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Mercedes-AMG EQE 53 – einer zum Elektrisieren

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Wenn elektrisieren, dann aber richtig, sagten sich die AMG-Ingenieure und erschufen den EQE 53 4Matic+. Mit 687 PS und einem maximalen Drehmoment von 1000 Newtonmetern ist er einer der stärksten Stromer mit dem Stern am Grill, die momentan zu haben sind. Aber wie fühlt sich das im realen Verkehr dann an?

Dass auch bei AMG die Schalter in Richtung Stromschnelle umgelegt werden, ist seit den EQS-Modellen mit dem Affalterbacher Label kein Geheimnis mehr. Jetzt hat die Sportschmiede von Mercedes auch bei dem Elektriker eine Klasse darunter Hand angelegt und präsentiert den Mercedes-AMG EQE 43 4Matic und den EQE 53 4Matic+. Und um zu zeigen, welch Geistes Kind eine solch rein elektrisch fahrende Sportlimousine ist, haben die Fahrzeugveredler zum ersten Kennenlernen natürlich die Plus-Variante zu einer Ausfahrt bereitgestellt.

Der Schwerpunkt liegt beim Mercedes-AMG EQE 53 4Matic+ natürlich auf der Sportlichkeit.

(Foto: André Tillmann )

Warum? Nun, weil der EQE 53 nach eigenen Aussagen „den Schwerpunkt auf noch mehr Sportlichkeit und eine höhere Fahrdynamik setzt“. Die Grundlage dafür bilden zwei E-Motoren an Vorder- und Hinterachse, die im Zusammenspiel für einen vollvariablen Allradantrieb sorgen. Das ist nicht ganz unwichtig, denn in Summe stehen hier mit AMG Dynamic Plus Paket 687 PS und ein maximales Drehmoment von 1000 Newtonmeter zur Verfügung. Selbst ohne die optionale Beigabe sind es noch 626 PS und 950 Newtonmeter, die wegen verzichtbarer Schaltstufen ohne jede Zugkraftunterbrechung an die Antriebsräder weitergeleitet werden.

3,3 Sekunden für den 100er-Sprint

Wer hier also im Race Start und mit Boost-Funktion das E-Pedal so richtig gegen das Bodenblech stemmt, der sollte alle Muskeln anspannen und eventuell Mitreisende warnen. Der Antritt ist gigantisch, was zur Folge hat, dass der Kopf dem Gesetz der Trägheit folgt und mit einem merklichen Einschlag die Kopfstütze des neuen Integralsitzes testet. Doch noch bevor der Einschlag so richtig registriert wurde, ist das Fünf-Meter-Schiff mit seinen 2,5 Tonnen in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 gesprintet. Wer immer noch benommen oder auch bewusst den Fuß auf dem Pin lässt, der wird es im weiteren Sekundentakt bis auf 240 km/h schaffen, dann regelt die Elektronik ab.

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Wer den Raketenstart im Mercedes-AMG EQE 35 4Matic+ probieren will, der braucht einen ausreichend gefüllten Akku.

(Foto: K. Tschovikov)

Nun gelingt dieser Raketenstart aber nicht in jedem Fall. Die Grundvoraussetzung ist nämlich, dass der Energiegehalt des 90,6 kWh leistenden Akkus bei mindestens 70 Prozent liegt. Ist das nicht der Fall, dann wird das intelligente Batteriemanagement derartige Geschwindigkeitsexzesse zugunsten der Reichweite unterbinden. Apropos Reichweite: Die gibt Mercedes für den EQE 53 nach WLTP mit 459 bis 526 Kilometer an. Ein nahezu glaubhafter Wert, denn auf der Probefahrt errechnete der Bordcomputer bei einem Akkustand von 57 Prozent noch eine maximale Reichweite von 220 Kilometern. Wobei der Durchschnittsverbrauch bei 24,4 kWh lag. Laut Datenblatt sollen es über 100 Kilometer zwischen 22,6 und 20.2 kWh sein.

Hilfreiche Reichweitenverlängerung

Hilfreich bei der Reichweitenverlängerung ist in einer Bergregion wie dem Elsas oder auch in der Stadt die Rekuperationsleistung von maximal 260 kW. Da fließt beim Rollen und Bremsen ordentlich Energie in den Akkumulator zurück. Der Fahrer selbst hat die Möglichkeit, die Stärke in drei Stufen über die Schaltwippen am Lenkrad einzustellen. Wobei die Erfahrung gelehrt hat, dass die von den Ingenieuren hinterlegte intelligente Rekuperation die angenehmste Art des Fahrens ist. Bei der starken wird unangenehm hart eingebremst und in der leichten Stufe hat man das Gefühl, das Auto rollt nur vor sich hin.

