ZDF und meinte, die Kritik betreffe „wahrscheinlich auch seine Person und die Art und Weise, wie sie kommuniziert wird“.

Auf die Frage, ob die Kontroverse der CDU/CSU im Vorfeld der wichtigen Regionalwahlen schaden könne, sagte Merz: „Mir ist im Laufe des gestrigen Tages völlig klar geworden, und deshalb haben wir gehandelt.“

Die Affäre kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Merz zunehmendem politischen Druck ausgesetzt ist. Nur zwei Monate vor einer Reihe wichtiger Regionalwahlen geben nur 13 Prozent der Deutschen an, dass sie mit seiner Leistung als Kanzler zufrieden sind, während rund fünf von sechs laut der aktuellen ARD-DeutschlandTrend-Umfrage unzufrieden sind.

Die Umfrage ergab auch, dass kein früherer deutscher Kanzler zu diesem Zeitpunkt seiner Amtszeit niedrigere Zustimmungswerte verzeichnete als Merz.

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