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Kia Sportage – mit Dieselantrieb besser?

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In Deutschland werden immer weniger Diesel verkauft. Dennoch haben auch Hersteller wie Kia sie im Programm. So auch in der fünften Auflage des Sportage. Der wurde samt Motor so weiterentwickelt, dass er sich nicht nur technisch, sondern auch preislich an den Premiumherstellern orientiert. Ob das gerechtfertigt ist, soll der ntv.de-Praxistest herausfinden.

Dass Kia den Sportage in der fünften Modellgeneration erstmals in einer speziell für den europäischen Markt konzipierten Version anbietet, zeigt sich an zwei Dingen: Erstens, dass er ein Preisniveau erreicht hat, das haarscharf unter dem der Premiumanbieter rangiert und zweitens, weil Kia den Sorento als 1.6 CRDi, also als Diesel anbietet. Allerdings passiert das gefühlt ein wenig unter der Hand, denn so richtig gelitten und zeitgemäß ist der Selbstzünder ja nicht mehr.

Die 48-Volt-Architektur macht den 1,6-Liter-Diesel im Kia Sportage noch etwas sparsamer.

(Foto: Holger Preiss)

Ist er nicht? Nun, Kia hat den 1,6-Liter-Diesel – wie zum Beispiel auch die Premium-Konkurrenz aus Stuttgart und München es tut – an ein 48-Volt-Bordnetz samt Lithium-Ionen-Akku gekoppelt. Dazu gehört ein 12-kW-Startergenerator und ein Gleichspannungswandler für den Energieaustausch zwischen den beiden Bordnetzen. Wie bei Mercedes und BMW ist der Startergenerator per Riementrieb mit der Kurbelwelle verbunden und kann als Elektromotor den Antrieb unterstützen oder als Generator die Batterie laden. Bei einem hohen Leistungsabruf stellt er zusätzliches Drehmoment zur Verfügung, während er beim leichten Beschleunigen dem Verbrenner Arbeit abnimmt und dadurch dessen Motorlast und Kraftstoffverbrauch reduziert.

Durchaus genügsam

Kia verkündet übrigens, dass der 1,6 CRDi mit Frontantrieb und Handschalter im hauseigenen Test der sparsamste Sportage überhaupt ist. Lediglich 4,2 Liter soll der Treibsatz über 100 Kilometer benötigt haben. Das lässt sich im ntv.de-Test mit der Variante als Allrad und mit dem butterweich arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe nicht ganz bestätigen. Aber auch hier ist der Diesel recht genügsam. Unterstützt wird das durch die Segelfunktion, die im Fahrmodus Eco immer dann den Motor abschaltet, wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Dennoch ließ sich der ntv.de-Test über gut 1000 Kilometer nur mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern abschließen.

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Beledertes Gestühl, das auch für die Langstrecke taugt, macht den Kia Sportage noch etwas edler.

(Foto: Holger Preiss)

Das ist ein anständiger Wert, der ganz nah an dem von Kia für den Testwagen ermittelten WLTP-Wert mit 5,8 Litern liegt. Was aber auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Vierzylinder-Turbodiesel mit seinen 136 PS selbst im Sport-Modus alles andere als eine Rennmaschine ist und den Fahrer kaum veranlasst, übermäßig dynamisch mit dem Sportage zugange zu sein. Das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern schiebt zwar bei Bedarf über alle vier Räder gut an, lässt den 1,7 Tonnen schweren Koreaner dann aber auch nicht schneller als in 11,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h spurten. Und das mit 180 angegebene maximale Tempo kann man mal fahren, aber es wird – und das ist versprochen – keinen Dauerlauf in dieser Geschwindigkeit geben.

Ohne Wanken, ohne Nicken

Also ist man mit dem Diesel eher verhalten unterwegs und freut sich über die in der GT-Line serienmäßig verbaute elektronische Dämpferkontrolle, die auf Lenkbewegungen ebenso reagiert wie auf die der Karosserie. Dadurch werden Tauch-, Nick- und Wankbewegungen unterbunden, ohne die der Sportage dann auch mal richtig dynamisch ums Eck fegen kann. Wenn es dann wieder gemütlich geradeaus geht, kann der Sportage-Fahrer sich am Innenraum erfreuen. Tatsächlich haben sich die Koreaner hier um feine Materialien bemüht und auch an der Verarbeitung war im Testwagen nichts zu beanstanden. Lediglich die in schwarzen Klavierlack eingefassten Lüftungsdüsen am Dashboard und an der Mittelkonsole erwiesen sich, wie so oft, als Staubfänger und Fingerabdrucksammler.

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Volldigitalisiert zeigt sich das Cockpit des Kia Sportage.

