Prozess im Mordfall Amy Lopez
Senior sagt „Ja“ – und muss mit lebenslanger Strafe rechnen
18.08.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Senior sitzt mehr als 30 Jahre nach dem Mord an einer Studentin auf der Anklagebank. Der Prozess bringt grausame Details ans Licht.
Im Fall der ermordeten 24 Jahre alten Studentin Amy Lopez hat am Dienstag der Prozess vor dem Landgericht in Koblenz begonnen. Der 81 Jahre alte Angeklagte legte dabei ein Geständnis ab.
Die junge Touristin aus den USA war 1994 tot in der Festung Ehrenbreitstein, einem beliebten Ausflugsziel, entdeckt worden. Die Ermittlungen ergaben, dass sie vergewaltigt und mit neun Messerstichen getötet worden war. Erst mehr als 30 Jahre später, im Februar dieses Jahres, gelang es der Polizei, einen Verdächtigen festzunehmen: Der Senior kam aus einem Seniorenheim in Untersuchungshaft. Eine gesicherte DNA-Spur hatte den Durchbruch in dem Fall ermöglicht.
Fall Amy Lopez: 81-Jähriger legt Geständnis ab
Vor Gericht verfolgten zahlreiche Zuschauer und Medienvertreter den Auftakt. Der Angeklagte erschien mit Rollator in einem dunkelgrauen T-Shirt. Sein Gesicht verdeckte er nicht. Zittrig setzte er sich auf die Anklagebank. Aufmerksam, mit leicht geöffnetem Mund und mit Blick in Richtung des vortragenden Staatsanwalts Julian Gislei verfolgte er die Anklageverlesung.
Verteidiger Volker Klein erklärte, dass der Angeklagte die Tat vollumfänglich einräumt. Im Anschluss nickte der 81-Jährige und antwortete mit „ja“, als der Vorsitzende Richter Rupert Stehlin fragte, ob dies der Wahrheit entspreche.
Psychiater spricht über Angeklagten im Fall Amy Lopez
Zudem sagte am ersten Prozesstag ein psychiatrischer Gutachter aus, der im Vorhinein mehrere Stunden mit dem Angeklagten gesprochen hatte. Ihm gegenüber habe der Mann gesagt, dass er damals den Gedanken hatte, „dass er eine Frau vergewaltigen möchte, wenn er eine finden würde“. Nach eigener Aussage sei er heute noch erschrocken über den Mord.
„Es wird eine Verurteilung wegen Mordes“, sagte Verteidiger Klein nach der Verhandlung. Wie diese konkret aussehen wird, bleibe abzuwarten. Sollte eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, „dann bleibt er eben im Gefängnis und wird da vermutlich auch sterben“, so der Rechtsanwalt des 81-Jährigen.
Ermittler: Mann handelte „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“
Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ gehandelt haben. Die Behörde spricht in der Anklage von einem „brutalen“ Mord. Demnach habe sich der Angeklagte am Tattag in Koblenz aufgehalten, um nach einem Opfer Ausschau zu halten. Dabei hatte er den Ermittlungen zufolge bereits Handschellen und ein Messer. Gegen 9 Uhr morgens soll er auf Amy Lopez aufmerksam geworden sein, die an dem Tag die Festung Ehrenbreitstein besichtigen wollte.
Der damals 49 Jahre alte Tatverdächtige habe die Studentin schließlich angesprochen und unter einem Vorwand in das abseits gelegene General-von-Aster-Zimmer an der Festung gelotst, wo er „über das arg- und wehrlose Opfer herfiel“, so die Staatsanwaltschaft. Im Verlauf der Tat soll der Mann nicht nur sein Messer verwendet, sondern darüber hinaus mit einem Stein auf das Opfer eingeschlagen haben. Die Tatwaffe, die Handschellen sowie weitere Gegenstände habe er nach der Tat im Rhein versenkt.
