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Indian Pursuit – die Streberin, die alles kann

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Wer die Indian Pursuit das erste Mal sieht, glaubt, dass die ausschließlich auf ewig langen und breiten Highways zu fahren ist. Aber weit gefehlt. Die US-Amerikaner haben dafür gesorgt, dass mit dem Luxustourer auch französische Hochalpenstraßen sehr dynamisch zu bezwingen sind.

Die Wahl von Chamonix-Mont Blanc im französischen Département Haute-Savoie scheint angesichts eines Motorrads mit einem fahrfertigen Leergewicht von 416 Kilogramm eine mutige Entscheidung. Die Verantwortlichen der US-Marke Indian trauen das ihrer Maschine zu. Sie wählten für die Präsentation des neuen Großtourers Pursuit exakt jene Route zwischen Chamonix und Annecy aus, auf der ein firmeninternes Testteam schon 2015 die Grundlagen für die weitere Entwicklung der Marke insgesamt und speziell der PowerPlus-Modellfamilie erarbeitet hat.

Aus dem Challenger entwickelt

Die Pursuit wurde aus der Challenger heraus weiterentwickelt.

(Foto: Indian)

Die Pursuit wurde aus dem im Bagger-Stil gehaltenen Modell Challenger heraus weiterentwickelt. Während die Challenger aber lediglich eine massive Frontverkleidung trägt, weist die Pursuit eine Vollverkleidung samt integriertem Topcase auf und entspricht damit den üblichen Vorstellungen von einem Luxustourer, der auch weite Reisen zu zweit ermöglicht. Angetrieben werden Challenger und Pursuit beide von einem knapp 1,8 Liter großen Vierventil-V2, der eindrucksvolle 122 PS bei lediglich 5500 Touren liefert, das sogenannte Power Plus-Aggregat. Das maximale Drehmoment gibt Indian mit 174 Newtonmeter bei 3800 Kurbelwellenumdrehungen an.

Beide Daten sind die Grundlage für Fahrfreude: Der Durchzug ist satt, die Spitzenleistung üppig, um bei Bedarf auch mal ordentlich beschleunigen zu können. Anders formuliert: Die Frage nach Leistung stellt sich nicht. Sie ist, unabhängig von der Gangwahl, einfach stets abrufbar. Das lässt entspanntes Cruisen in hohen Gängen genauso zu wie engagiertes Bezwingen anspruchsvoller Alpenpässe. Wobei die Fahrdynamik von einer angenehmen, gut komponierten Geräuschkulisse aus dem Ansaugsystem und der doppelflutigen Abgasanlage untermalt wird.

Rückwärts wird es schwierig

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Die Indian Pursuit ist auch in engen Kurven erstaunlich agil.

(Foto: Indian)

Dass auch Strecken mit engen Haarnadelkurven nicht zu einer anstrengenden Sache werden, hätten man angesichts der Fahrzeug-Dimensionen vor dem Start zur 200-Kilometer-Tour nicht geglaubt. Aber Indian hatte schon 2015 ganz offensichtlich erkannt, worauf bei der künftigen Entwicklung zu achten ist: Hohe Fahrwerksreserven, sehr gute Bremsen, Handlichkeit und ein ausreichender Wind- und Wetterschutz, um den Wetterkapriolen in den Alpen gewachsen zu sein.

Dementsprechend lässt sich die Indian Pursuit auf Schnellstraßen mit hohem Tempo durch langgestreckte Kurven dirigieren, aber auch auf engen Alpenpässen mit zweispurigem, löcherigem Asphalt präzise selbst um enge Serpentinen zirkeln. Dank der wirksamen Brembo-Dreischeibenbremsanlage inklusive Kurven-ABS, der gelungenen Fahrwerksabstimmung und der ausgezeichneten Ergonomie sind alle Voraussetzungen für genussvolles Fahren auf Routen aller Art gegeben.

Zwei Einschränkungen gibt es allerdings: Wenden ist – vor allem auf unbefestigtem Untergrund – eine delikate Sache. Und auch Rangieren fällt schwer, weil die Pursuit keine elektrische Rückfahrhilfe hat, wie sie in dieser Fahrzeugkategorie eigentlich unverzichtbar ist. Zum Glück ist die Straßenoberfläche mit den Füßen stets gut erreichbar, denn die Sitzhöhe fällt mit 67 Zentimetern moderat aus.

Viel Grund zur Freude

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Die klassische Optik und das moderne Cockpit bilden bei der Indian Pursuit eine Einheit.

(Foto: Indian)

Ansonsten gibt es viel Grund zur Freude: Die Ausstattung ist der Preisklasse von 35.000 Euro entsprechend üppig, es gibt zum Beispiel eine Zentralverriegelung für die drei gut nutzbaren Gepäckbehälter mit insgesamt 133 Litern Volumen. Die Windschutzscheibe ist natürlich elektrisch höhenverstellbar und wurde offensichtlich im Windkanal getestet. Denn man kann sehr schön mit geöffnetem Visier fahren, ohne dass Insekten in den Helm gelangen, zudem rüttelt und schüttelt der Fahrtwind nicht am Helm. Dazu kommen Griff- und doppelte Sitzheizung.

Nicht nur der Fahrkomfort ist hoch, auch die Fahrsicherheit: Es gibt über das Kurven-ABS hinaus eine dynamische Traktionskontrolle, angesichts des enormen Drehmoments unverzichtbar, insbesondere auf haftungsarmen Straßen. Auch sonst hat Indian an Ausstattung nicht gespart: Die Instrumentierung mit einem 7-Zoll-TFT-Display samt Touchfunktion ist üppig, LED-Beleuchtung rundum Serie, die Audioanlage ebenso serienmäßig wie Trittbretter für Fahrer und Sozia. Die Sitzposition selbst ist absolut langstreckentauglich, ohne aber eine passive Einstellung des Fahrers zu provozieren. Weite Strecken lassen sich auch deshalb leicht zurücklegen, weil der Benzinvorrat mit 22,7 Litern üppig bemessen ist. Etwa 350 bis 400 Kilometer lassen sich nonstop zurücklegen. Der Verbrauch wurde vom Bordcomputer 5,6 Liter über 100 Kilometer angegeben.

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Der 1,8 Liter großen Vierventil-V2 leistet eindrucksvolle 122 PS.

(Foto: Indian)

Indian, bereits 1901 gegründet und 1953 in Konkurs gegangen, ist erst seit 2013 als Teil der Polaris-Gruppe wieder am Motorradmarkt vertreten. Seither hat sich die Marke gut entwickelt; im relevanten Marktsegment wurde mittlerweile ein Marktanteil von weltweit elf Prozent erreicht. Das erscheint respektabel für eine Firma mit zwar klingendem Namen, aber doch stark makelbehafteter Geschichte.

Insbesondere die neue Pursuit untermauert nun die Absicht von Indian, sich auch in Europa ein starkes Standbein zu verschaffen. Denn sowohl Antrieb als auch Fahrwerk können sich im Kreis der Mitbewerber aus den USA, Japan und Deutschland sehen lassen. Und auch Ausstattung, Fahrassistenzsysteme und Fahrkomfort erfüllen die Ansprüche in der Preisklasse jenseits der 30.000 Euro.

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