Rätselhafte Zeugenaussagen
Mordfall Fabian: Haben sich die Ermittler getäuscht?
03.09.2026 – 13:48 UhrLesedauer: 4 Min.
Am 26. Prozesstag im Fall Fabian sagen drei Kinder als Zeugen aus. Ihre Schilderungen widersprechen den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft.
Drei junge Zeugen haben am Donnerstag im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow ausgesagt, den Jungen am Tag seines Verschwindens gesehen zu haben – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bereits tot gewesen sein muss.
Die Schwurgerichtskammer des Rostocker Landgerichts beschäftigt sich seit Ende April mit dem Fall, der deutschlandweit Aufsehen erregt. Fabian war am 10. Oktober 2025 verschwunden, vier Tage später wurde seine Leiche entdeckt. Er wurde laut Obduktion mit sechs Messerstichen getötet und seine Leiche anschließend angezündet. Die Staatsanwaltschaft hält Gina H., die Partnerin von Fabians Vater, für die Täterin. Die 30-Jährige hatte in der vergangenen Woche in einer mehrstündigen Aussage ihre Unschuld beteuert.
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Fall Fabian: Mitschüler wollen Jungen noch gesehen haben
Die drei Zeugen, die am 26. Prozesstag am Donnerstag aussagten, waren auf Antrag der Verteidigung geladen worden. Zuerst sagte ein zehnjähriger Mitschüler von Fabian aus. Er gab an, den Achtjährigen zwischen 13.30 und 14 Uhr auf seinem Fahrrad vor einer Bäckerei in Güstrow gesehen zu haben. Beim genauen Tag war sich dieser jedoch nicht mehr sicher. „Ich glaube, Donnerstag oder Freitag. Ich glaube mehr am Freitag“, sagte er laut „Stern“. Am Freitag verschwand und starb Fabian laut den Ermittlungsergebnissen.
Ein zweiter, ebenfalls zehn Jahre alter Mitschüler, bestätigte die Beobachtung. Er sagte laut „Stern“ aus, er habe freitags fünf Stunden Schule gehabt, bis 12.30 Uhr. Er schätze deshalb, dass er Fabian gegen 12.40 Uhr vor dem Bäcker gesehen habe. Laut „Bild“-Zeitung sagte der Junge aus, sogar noch kurz mit Fabian gesprochen zu haben. „Wir haben nur ‚Hallo‘ gesagt und dann sind wir weitergegangen.“
Prozess im Mordfall Fabian: Aussagen werfen Fragen auf
Die dritte Zeugin, ein zwölfjähriges Mädchen, kannte Fabian nach eigener Aussage nur vom Sehen. Sie wohnt in derselben Straße, in der auch Fabian mit seiner Mutter lebte. Gesehen habe sie Fabian am Freitag zwischen 14 und 15 Uhr. „Hinter ihm waren zwei Männer“, sagte sie laut „Bild“-Zeitung. Er sei augenscheinlich von den beiden schwarz gekleideten Personen verfolgt worden. Fabian habe sich mehrfach umgedreht und sei schließlich in eine Nebenstraße eingebogen, so ihre Beobachtung. Laut der Augenzeugin war der Junge zu der Zeit zu Fuß unterwegs.
Die Aussagen im Fabian-Prozess werfen Fragen auf: Laut Staatsanwaltschaft soll Gina H. den Jungen bereits um kurz vor 11 Uhr mit ihrem Ford Ranger von zu Hause abgeholt haben und anschließend zu einem Waldstück, rund 1,6 Kilometer Luftlinie vom späteren Tatort entfernt, gefahren sein. Um 11.22 Uhr deaktivierte Gina H. laut den Ermittlungen ihr Smartphone. Anschließend soll sie zu dem Tümpel gefahren sein und Fabian erstochen haben. Laut Anklageschrift starb der Achtjährige zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr.
