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BMW R 18 oder lieber eine R nineT?

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Die Geschmäcker sind verschieden und so kann man auch mal Äpfel mit Birnen vergleichen, wie hier die BMW R 18 und die R nineT. Am Ende mögen es zwei Bikes für ganz unterschiedliche Fahransprüche und Fahrertypen sein. Aber ein paar Dinge einen den bayrischen Bullen und den Kurvenräuber dann doch.

Wenn man die BMW R 18 mit der R nineT Pure vergleicht, mag das so anmuten, als sollen hier die berühmten Äpfel und Birnen verglichen werden. Und dennoch soll hier der Versuch gestartet werden, denn es gibt neben den deutlichen Unterschieden doch einige Dinge, die die beiden Bayern, die in Berlin gefertigt werden, einen: Da wäre zum Beispiel der Boxermotor und das über eine Kardanwelle angetriebene Hinterrad. Außerdem ist da die klar zu erkennende Nostalgie. Beide Motorräder sind berühmten Modellen der BMW-Motorrad-Historie entlehnt. Die R 18 hat ihre Vorgängerin in der R 5, die R nineT findet sie in der R 32. Das wiederum ist die Grundlage der puristischen Einfachheit beider Modelle.

Wer will, kann mit der BMW R nineT Pure richtig Spaß haben.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Fahrtechnisch stehen sich hier am Ende aber zwei total unterschiedliche Motorräder gegenüber. Während die R 18 den souveränen Cruiser gibt, ist die R nineT der klassische Roadster, der auch mal zur dynamischen Landstraßenfahrt einlädt. Seit dem Modelljahr 2021 ist der mit 1170 Kubikzentimetern im Vergleich zum Big Boxer der R 18 „kleine“ Treibsatz den Vorschriften der EU-5-Norm angepasst worden. Was nichts anderes heißt, als dass er 1 PS verloren hat. Da das maximale Drehmoment aber weiterhin bei 116 Newtonmetern liegt, ist das für den spontanen Antritt irrelevant. Zumal der Drehmomentverlauf gerade im Bereich zwischen 4000 und 6000 Kurbelwellenumdrehungen angepasst wurde und so für einen satten Durchzug sorgt.

Wenn die Arme lang werden

Aber auch mit der R 18 kann sich der Fahrer die Arme mal so richtig lang ziehen lassen. Mit 91 PS zwar nicht ganz so potent wie die R nineT, drückt der 1802 Kubikzentimeter große Boxer bei Bedarf aber 150 Newtonmeter auf die Kardanwelle und schiebt den je nach Ausstattung mindestens 324 Kilogramm schweren bayrischen Bullen an. Wenn hier die Hörner nicht fest gepackt werden, wenn die Kolben im Big Boxer so richtig auskeilen, wird der Fahrer zum Rodeo-Reiter. Vor allem wer im Stand wild am Gashahn dreht, sollte beide Füße fest auf dem Boden verankern, was bei einer Sitzbankhöhe von 69 Zentimetern auch bei kleineren Reitern kein Problem sein sollte.

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Den bayrischen Bullen in Form der R 18 gibt es jetzt auch in Rot.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Natürlich kann sich auch eine R nineT mal so richtig schütteln, denn auch hier schlagen die Kolben nach links und rechts aus. Aber eben nicht mit einer solchen Wucht wie in der R 18. Und natürlich ist der Pilot der R nineT mit 3,6 Sekunden etwa 1 Sekunde schneller auf Landstraßentempo. Wer am Gas bleibt, wird wenige Augenblicke später sehen, wie sich die analoge Tachonadel spitz auf die 200 zubewegt. Aber keine Panik, der Pilot einer R 18, der die Gänge sanft nach oben kickt und den Hahn fest in der Hand hält, wird erst bei über 180 km/h ins Grübeln kommen. Nicht etwa, weil er nicht noch schneller könnte, vielmehr weil er sich wie das Segel von Kolumbus‘ „Santa Maria“ im Sturm vor Kuba fühlt.

Windige Gründe und Schräglage

Nun sind aber weder die dicke R 18 noch die als Pure, Scrambler oder Urban G/S erhältliche R NineT für Speed-Exzesse geeignet. Und wenn, dann machen sie aus besagten windigen Gründen einfach keinen Spaß. Was aber beide auf ihre Art und Weise können, sind gepflegte Kurvenfahrten. Ja, die R nineT ist ob ihrer größeren Schräglagenfreiheit deutlich dynamischer als die R 18, denn hier ist bei 30 Grad Schluss. Alles darüber hinaus führt zu einem argen Kratzen der Fußrasten auf dem Asphalt. Kann auch seinen Charme haben, ist aber fürs Material nicht sonderlich förderlich.

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Ganz ohne Sicherheits-Feature geht es weder bei der BMW R 18 noch bei der R nineT.

(Foto: Joerg Kuenstle)

Was beide Bikes dann wieder eint, ist ihre Reduktion. Weder bei der einen noch bei der anderen gibt es Fahrprogramme oder eine elektrische Zugstufeneinstellung. Selbst eine Ganganzeige sucht man bei einer R nineT Pure vergebens. So ganz ohne technische Neuerungen wollte BMW die beiden Heritage-Bikes dann aber doch nicht in die Spur schicken. Deshalb gibt es für die ganz wilden Hahndreher eine dynamische Traktionskontrolle und eine Motor-Schleppmoment-Regelung, die jeweils ein Rutschen oder Stempeln des Hinterrades verhindern.

Rock’n Roll oder einfach Road

Selbst Fahrprogramme sind verfügbar. Bei der R 18 heißen die Rain, Roll und Rock. Bei der R nineT gibt es statt Roll die Road. Da das Herumtollen mit dem deutlich schweren bayrischen Bullen nicht jedem Fahrer so ganz leicht von der Hand geht, gibt es hier serienmäßig auch noch eine Stabilitätskontrolle, die der professionelle Bullenreiter natürlich auch deaktivieren kann. Doch am Ende des Tages bleibt es dabei. Die R 18 ist das ideale Gefährt für gemütliches Cruisen. Im unteren Drehzahlbereich sucht man im hohen Gang seinen Swing und gleitet unter sanftem Böllern der Abgasanlage dahin.

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Das Polster der BMW R 18 hält den Reiter auf jeden Fall länger im Sattel als das der R nineT.

Bei der R nineT kann man durchaus auch mal den Attacke-Modus reiten und es in den Kurven laufen lassen. Aber man sollte sich bewusst sein, dass weder die R 18 noch die R nineT Selbstläufer beim Schlängellauf sind. Beide wollen geführt und dirigiert werden. Die Kleine vielleicht noch ein bisschen mehr als der bayrische Bulle. Und auch auf der Langdistanz ist die Dicke gefälliger, was die Ausdauer der rückwärtigen Dienste auf dem jeweiligen Sitzkissen betrifft. Das schmalste Polster der R nineT-Reihe hat mit Abstand die Scambler. Jedenfalls behauptete das das Hinterteil des Autors, während er sich auf der Pure und vor allem auf der G/S pudelwohl gefühlt hat.

Am Ende ist die Entscheidung R 18 oder R nineT sicher nicht nur die des Geschmacks, sondern auch die des Geldbeutels. Während man auf eine R nineT Pure bereits ab 13.650 Euro aufsteigen kann, muss man für eine R 18 mindestens 21.600 Euro einplanen. Doch egal, wie man sich am Ende entscheidet, Spaß machen beide. Jede auf ihre Art und Weise.

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