Oktober 30, 2026 5:16 p.m. CET

Einnahme von Blutdruckmitteln

Dann bleibt der lebensrettende Schutz aus


30.10.2026 – 14:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Medizinischer Notfall (Symbolbild): Bluthochdruck gilt als wesentlicher Grund für einen vorzeitigen Tod.

Medizinischer Notfall (Symbolbild): Bluthochdruck gilt als wesentlicher Grund für einen vorzeitigen Tod. (Quelle: Caiaimage/Martin Barraud/getty-images-bilder)

Wer seine Blutdrucktabletten öfter vergisst, verliert womöglich ihren Schutz vor schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Experte erklärt, worauf es ankommt und wann besondere Vorsicht zählt.

Bluthochdruck tut nicht weh und äußert sich insgesamt unspezifisch. Er kann aber auf Dauer Gefäße und Organe schwer schädigen. Das macht ihn besonders tückisch. Medikamente sollen den Blutdruck senken und Folgen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt verhindern. Doch viele Menschen nehmen ihre verordneten Arzneimittel nicht regelmäßig ein.

Eine Auswertung von zwölf Studien mit über 115.000 Teilnehmern zeigt nun: Wer seine Tabletten zu oft weglässt, profitiert nicht mehr vom Schutz vor schweren Folgeerkrankungen. Das Team der Universität Oxford in England stellte die Ergebnisse beim diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München vor.

Untersuchung der Einnahmetreue

Für ihre Analyse verglichen die Forscher die Daten zur Therapietreue von den Studienteilnehmern mit den Blutdruckwerten sowie dem Auftreten klinischer Herz-Kreislauf-Ereignisse – darunter Schlaganfall, Herzinfarkt sowie Herzinsuffizienz mit Todesfolge oder Krankenhausaufenthalt und die Gesamtsterblichkeit.

Dabei unterschieden sie zwei Gruppen: Menschen, die mindestens 80 Prozent ihrer Medikamente wie vorgesehen einnahmen, und Menschen, die unter dieser Marke blieben.

Unregelmäßige Einnahme: Schutzwirkung bleibt nahezu aus

Das Ergebnis: Bei höherer Einnahmetreue senkte die Blutdruckbehandlung den systolischen Blutdruck (oberer Blutdruckwert) gegenüber der Vergleichsgruppe um durchschnittlich 5,2 mmHg. Bei geringerer Einnahmetreue sank der Wert nur um 3,0 mmHg.

Noch wichtiger: Bei mindestens 80 Prozent Einnahmetreue traten unter der Blutdruckbehandlung elf Prozent weniger schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auf als in den jeweiligen Vergleichsgruppen. Bei Menschen mit geringerer Einnahmetreue zeigte sich dagegen kein oder nur ein sehr geringer Nutzen. Was insgesamt die häufigsten Ursachen für Krankenhauseinweisungen in Deutschland sind, lesen Sie hier.

Felix Mahfoud, Vorsitzender des Kommunikationsausschusses der ESC, erklärt laut „HCP live“ auf dem Kongress: „Jahrelang haben wir die mangelnde Therapietreue bei der Medikamenteneinnahme als Ursache für einen unkontrollierten Bluthochdruck vernachlässigt. Die Überprüfung der Therapietreue sollte zum festen Bestandteil der Bluthochdruckbehandlung werden, damit die Patienten lebensrettende Vorteile nicht verpassen.“ Laut Deutscher Herzstiftung gilt Bluthochdruck als wesentlicher Grund für einen vorzeitigen Tod.

  • Risiko erkennen: Bluthochdruck – was die Werte alles verraten

Qianqian Yang, Studienautorin und Doktorandin an der Universität Oxford, sagte laut „HCP live“: „Unsere Ergebnisse bekräftigen den Spruch: ‚Medikamente wirken nicht bei Patienten, die sie nicht einnehmen.'“ Sie hob zudem die einzigartige Qualität der Analyse hervor.

Ab wann vergessene Tabletten problematisch sind

Auf eine Woche betrachtet, bedeutet das Ergebnis rein rechnerisch, dass man von der Schutzwirkung von Blutdruckmitteln profitiert, wenn man an sechs Tagen seine Medikamente wie verordnet nimmt. Allerdings betrachtet die Studie die Einnahmetreue über längere Zeit.

Aber was bedeutet das für den Alltag? Ab wann genau ist die unregelmäßige Einnahme gefährlich? Der Herzspezialist Heribert Schunkert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, erklärt t-online, dass es noch kein Grund zur Unruhe sei, eine oder zwei Tabletten zu vergessen. Denn bei den meisten Blutdrucksenkern lasse die Wirkung nur langsam nach. „Mehr als zwei Tage ohne Medikamente sollten es allerdings nicht sein“, so der Experte.

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