Bargeld ist günstiger?
Diese Rechnung geht für kleine Geschäfte nicht mehr auf
21.08.2026 – 10:58 UhrLesedauer: 5 Min.

Für kleine Händler entscheiden die richtigen Bezahloptionen zunehmend nicht nur über die Kosten, sondern auch darüber, ob Kunden wiederkommen.
Die Art und Weise, wie Menschen ihre Einkäufe bezahlen, verändert sich. Die jüngste Studie der Bundesbank zeigt: In Deutschland wurde im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte aller erfassten Einkäufe, nämlich 55 Prozent, mit bargeldlosen Zahlungsmitteln bezahlt.
Gleichzeitig sank der Anteil der Barzahlungen gegenüber 2023 um sechs Prozentpunkte auf 45 Prozent. Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen setzt sich also fort. Doch Bezahlen ist nicht kostenlos – und das gilt für alle Verfahren.
Gerade kleine Händler stellt der Wandel vor erhebliche wirtschaftliche und psychologische Hürden. Gleichzeitig wird es für sie zunehmend wichtiger, verschiedene Bezahlmöglichkeiten anzubieten, wenn sie keine Kunden verlieren wollen.
Große Kette, kleiner Laden: Die Kosten treffen Händler unterschiedlich
Grundsätzlich betrifft der Wandel des Bezahlverhaltens alle Händler mit einem Point of Sale (POS), also einem Verkaufspunkt mit Kasse. Wie stark sie die Veränderungen wirtschaftlich treffen, unterscheidet sich jedoch erheblich. Denn den deutschen Einzelhandel gibt es nicht: Der Markt umfasst zahlreiche Branchen, sehr unterschiedliche Unternehmensgrößen, verschiedene Vertriebskanäle und Zahlungssysteme.
Auf der einen Seite stehen große Händler wie Supermärkte, Discounter sowie Bekleidungs-, Möbel- oder Baumarktketten. Sie verfügen häufig über große Filialnetze, hohe Marktanteile und standardisierte Prozesse. Ihre Größe ermöglicht Skaleneffekte, durch die sie ihre Kosten auf eine größere Anzahl von Produkten verteilen können.
Auf der anderen Seite stehen kleine Betriebe. Sie sind häufig inhabergeführt, stärker spezialisiert und enger an ihre Kunden gebunden. Gerade bei diesen kleinen und Kleinstunternehmen stellt sich deshalb die Frage, wie stark zusätzliche digitale Bezahlmöglichkeiten die begrenzten Einnahmen belasten.
Denn auch kleine Läden aus sogenannten einzelhandelsnahen Branchen – etwa Bäckereien und Fleischereien, Kioske, Cafés oder Wochenmarktstände – müssen technisch aufrüsten, wenn sie ihren Kunden verschiedene digitale Bezahlmöglichkeiten anbieten wollen.
Bargeld kostet nur 43 Cent – und ist trotzdem nicht am günstigsten
Zu den zentralen Kostenfaktoren für Händler zählen unabhängig von ihrer Größe Geräte, Gebühren, Verluste beziehungsweise Versicherungen und der Zeitaufwand. Bei Bargeld macht vor allem der Zeitaufwand einen großen Teil der Kosten aus. Bei Kartenzahlungen spielen dagegen die Transaktionsgebühren eine besonders wichtige Rolle.
Eine Bargeldzahlung kostet einen Händler laut Bundesbank-Studie durchschnittlich 43 Cent. Davon entfallen allein 26 Cent auf den Zeitaufwand. Hinzu kommen Kosten für Geräte, Bargeldversorgung sowie kleinere Verluste und Versicherungen. Damit ist die Zeit der wichtigste Kostenblock: Händler müssen kassieren, Bargeld zählen und verwalten, es zur Bank bringen und weitere damit verbundene Arbeiten erledigen.