(Foto: Holger Preiss)

Ein Highlight im Sportage ist das volldigitale Cockpit, das sich bis weit über die Mitte des Armaturenbretts erstreckt. Vor dem Fahrer vermeldet ein 31,2 Zentimeter großes Display die Fahrdaten, rechts davon wird über einen ebenso großer Touchscreen das Multimediasystem oder die Navigation bedient. Die lässt sich natürlich auch über Android Auto oder Apple CarPlay ersetzen. Das funktioniert allerdings nur über einen herkömmlichen USB-Anschluss. Der Mini-USB ist lediglich zum Laden der persönlichen Hardware gedacht. Eine kabellose Kommunikation via Bluetooth, wie man sie von Fahrzeugen aus dem VW-Konzern kennt, gibt es leider nicht. Dafür gibt es unterhalb des Touchscreens eine sogenannte Multi-Media-Bedieneinheit mit zwei Drehreglern und einer Reihe von doppelt belegten Sensortasten, die einen direkten Zugriff auf die wichtigsten Infotainment und Klimatisierungsfunktionen ermöglichen, ohne dass man hier tief ins Menüs eintauchen muss.

Weniger Stauraum im Diesel

Was es im 4,52 Meter langen Sportage auch gibt, ist ausreichend Platz für alle Insassen. Bedauerlicherweise lässt sich das über die Staumöglichkeiten für den täglichen Kleinkram wie zum Beispiel Brille oder Trinkflasche nicht sagen. Für erstgenanntes Utensil gibt es gar keine vernünftige Ablagefläche und die Durstlöscher sind selbst in kleineren Formaten kaum in die sehr schmal geratenen Türinnentaschen zu bringen. Erstaunlich ist auch, dass der Kofferraum des Diesel im Vergleich zu Benziner und Plug-in-Hybrid mit 526 Litern Stauraum der kleinste ist. Bestücken lässt der sich über eine elektrisch öffnende Heckklappe. Die schwebt schon nach oben, wenn der Schlüsselträger sich hinter ihr platziert. Wer per Fernentriegelung die Rückbanklehnen umwirft, hat im Diesel 1715 Liter zur Verfügung.

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Der Kofferraum des Kia Sportage mit Diesel ist mit 526 Litern im Vergleich zu den anderen Antriebsarten am kleinsten.

(Foto: Holger Preiss)

Das ist dann fast so üppig wie das Angebot an Assistenzsystemen für den Sportage. Dazu zählt natürlich auch der bei jedem Start erwachende Spurhalteassistent, der sich aber über einen längeren Druck auf die dafür vorgesehene Lenkradtaste im Stadtverkehr oder auf der Landstraße schnellstens deaktivieren lässt. Nicht so einfach zu deaktivieren ist der etwas übernervöse Abstandstempomat, der häufiger brenzlige Situationen erkennt, als diese tatsächlich da sind. Dafür macht der Stauassistent einen wirklich guten Job und auch das Head-up-Display erfreut durch eine hohe Auflösung und eine augenfreundliche Größe.

So teuer wie ein BMW

Am Ende hat das aber alles seinen Preis, einen Premiumpreis, möchte man fast sagen. Denn mit der Ausstattung GT-Line kostet der 1.6 CRDi 48V AWD DCT bereits 47.090 Euro. Wer jetzt noch das Soundsystem wählt, das es nur mit einer umfänglichen Armada an Assistenzsystemen gibt, kommt auf einen Endpreis von 49.690 Euro. Nur zum Vergleich: Ein BMW X1 mit 150 PS Dieselaggregat in der Ausstattungslinie Sport Line kostet 44.400 Euro und bringt es voll ausgestattet auf 50.980 Euro. So gesehen kauft man bei Kia inzwischen im Premiumsegment ein.

DATENBLATT Kia Sportage 1.6 T-CRDi AWD 48V DCT
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe) 4,52 / 1,87 / 1,65 m
Radstand 2,68 m
Leergewicht (DIN) 1700 kg
Sitzplätze 5
Ladevolumen 526 / 1715 Liter
Motor 1,6-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung
Getriebe 7-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor 136 PS (100 kW)
Kraftstoffart Diesel
Antrieb Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Tankvolumen 54 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung) 320 Nm / 2000-2500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 11,6 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert) 5,8 Liter (WLTP)
Testverbrauch (kombiniert) 6,3 Liter
CO₂-Emission kombiniert 124 g/km /EU6
Grundpreis 37.590 Euro
Preis des Testwagens 49.690 Euro

Fazit: Der Kia Sportage 1.6 CRDi 48V AWD DCT ist ein echter Langläufer. Mit seinem 54-Liter-Tank sind bis zu 800 Kilometer zu überwinden, was für seine Genügsamkeit spricht. Auch von der Verarbeitung und den technischen Beigaben muss sich der für Europa entwickelte Koreaner nicht verstecken. Ob das aber den Preis, der sich im Premiumsegment bewegt, rechtfertigt, muss der Interessent am besten bei einer Probefahrt entscheiden.

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