„Sinnlose Aktion“
Alpenverein degradiert Gipfel – und löst Kontroverse aus
01.09.2026 – 16:38 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Gipfel in den Alpen ist dem Alpenverein in Österreich ein Dorn im Auge. Jetzt haben die Verantwortlichen reagiert – und erklären ihre Beweggründe.
Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) hat einem Berggipfel in der Venedigergruppe seinen Namen sowie den Dreitausenderstatus entzogen. „Ein Berg wird wieder namenlos“, erklärte die Organisation, nachdem die Verantwortlichen vor wenigen Tagen die Tafel mit Namen und Höhenangabe entfernt hatten. Der „Pillewizer“ soll nach seiner Degradierung keinen neuen Personennamen erhalten, wie der Verein weiter mitteilte.
Zur Begründung nannte der ÖAV die NS-Vergangenheit des Namensgebers Wolfgang Pillewizer. Dieser war laut Recherchen des Vereins nicht nur bereits 1932 Parteimitglied bei den Nationalsozialisten, sondern wurde auch Truppenführer in der paramilitärischen Organisation SA. Der Alpenverein geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Pillewizer „an der Umsetzung der menschenverachtenden, rassistischen Ideologie des NS-Regimes“ beteiligt war.
Helfer von NS-Größe schleppten wohl Steine auf Alpen-Gipfel
Der ÖAV fühle sich „demokratischen und humanistischen Werten zutiefst verpflichtet“. Man verstehe sich als „Organisation, die sich für eine offene, inklusive Gesellschaft“ einsetze.
Der Mitteilung zufolge war die Graterhebung künstlich erhöht worden, um die Dreitausendermarke zu knacken. Offiziell fehle je nach Kartenmaterial nur ein Meter. Unterstützer von Pillewizer hätten im Jahr 1988 Steine auf den höchsten Punkt geschleppt, um die Spitze zu erhöhen. Der Alpenverein bat Bergsteiger, „als Zeichen der Solidarität“ Steine vom Gipfel etwas tiefer wieder abzulegen.
Zahlreiche positive Rückmeldungen – aber auch Kritik
In den sozialen Medien rief ein entsprechender Beitrag des Salzburger Alpenvereins ein großes Echo hervor. Neben zahlreichen lobenden Kommentaren finden sich unter dem Facebook-Posting aber auch kritische Rückmeldungen. „Meiner Meinung eine sinnlose Aktion“, findet ein Nutzer. Und ein anderer stimmt zu: „Absoluter Schwachsinn, was Ihr da betreibt! Geschichtsvergessen, moralisch verwerflich und ideologisch komplett einseitig.“
Der Alpenverein beschäftigte sich im Zuge der Recherchen auch mit der eigenen Vergangenheit: Die Jahre ab 1918 seien durch den „Ausschluss bestimmter Personengruppen“ geprägt gewesen, spezielle „Arierparagrafen“ seien eingeführt worden. Den Tiefpunkt habe diese Entwicklung zur Zeit des Nationalsozialismus erreicht.