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Die Sportsitze im AMG EQE 53 verdienen ihren Namen wirklich.

(Foto: André Tillmann )

Doch wie auch immer die Energie rückgeführt wird, irgendwann ist der Akku leer und es heißt, eine Ladesäule zu finden. Dabei unterstützt auf Wunsch das im Multimediasystem MBUX integrierte Navi und wer einen DC-Schnellader nutzt, kann mit 170 kW Strom in die Batterie bringen. In Zeit bemessen bedeutet das, dass innerhalb von 15 Minuten genug Energie für weitere 180 Kilometer zur Verfügung steht. Über den Onboard-Lader lässt sich der Akku natürlich auch mit 11 kW oder 22 kW Wechselstrom befüllen, was aber dementsprechend länger dauert.

Des Kurvenräubers Glück ist das Pech des Reisenden

Nachdem der Akku voll ist, soll noch mal ein Blick auf die performante Seite des AMG EQE 53 geworfen werden. Die besteht nämlich nicht nur aus dem Antrieb, sondern auch einem Fahrwerk mit Luftfederung und adaptiver Verstelldämpfung, dessen Basis eine Vierlenker-Achse vorn und eine Raumlenkerachse hinten bildet. Das Ganze ist natürlich auf sportliches Fahren abgestimmt und die Insassen, die an keiner Stelle über Platzmangel klagen müssen, sollten sich auf eine härtere Gangart bei Straßenunebenheiten einstellen.

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Platzprobleme gibt es für Fond-Reisende im AMG EQE 53 nicht, dafür müssen sie eine sportliche Härte verkraften.

(Foto: André Tillmann )

Doch was dem Reisekomfort zuwider sein könnte, ist das Glück des Kurvenräubers. Wie der ums Eck geht, bestimmt er selbstredend über die entsprechenden Fahrprogramme Glätte, Comfort, Sport oder Sport Plus. Hier werden entsprechend die Parameter der Leistungs- und Antriebscharakteristik, des Fahrwerks und die Lenkmomentkennlinie verändert. Hinzu kommt auch, dass die serienmäßige Hinterachslenkung für ein sicheres Kurvenverhalten sorgt.

Der Preis könnte sprachlos machen

Aber Achtung, bei aller technischer Finesse und performanten AMG-Beigaben kann der EQE 53 4Matic + sein Gewicht irgendwann nicht mehr verbergen. Das ist der Moment, in dem die Physik gnadenlos zuschlägt. Das ist dann auch der Moment, in dem sich der Fahrer freut, dass er den Hinweis beherzigt hat, das ESP nur auf abgesperrten Strecken komplett zu deaktivieren. Und auch die Hochleistungs-Bremsanlage wird in solchen Momenten zum besten Freund des Fahrers. Ob er das auch über das als AMG Sound Experience bezeichnete Klangerlebnis sagen kann, muss er selbst herausfinden.

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430 bis 770 Liter Stauvolumen bietet der Kofferraum des Mercedes-AMG EQE 53. Das Volumen unterscheidet sich also nicht von dem der Klassenbrüder ohne Logo aus Affalterbach.

(Foto: André Tillmann )

In Affalterbach geht man davon aus, dass der je nach Fahrprogramm und -weise rein elektronisch generierte Sound nicht nur emotionalisiert, sondern das ersetzt, was es ohne die Rückmeldungen von Drehzahlen, Schaltstufen, Turbolöchern, Motorsound und das Spratzen aus der Abgasanlage nicht mehr gibt. Das mag zu Teilen sogar richtig sein, aber so beredt wie ein Verbrenner wird der Elektroantrieb, egal wie sportlich er ist, wohl nie sein. Dazu ist er dann doch irgendwie zu sprachlos.

Sprachlos könnte auch der werden, der des Preises für einen Mercedes-AMG EQE 53 4Matic + ansichtig wird. Der beginnt nämlich bei 109.777 Euro. Jetzt kann man noch mal kurz überlegen, ob dann der EQE 43 4Matic ab 103.827 Euro eine Option wäre. Aber irgendwie beschleicht ein das Gefühl, dass die 6000 Euro den Kohl bei den Preisen dann auch nicht mehr fett machen.

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