Oktober 13, 2026 7:38 a.m. CEST

Gescheiterte Hinrichtung

Neue Details – Behörden stuften Notruf als Fehlalarm ein


13.10.2026 – 06:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Christa Pike auf einem Polzeifoto (Archivbild): Immer mehr Details zu ihrer fehlgeschlagenen Hinrichtung werden bekannt. (Quelle: Handout .)

Am 30. September sollte Christa Pike in Tennessee hingerichtet werden. Was danach geschah, dokumentieren nun veröffentlichte Notruf-Mitschnitte.

US-Behörden haben die Aufzeichnung des Notrufs veröffentlicht, der während der missglückten Hinrichtung der Todeskandidatin Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee abgesetzt wurde. Mehrere US-Medien haben die Mitschnitte ausgewertet.

Die Dateien offenbaren einen chaotischen Kommunikationsablauf zwischen den Beamten des Hochsicherheitsgefängnisses, in dem die Hinrichtung stattfand, und den Rettungskräften. So wurden die Rettungskräfte erst eine halbe Stunde nach dem ersten Notruf in das Gefängnis gelassen. In den Mitschnitten ist zu hören, wie Gefängnisbeamte und Einsatzkräfte zunächst über die Echtheit des Anrufs diskutierten.

Notruf wird von Behörde zunächst als Fehlalarm eingeordnet

Der erste Notruf ging einem Bericht der Nachrichtenagentur AP um 20.40 Uhr am 30. September bei der Einsatzleitstelle ein. Ein nicht identifizierter Anrufer teilte mit: „Wir haben heute Abend eine Hinrichtung durchgeführt … wir rufen einen Krankenwagen.“ Die Todeskandidatin Christa Pike sei bewusstlos, ihre Atmung „sehr schwer“. Der Anrufer konnte jedoch keinen Code bereitstellen, der Rettungskräften den Zugang zum Gefängnisgelände ohne Polizeibegleitung ermöglicht hätte. „Wie können die … keinen Code haben?“ war daraufhin von einem Mitarbeiter der Feuerwehr zu hören.

Ein zweiter Anruf wurde von der Leitstelle an die Zentrale der Strafvollzugsbehörde von Tennessee getätigt, um die Notwendigkeit eines Krankenwagens zu überprüfen. „Unsere Vorgesetzten hier bei der DEC (Abteilung für Notfallkommunikation) haben uns mitgeteilt, dass es sich um einen Fehlalarm handelt“, hieß es laut dem AP-Bericht um 21.03 Uhr. „Im Riverbend-Gefängnis wird keine medizinische Hilfe benötigt.“

Vier Minuten später meldete sich eine weitere Einsatzkraft: „Jemand steht draußen am Gefängnistor und fordert uns auf hereinzufahren. Die Person behauptet, eine Art Staatsbeamter zu sein. Ich benötige jemanden, der zum Tor kommt und mit diesen Leuten spricht.“ Erst um 21.11 Uhr, rund 30 Minuten nach dem ersten Notruf, bestätigte die Gefängnisleitung seine Echtheit und ließ die Rettungskräfte auf das Gefängnisgelände.

Die Aufnahmen wurden vom Notfallkommunikationszentrum Metro Nashville auf Anfrage lokaler Medien freigegeben. Weitere Mitschnitte stellten die Strafvollzugsbehörde sowie das Anwaltsteam von Christa Pike zur Verfügung.

Pike hat mittlerweile das Krankenhaus verlassen

Pike hatte am Mittwoch vor zwei Wochen in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital überlebt. Die 50-Jährige wurde daraufhin in eine Klinik gebracht und künstlich beatmet.

Ihre Anwälte rechneten zunächst nicht damit, dass sie überleben werde. Kurz bevor sie wegen mutmaßlichen Hirntods von den lebenserhaltenden Geräten getrennt wurde, wachte sie jedoch am Dienstag wieder auf. Inzwischen ist Pike aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich wieder im Debra K. Johnson Rehabilitation Center, dem Frauengefängnis, in dem sie schon 30 Jahre lang untergebracht war.

Pike war 1996 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Pikes Anwälte führten an, dass sie die Tat im Alter von nur 18 Jahren begangen und als Opfer langjährigen sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen gelitten habe.

Warum die Hinrichtung schiefgelaufen ist, haben die Behörden in Tennessee bislang nicht erklärt. Seit der fehlgeschlagenen Hinrichtung wird in den USA wieder intensiv über die Todesstrafe diskutiert.

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