August 8, 2026 2:01 p.m. CEST

Man hat den Eindruck, dass sich die Angebote von sogenannten Neobanken wie Revolut, Direktbanken und klassischen Banken immer stärker angleichen. Warum setzt auch Revolut nicht mehr auf Spezialisierung?

Weil wir glauben, dass es langfristig nicht hilfreich ist, wenn man für jeden einzelnen Finanzbedarf eine eigene App braucht. Außerdem bleiben wir mit mehreren Geschäftsbereichen stabil, wenn einzelne Märkte schwanken. Kartenumsätze, Einlagen, Vermögensaufbau, Krypto, Abos – alle Bereiche tragen zum Geschäftsmodell bei. Unsere Philosophie ist: Wir bauen ein universelles Finanzprodukt und behalten nur die Teile, die für unsere Kundinnen, Kunden und für uns wirklich funktionieren.

Was ist eine Neobank?

Neobanken sind Finanzanbieter, die Bankgeschäfte fast vollständig digital anbieten, meist per App. Ein klassisches Filialnetz haben sie nicht. Viele Neobanken starteten mit einzelnen Angeboten, etwa dem Wertpapierhandel. Inzwischen bauen einige Anbieter ihr Geschäft zu vollwertigen Bankplattformen aus.

Mitbewerber haben ähnliche Geschäftsmodelle und jetzt haben Sie auch noch Konkurrenz durch Schwergewichte wie die US-Bank J.P. Morgan, die kürzlich in Deutschland gestartet ist: Wie wichtig ist in so einer Landschaft die Marke?

Sehr wichtig, aber unterschiedlich je nach Altersgruppe. Unter 35 oder 40 ist entscheidend: Wie modern wirkt Revolut, wie gut passt es zum eigenen Alltag? Bei Menschen über 40 zählen Funktionalität und Vertrauen in die Produkte mehr als das Logo. Wir wachsen derzeit extrem schnell in den Segmenten der 18- bis 24-Jährigen und der 24- bis 35-Jährigen. Für viele ist Revolut das erste Bankkonto, das sie bewusst wählen. Damit sprechen wir eine Generation an, die ihre Finanzen von Beginn an mobil managen will.

Ist das nicht riskant? Das große Vermögen liegt doch eher bei den älteren Kunden, die bereits Immobilien, langfristige Sparpläne und höhere Gehälter haben.

Wir wachsen zwar aktuell sehr stark bei den jüngeren Kundinnen und Kunden, aber wir entwickeln Produkte für alle Altersgruppen. Unsere Logik ist: Wen wir heute mit einem kostenlosen, digitalen Konto überzeugen, der bleibt auch bei uns, wenn später komplexere Finanzentscheidungen anstehen – etwa Vermögensaufbau oder Kredite. In Ländern wie Irland sieht man das bereits: Dort nutzen mehr als 80 Prozent der Erwachsenen Revolut. Das sind nicht nur Studierende, sondern auch Menschen, deren Finanzen bereits fest organisiert sind.

Im klassischen Bankensektor erleben wir gerade, wie sich UniCredit die Commerzbank sichert – ein Schritt hin zu größeren europäischen Bankengruppen. Direktbanken und Fintechs gibt es hingegen noch viele. Steuern wir auch hier auf eine Konsolidierung zu?

Ich halte das für wahrscheinlich. Wenn man sich anschaut, welche Fintechs vor zehn Jahren gegründet wurden, sieht man: Manche haben sich stark weiterentwickelt, andere sind im Kernmarkt stecken geblieben. Es wird Zusammenschlüsse geben – wann und in welcher Form, ist offen. Aber die Logik spricht dafür, dass sich der Markt nicht dauerhaft mit einer Vielzahl kleiner, spezialisierter Anbieter trägt.

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